18.09.2018 - 11:37 Uhr
AmbergOberpfalz

St. Martin verkauft Pfarrhof

In Ambergs bester Lage wird schon bald eine geschichtsträchtige Immobilie frei: Die Pfarrei St. Martin verkauft das Pfarrhaus in der Rathausstraße. Stadtpfarrer Thomas Helm zieht in ein anderes Gebäude ganz in der Nähe um.

Pfarrer Thomas Helm (Mitte), Architekt Georg Zunner (links) und Kirchenpfleger Josef Beer vor dem künftigen Domizil.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Es ist ein Immobilien-Deal für die Chronik der Stadt: Nach mehr als 350 Jahren zieht der Pfarrer von St. Martin aus dem Anwesen Rathausstraße 8 aus. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt Stadtpfarrer Thomas Helm. "Aber als wir alles geprüft und durchgerechnet hatten, blieb uns gar keine andere Wahl." Bis Ende 2020 wird das Pfarrbüro noch am gewohnten Ort bleiben. Dann allerdings steht der große Umzug an.

Der Pfarrhof zieht in das Gebäude, das auf der gegenüberliegenden Seite des Pfarrgartens liegt - das sogenannte Gleich-Haus. Im Juni hat die Pfarrei das seit vielen Jahren leerstehende Anwesen erworben, in dem das 1898 gegründete Familienunternehmen Georg Gleich einst Plakate für Litfaßsäulen hergestellt hat. Die neue Adresse lautet dann: Unteres Apothekergässchen 1.

1961 abgerissen

"Der alte Pfarrhof ist dringend renovierungsbedürftig und außerdem viel zu groß", erläutert Pfarrer Helm. 800 Quadratmeter Nutzfläche sind selbst für die Stadtpfarrei St. Martin überdimensioniert. Viele Zimmer stehen leer, der Putz bröckelt, die Jalousien wackeln, die Heizung entspricht schon lange nicht mehr den technischen Standards. Nur die Fassade zur Rathausstraße hin steht unter Denkmalschutz, sie stammt noch aus der Barockzeit. Alles, was sich dahinter verbirgt, ist Material, das 1961 neu verbaut wurde. Damals wurde der historische Bestand abgerissen. Denkmalschutz ist auch in der neu erworbenen Immobilie kein Thema. "Das Gleich-Haus ist innen praktisch entkernt", sagt Architekt Georg Zunner, der mit den Planungen beauftragt ist. Das Gebäude soll dennoch denkmalgerecht hergerichtet werden, es genießt ja auch Ensembleschutz. "Das ist eine wirklich schöne Aufgabe", schwärmt Zunner. "Das ganze Eck soll gewinnen. Durch den Umbau können wir den Hof optisch aufwerten und die Zufahrt verbessern." Der Umbau des Gleich-Hauses wird vom kirchlichen Baureferat in Regensburg als Neubau eingestuft. Pfarreien von der Größe von St. Martin müssen demnach laut Raumprogramm der Diözese Regensburg mit maximal 400 Quadratmeter für Büros, Lager- und Besprechungsräume sowie Wohneinheiten für diverse Mitarbeiter auskommen. Im Unteren Apothekergässchen 1 ist folgende Aufteilung geplant: Im Erdgeschoss sind die Büros für Pfarrer, Kaplan und Sekretariat vorgesehen. Der erste Stock ist für die Wohnung des Pfarrers reserviert, das Dachgeschoss für zwei weitere, kleinere Wohnungen - eine für den Kaplan und eine für die Pfarrhaushälterin.

Beginn im Winter

55 Prozent der Kosten trägt das Bistum, den Rest die Pfarrei. Über die Summen wollten Pfarrer Helm und Kirchenpfleger Josef Beer noch nicht sprechen. "Es wird aber ein Bruchteil dessen werden, was notwendig wäre, würden wir den alten Pfarrhof sanieren", sagt Beer. Architekt Brunner will schon bald loslegen. Wenn mit dem Bistum alles geklärt ist, könnten die Bauarbeiten um den Jahreswechsel herum starten. Eröffnung an der neuen Adresse könnte dann im Herbst 2020 sein.

Die Pfarrei St. Martin verkauft den Pfarrhof in der Rathausstraße.

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