Virginia Herpich wurde als erste Frau in den Beirat des Bürgervereins gewählt. Heute übernimmt sie ehrenamtlich die meisten organisatorischen Aufgaben als Vorsitzende. "Es ist ein reiner Gesellschafts-Verein", sagt sie. Seit der Gründung im März 1832 hat sich vieles geändert. "Und das ist auch gut so. Manches ist aber auch schade", sagt die Ambergerin, die durch ihre Eltern zum Bürgerverein kam.
Sie nippt an ihrem Kaffee und greift nach einem selbst gebackenen Plätzchen. Dietgard Spörl stimmt zu: "Wir vermissen den Bürgerball im Casino. Und da waren wir immer maskiert. Das war vor 60 Jahren", sagt die Ehefrau von Vergnügungsmeister Dieter Spörl. Da habe sich das Ehepaar aber noch gar nicht gekannt. Sie lernten sich beim Skifahren in den Bergen kennen. Dieter Spörl wurde später durch die Schwiegereltern Eintritt gewährt.
Das älteste Mitglied ist 93 Jahre und laut Herpich topfit. Bei der Wahl der Ausflüge achtet die 65-Jährige darauf, dass alle Teilnehmer altersgemäß mithalten können. Bisher vergeblich versuchte der Bürgerverein, einen Samstagabend in der Kulturscheune Elbart in Freihung verbringen zu können. Deren Kulturveranstaltungen sind jedoch schnell ausverkauft. Besonders beliebt im Bürgerverein seien die Tagesfahrten mit Betriebsbesichtigung. "Im April geht's zum Rundfunk nach Nürnberg", lässt die Vorsitzende wissen. Außerdem werden rund 50 Mitglieder Österreich besuchen. "St. Margarethen, Neusiedler See. Dort sehen wir dann auch die Zauberflöte in der Oper im Steinbruch." Dafür habe der Bürgerverein auch "den besten Busfahrer": Thomas Rauch aus Hahnbach achte immer auf die Bedürfnisse der Reisenden und bringe sie sicher an ihr Ziel und zurück. Rauch wird deswegen auch zum Dank jährlich zum traditionellen Rehessen im November eingeladen. Ein Abend voller Ehrungen und Erinnerungen.
Der ehemalige SPD-Stadtrat Dieter Spörl schaut sich gerne die Teilnehmerlisten an und freut sich auf manche Mitglieder immer ganz besonders, weil er sie länger nicht mehr gesehen hat. Dennoch fehlen ihm die jüngeren Semester. "Es ist wie bei vielen Vereinen", seufzt er. Die gesellschaftliche Bindung nehme keinen wichtigen Stellenwert mehr ein. Durch die sozialen Medien scheinen Kommunikation und Austausch gesättigt zu sein. Obwohl manche Mitglieder auch mit dem I-Pad fotografieren, sind Fotos auf Facebook oder bei Instagram aber eben nur Abbilder von den vielen Orten, die der Bürgerverein bereist. Die Aussicht, Details und Dialekte, den Geruch oder die Menschen erlebe man nur durch physische Anwesenheit.
Alle sechs Wochen treffen sich die Mitglieder zu einer Vereinssitzung. Wer Interesse hat und sich anmelden möchte oder Terminankündigungen verpasst hat, kann sich bei Virginia Herpich melden: 09621/2 55 34.
![Vorsitzende Virginia Herpich und Vergnügungsmeister Dieter Spörl erfüllen den 1832 gegründeten Bürgerverein mit Leben Bild: Dagmar Williamson [dwi]](https://www.onetz.de/f/ic/Detailed/articlemedia/2018/12/17/501f998a-6f2b-450e-89de-559c7a1d8b95_2.jpg)












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