15.11.2019 - 10:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Taschengeld: Zum Start reichen 50 Cent

Ab wann, wie viel und wofür brauchen Kinder eigenes Geld? Es gibt viele offene und strittige Fragen, wenn das Thema Taschengeld aufkommt. Wir haben nachgehakt und wichtige Fragen geklärt.

Kinder haben Wünsche, und die kosten meistens Geld. Bevor aber das Sparschwein dem Hammer zum Opfer fällt, sollten sich die Eltern über regelmäßiges Taschengeld Gedanken machen.
von Michelle BalzerProfil

Anfangs sind es Süßigkeiten und Spielzeug, später geht es um Computerspiele, Markenkleidung und Handys. Einem Kind jeden Wunsch zu erfüllen, ist für Eltern jedoch oft nicht möglich. Bekommen die Kinder aber Taschengeld, können sie sich kleine und auch größere Wünsche selbst erfüllen. Sie lernen dabei den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld.

Dieser Tatsache sind sich die Allermeisten bewusst. So auch Josef Richthammer und Albert Bublitz von der katholischen Jugendhilfestation St. Martin Amberg. "Es gibt zwar keine gesetzliche Lage, die besagt, ob und wie viel gegeben werden soll. Aber es ist natürlich ganz wichtig, dass Kinder und Jugendliche es bekommen", sagt Richthammer, der die Einrichtung leitet. Bublitz, der in der Jugendhilfestation im ambulanten Dienst arbeitet, sagt: "Ich persönlich bin ein großer Verfechter davon und plädiere sehr dafür, dass Kinder Taschengeld für den persönlichen Gebrauch zur Verfügung haben." Die Alternative sei sonst, dass die Kinder "immer zu den Eltern rennen" müssen, wenn sie etwas haben wollen "und die Eltern dann oft nein sagen". Das sei für beide Seiten nicht befriedigend.

  • Unter 6 Jahren: 0,50 - 1 Euro pro Woche
  • 6 Jahre: 1,00 -1,50 Euro pro Woche
  • 7 Jahre: 1,50 - 2,00 Euro pro Woche
  • 8 Jahre: 2,00 - 2,50 Euro pro Woche
  • 9 Jahre: 3,00 - 3,50 Euro pro Woche
  • 10 Jahre: 15,50 - 18,00 Euro pro Monat
  • 11 Jahre: 18,00 - 20,50 Euro pro Monat
  • 12 Jahre: 20,50 - 23,00 Euro pro Monat
  • 13 Jahre: 23,50 - 25,00 Euro pro Monat
  • 14 Jahre: 25,50 - 30,50 Euro pro Monat
  • 15 Jahre: 30,50 - 38,00 Euro pro Monat
  • 16 Jahre: 38,00 - 45,50 Euro pro Monat
  • 17 Jahre: 45,50 - 61,00 Euro pro Monat
  • Ab 18 Jahren: 61,00 - 76,00 Euro pro Monat

Mehr zum Thema Taschengeld auf der Seite des deutschen Jugendinstituts

Um die dadurch entstehenden Diskussionen zu umgehen, empfiehlt Bublitz ein wöchentliches oder monatliches Taschengeld, das die Kinder ein Stück weit unabhängiger macht. "Sie lernen Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, wie sie das Geld richtig einteilen und auch, dass nicht alle Wünsche sofort in Erfüllung gehen können," ergänzt Josef Richthammer. Verschiedene Tabellen im Internet geben Eltern Orientierungshilfen, wie auch die des deutschen Jugendinstituts. Unter zehn Jahren bietet sich demnach ein wöchentliches und ab zehn Jahren ein monatliches Taschengeld an.

Verantwortung lernen

Monat Bublitz erklärt: "An diese vorgegebenen Werte halten sich besonders Kinderheime. Im alltäglichen Leben kann sich eine Familie eher weniger daran halten. Die Summe sollte mit den Kindern ausgehandelt und besprochen werden. Kommunikation ist hier wirklich alles."

Auch Thomas Boss vom Jugendamt Amberg schließt sich dieser Meinung an: "Jede Familie sollte so viel geben, wie sie kann und das muss auch jeder unter sich ausmachen." Dabei sollte die Höhe des Taschengeldes nicht die entscheidende Rolle spielen. Viel wichtiger ist es, den Kindern und Jugendlichen regelmäßig eine kleine Summe an Geld unaufgefordert und unabhängig vom Verhalten zu geben. "Es ist ein Stück weit Vertrauen, dass hier von beiden Seiten einhergeht: Die Eltern müssen dem Kind vertrauen, dass es das Geld mit Bedacht ausgibt, und das Kind muss den Eltern vertrauen, dass es das Geld bekommt, auch wenn mal eine schlechte Note oder sonst was in der Familie vorgefallen ist." Bevor es jedoch dazu kommt, sollte laut besprochen werden, was von dem Geld gekauft werden muss und was nicht: "Es sollten Regeln aufgestellt werden und nur wenige Einschränkungen klargemacht werden, wie zum Beispiel Alkohol oder Drogen. Aber sonst sollten die Kinder sich das kaufen, was sie wollen. Die Eltern müssen hier die Kontrolle abgeben und sich auf die abgesprochenen Regeln verlassen."

Alternative: Jobben

Boss ergänzt: "Es ist sehr wichtig, dass Eltern nichts direkt vorschreiben, sondern versuchen, ihren Kindern Tipps zu geben, für was sie das Geld ausgeben sollten und für was nicht. Sollte das Geld vorzeitig ausgegeben werden, haben die Kinder laut Bublitz für den Monat einfach Pech gehabt: "Man sollte auf keinen Fall noch mehr Geld nachschießen, denn sonst lernen sie es nie richtig, mit Geld umzugehen. Wenn es zu wenig ist, dann ist eine Möglichkeit, nebenbei Jobben zu gehen. Sie wissen zwar in dem Alter dann, wie viel die Dinge kosten und haben ein Gefühl für Geld. Aber wie viel man dafür arbeiten muss, ist in den meisten Fällen eher nicht klar. Das wäre dann der nächste Schritt."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.