30.08.2020 - 18:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Zum Todestag von Klaus-Peter Beer: Ein Abend zum Erinnern

Das Bündnis gegen das Vergessen hatte eingeladen: Zum 25. Todestag von Klaus-Peter Beer am 7. September gab es einen Vortrag und einen Film über dessen Leben und Tod im Ring-Theater.

Stefan Dietl, Sprecher des Bündnisses gegen das Vergessen, erinnert im Ring-Theater an das Schicksal von Klaus-Peter Beer.
von Sophia PesoldProfil

Vor 25 Jahren starb Klaus-Peter Beer eines gewaltsamen Todes. Zwei Neonazis misshandelten ihn schwer und warfen ihn in die Vils, wo er ertrank. Dass an diesen grausamen Tod bis heute nichts erinnert, stört das neu gegründete Bündnis gegen das Vergessen.

"Klaus-Peter Beers Tod war ein feiger neonazistischer Mord", sagte Stefan Dietl, der Sprecher des Bündnisses. Er berichtete davon, wie Beer vor 25 Jahren von zwei Rechtsradikalen bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt und in den Fluss geworfen wurde, wo sein Leben ein Ende nahm. "Der einzige Grund für diesen Mord war, dass er nicht in das Weltbild der beiden Faschisten passte", sagte Dietl über das Motiv der beiden Täter. Mit anderen Worten: Beers Homosexualität.

Ein Kritikpunkt, den Dietl in seinem Vortrag ansprach, ist der Mantel des Schweigens, der über dieses Ereignis gebreitet werde. Ein Mantel des Schweigens, der laut Dietl auch weiterhin bei der Amberger Polizei und politisch Verantwortlichen in einer "Politik des Verdrängens und Ignorierens" über sämtliche rechtsextremistische Aktivitäten in Amberg falle. "Dieser Mord war kein singuläres Ereignis in einer friedlichen Stadt", erklärte er und verwies auf Straftaten im Amberger Raum mit rechtsextremem Hintergrund der vergangenen 20 Jahre. Er berichtete von rechten Gruppierungen, die in Amberg für den süddeutschen Raum einen "Rückzugsort" gefunden haben.

"Enough is enough - genug ist genug" forderten 2010 bereits mehr als 300 Menschen bei einer Demonstration gegen rechtes Gedankengut. Es wurde schließlich aus eigener Tasche eine Gedenktafel für Klaus-Peter Beer aufgestellt, erklärte Stefan Dietl. Schon beim Aufstellen dieser Tafel sei die Schweigeminute von Neonazis gestört worden. Nur einige Tage blieb die Tafel an Ort und Stelle, wurde dann aber von Nazis entfernt. Geblieben seien nur Sticker der rechten Gruppierungen mitsamt ihrer Parolen.

Stefan Dietl kritisierte die fehlende Unterstützung der Politik und forderte gemeinsam mit dem Bündnis gegen das Vergessen eine neue Gedenkstätte am Ort des Geschehens, um diese Straftat "dem Vergessen zu entreißen". Außerdem stellte er die Möglichkeit in den Raum, eine Straße oder einen Platz, wie beispielsweise den Multifunktionsplatz, in Erinnerung an Beer nach diesem zu benennen.

Im Anschluss an Stefan Dietls Vortrag wurde zum ersten Mal in Amberg öffentlich der Film des Hessischen Rundfunks "Tödliche Begegnungen - Das Leben von Klaus Peter Beer" gezeigt. Mit persönlichen Informationen und einer genauen Schilderung von Beers Werdegang und Leben, bis hin zu seinem Tod wurde dem Namen Klaus-Peter Beer ein Gesicht und eine Geschichte gegeben. Im Anschluss an die Filmvorstellung hatten alle Anwesenden noch die Möglichkeit zur Diskussion.

Stefan Dietl und das Bündnis gegen das Vergessen fordern mehr Aktivität von der Amberger Politik, werden aber ebenso selbst aktiv. Am 7. September soll eine Mahnwache stattfinden. Am 12. September soll eine Demonstration gegen den Rechtsextremismus und dessen Gedankengut in Amberg folgen. Aufgrund der aktuellen Situation rund um Corona könnte sich jedoch die Art der geplanten Aktionen noch verändern. Dazu Dietl: "Natürlich ist die Sicherheit der Teilnehmer absolut wichtig. Deswegen kann ich nicht versprechen, in welcher Form was stattfindet, aber irgendetwas wird mit Sicherheit passieren."

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