29.03.2019 - 14:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Der stückweise Verzicht auf Plastik

Plastik im Meer, auf den Feldern, im Essen. Die EU beschloss das Verbot bestimmter Einweg-Produkte wie Gabeln, Halme oder Teller. Das soll ab 2021 gelten. In Amberg arbeitet man schon jetzt an Lösungen, um weniger Müll zu produzieren.

Plastikfrei an der Wursttheke, Edeka Abteilungsleiter Werner Weiß
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Cafés bewerben wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher, in Klamottenläden kosten Tüten extra und in Kneipen gibt es nicht mehr automatisch den Strohhalm zum Getränk. Zum Beispiel hat Wirt Christian Klostermann auf Facebook angekündigt, ab April auf Trinkhalme im Blauen Haus verzichten zu wollen. In der Unteren Nabburger Straße gehen am Wochenende Hunderte von Cocktails über den Tresen. „Ich möchte in meinem Lokal Strohhalme eigentlich komplett abschaffen“, sagte Klostermann. Hauptsächlich geht es ihm allerdings darum, Gewohnheiten zu ändern. Bedienungen sollen künftig nicht mehr zu jeder Cola oder zu jedem Wasser einen Halm ins Glas stecken. Die Gäste erhalten nur in Ausnahmefällen den Halm, zum Beispiel beim Caipirinha. Seit einem halben Jahr hatte der Wirt bereits auf die kompostierbare Alternative umgestellt. „Doch mir geht es hauptsächlich darum, die Gewohnheiten abzuschaffen.“ Ab April wird der Verzicht auf Trinkhalme probeweise im Blauen Haus vollzogen. „Aber ich gehe davon aus, dass sich das fortsetzt. „Einen Strohhalm zu benutzen, ist das Müßigste der Welt“, sagte Klostermann.

Auf Plastikverpackungen an der Metzgertheke können mittlerweile auch die Kunden im E-Center Kunert verzichten. Für Wurst und Fleisch dürfen eigene Behälter (kein Glas) mitgebracht werden. „Die Nachfrage ist groß, es wird sehr gut angenommen, besser als wir erwartet haben“, sagte Abteilungsleiter Werner Weiß. Wenn es soweit ist, legen die Angestellten ein Tablett, bedeckt mit Papier, auf die Theke. Der Kunde stellt seinen Behälter drauf. „Wir berühren das nicht, es bleibt alles auf dem Tablett“, erklärte Weiß. Natürlich wurde diese Vorgehensweise mit Lebensmittelkontrolleuren abgeklärt.

„Jeder Edeka-Markt konnte selbst entscheiden, ob an dem Versuch teilgenommen wird“, sagte der Abteilungsleiter. „Wir wollten unseren Kunden diese Möglichkeit bieten.“ Sie entspreche dem Zeitgeist. Wöchentlich werden es mehr, die mit eigenen Schüsseln in den Einkaufsmarkt im Industriegebiet West kommen, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Das ist auch das Grundkonzept des Unverpackt-Ladens in Amberg. Seit die „Tee- und Gewürztruhe“ am Malteserplatz mit ihrem Konzept an die Öffentlichkeit ging, wird das Geschäft förmlich überrannt. „Wir haben eine Kundensteigerung von 300 Prozent“, sagte Inhaberin Petra Weinmann.

Im Geschäft kann man Müsli, Tee, Nudeln in mitgebrachte Behälter abfüllen. Insbesondere die Kunden zwischen 25 und 30 Jahren würden das gesamte System hinterfragen. „Eine sehr gute Entwicklung“, findet Weinmann.

Einkaufen ohne Verpackungsmüll:

Bei den Studierenden der Hauswirtschaft der Landwirtschaftsschule steht umweltbewusstes Handeln auf dem Stundenplan. Schulleiterin Ursula Eckl hat Tipps parat, wie sich Verpackungsmüll reduzieren lässt.

- Kleinpackungen und Doppelverpackungen vermeiden

Obst und Gemüse können beispielsweise in ein mitgebrachtes Säckchen gesteckt werden. Besonders erschreckend findet Eckl die so genannten Quetschies. „Obstmus lässt sich so leicht selber herstellen.“

- Einkaufskorb oder wiederverwendbare Taschen benutzen

- Häufiger selber kochen

„Und auf Fertigsalat in der Verpackung verzichten.“

- Lebensmittel in langlebigen Verpackungen lagern

Alufolie und Frischhaltefolie seien zu vermeiden, stattdessen können Bienenwachstücher verwendet werden.

- Transportwege reduzieren

Eckl empfiehlt: "Auf Pfandflaschen umsteigen, Leitungswasser bevorzugen und Lebensmittel aus der Region einkaufen."

Der Trend geht zu unverpackt

Amberg
Ursula Eckl, Schulleiterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg.
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg.
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