Der amerikanische General John T. Thompson entwickelte einst eine Präzisionswaffe, die später US-Soldaten mit sich trugen, als sie in der Normandie anlandeten, um Europa von Hitlers Verbrecherregime zu befreien: die Tommy Gun, hergestellt in Cleveland/Ohio als vollautomatische Maschinenpistole, auf Einzel- und Dauerfeuer einzustellen. Nach dem Krieg verschwanden diese MP's, da sie ab 1945 nicht mehr produziert wurden.
Bei Sammlern sind Tommy Guns offenbar begehrt. Einer von ihnen saß nun auf der Anklagebank vor dem Schöffengericht. Dort erzählte er Richter Markus Sand, wie er zu dieser Waffe kam. Das waren irgendwie sehr verschlungene Wege. Der bemerkenswerteste dabei: Da habe ihn, den Militaria-Interessenten, jemand angerufen und Stücke einer Maschinenpistole angeboten.
Das Treffen mit dem bis heute Unbekannten fand an der Autobahn bei Theuern statt. Der Mann aus dem nördlichen Landkreis fuhr seinen Angaben zufolge zur A 6, sah die zerlegte Tommy Gun im geöffneten Kofferraum und zahlte 500 Euro. Dafür gab es, wie der Richter hörte, zusätzlich noch 56 Patronen als Dreingabe. Etliche davon hätten tatsächlich aus dem Magazin abgefeuert werden können.
In seinem Keller prüfte der 51-Jährige die MP auf ihre Funktionstüchtigkeit. Doch die war nicht vorhanden. Also streckte er die Fühler aus und hatte Erfolg. Denn ein Militaria-Händler aus dem Raum Weiden hatte das gesuchte Teil und gab es ihm. Angeblich leihweise. Damit war die Tommy Gun komplett. Doch dann gab es plötzlich einen vertraulichen Hinweis bei der Kripo in Amberg. Die Fahnder ließen sich einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss ausstellen, filzten das Anwesen und fanden neben der MP und etlichen Patronen auch noch diverse Bestände an Schwarzpulver. Gewonnen aus zersägten Geschossen.
Als das geklärt war, setzte Richter Sand zu einer grundsätzlichen Feststellung an. Er lenkte den Blick auf die Vereinigten Staaten und sagte: "Wir müssen entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass in Amerika mit dort frei verkäuflichen vollautomatischen Waffen Menschen niedergemäht und getötet werden." Das dürfe unter keinen Umständen hierzulande auch nur ansatzweise möglich gemacht werden.
Die im Keller aufbewahrte Tommy Gun, laut Gutachter voll funktionsfähig, kostet den Familienvater 3600 Euro Geldstrafe. Aber nur, weil er vorher nie mit dem Gesetz in Konflikt kam und bei noch höherer Ahndung wohl berufliche Nachteile zu befürchten gehabt hätte. Auf Anraten seines Verteidigers Jörg Jendricke nahm der 51-Jährige das Urteil sofort an. Denn das war glimpflich angesichts des Verbrechenstatbestands.
Ein warnender Hinweis war während des Prozesses an den Militaria-Händler ergangen, der dem Angeklagten das passende Ersatzteil für die Tommy Gun gegeben hatte. Staatsanwalt Oliver Wagner führte dem 29-Jährigen vor Augen: "Wenn mit der Waffe etwas angerichtet worden wäre, säßen Sie mit auf der Anklagebank."













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.