01.10.2020 - 18:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Tag des Flüchtlings: Corona kann für Verständnis sorgen

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Während der Corona-Pandemie mussten viele Menschen in Isolation und mit Existenzängsten leben. Für die meisten Asylbewerber ist das Alltag. Die Krise trifft sie dennoch mit voller Wucht, sagt Anne Kuchler vom Caritasverband Amberg-Sulzbach.

Zum Tag des Flüchtlings am Freitag, 2. Oktober, erzählen Anne Kuchler von der Caritas (links) und Larisa von den Auswirkungen der Coronakrise auf das Leben in Asylbewerberunterkünften. In solch einer lebt Larisa mit ihren vier Kindern.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Larisa lebt mir ihren vier Kindern in einer Asylbewerberunterkunft in Amberg. Die vergangenen Monate waren besonders schwierig für die 28-Jährige. Ihr erging es wie den meisten anderen Eltern: Sie musste ihre Kinder daheim betreuen. Kein Kindergarten, keine Schule und während der Ausgangsbeschränkungen auch keine Besuche auf dem Spielplatz oder im Park.

Doch was bedeutet all das, wenn das Zuhause einer fünfköpfigen Familie aus zwei Zimmern besteht? Wenn Küche und Sanitärräume gemeinschaftlich genutzt werden? Und sich in diesen Räumen selbst mit Mund-Nasen-Bedeckung nur noch vier Personen gleichzeitig aufhalten dürfen?

„Man kann sich nicht durch Daheimbleiben schützen, wenn man kein daheim hat“, sagt Anne Kuchler. Die Sozialpädagogin arbeitet in der Asylsozialberatung des Caritasverbandes Amberg-Sulzbach. Den Tag des Flüchtlings will sie nutzen, um auf die Menschen aufmerksam zu machen, die auch in besonderer Weise von der Corona-Krise betroffen sind.

Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben

„Viele Corona-bedingten Einschränkungen, unter denen wir so gelitten haben und immer noch leiden, sind für diese Menschen weitgehend normal und alltäglich: Ihre Lebensbedingungen sind fremdbestimmt und ihre Freiheit ist eingeschränkt“, sagt Kuchler. „Während des Asylverfahrens werden die Asylbewerber einem bestimmten Wohnort, ja einem bestimmten Zimmer zugewiesen, sie dürfen nicht verreisen. Sie haben ein Dach über dem Kopf, aber kaum Lebensgestaltungsmöglichkeiten“, erklärt ihre Kollegin Patrycja Sobczyk. Mit dem Lockdown sei auch die Freiheit des durchschnittlichen Ambergers beschnitten worden. Die Folge: Isolation und Existenzängste.

In dieser Ähnlichkeit sieht Anne Kuchler die Chance, einmal die Perspektive zu wechseln. „Ein einfühlsamerer Blick ist nun, da wir alle eine Veränderung unserer Lebensbedingungen erfahren haben, vielleicht leichter möglich.“

Für die Sozialpädagogin hat das Leben in einer Asylbewerberunterkunft in Corona-Zeiten verschiedene Facetten. Einerseits hätten die Einschränkungen Asylbewerber und Geduldete nicht so gravierend getroffen, „weil sie sowieso weitreichend von unseren sogenannten Freiheiten ausgeschlossen sind“, führt Kuchler aus. Geschlossene Cafés, Restaurants und Kinos zum Beispiel. „Dafür haben sie ohnehin kaum Geld.“

Auch von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Arbeitsleben waren nur wenige betroffen, weil sie ausländerrechtlich ohnehin nicht arbeiten dürfen, erklärt die Sozialpädagogin. Diejenigen, die arbeiten dürfen, seien aber häufig die ersten gewesen, denen in dieser Zeit gekündigt wurde, erzählt Larisa. „Ich kenne viele, die ihren Job verloren haben.“

Ansteckungsrisiko in Asylbewerberunterkünften

Sie freut sich vor allem, dass endlich wieder Deutschkurse stattfinden und ihre Kinder wieder betreut werden. Home-Schooling sei besonders schwierig gewesen, weil es in der Unterkunft kein W-Lan, Computer oder Drucker gibt. Die Unterkunftsverwaltung hätte dann teilweise die Hausaufgaben für die Kinder ausgedruckt und verteilt.

Die Angebote der Caritas, wie Hausaufgabenbetreuung, liegen immer noch auf Eis. „Es ist schwierig, derzeit Ehrenamtliche in die Unterkünfte zu schicken“, sagt Kuchler. Dort seien einfach zu viele Menschen auf engem Raum. „Bei uns ist das Risiko hoch“, sorgt sich auch Larisa vor einer Ansteckung. „Durch diese Isolation“, erzählt Anne Kuchler, „machte die Integration viele Schritte rückwärts.“

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