30.05.2020 - 17:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Trotz Lockerungen: Darum ruht der Betrieb in fast allen Sportvereinen

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Mit den Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen Mitte März mussten auch die Sportstätten ihren Betrieb einstellen. Das hat leere Hallen, Sportplätze und Vereinsheime zur Folge. Mancherorts tut sich schon was. Aber noch nicht überall.

Vereine dürfen einige Sportarten unter strengen Auflagen seit 11. Mai wieder anbieten. Doch nicht alle machen davon auch Gebrauch.
von Michelle BalzerProfil

Seit dem 11. Mai dürfen Vereine einige Sportarten unter strengen Auflagen anbieten, doch bei den meisten herrscht Stillstand. Noch. Zum Beispiel beim TuS Hirschau 1870, wie Vorstandssprecher Walter Fleischmann sagt: „Wir warten ab. Der Sport ruht bei uns.“ Fleischmann betont aber, dass er bei Tennis kein Problem sieht: „Das darf auch wieder stattfinden, denn da ist der Abstand ja einhaltbar.“

Ähnlich ist die Situation bei der DJK Ursensollen. Laut Vorsitzendem Daniel Meuler ruhen sämtliche sportliche Aktivitäten, bis auf Tennis eben. Beim TV Sulzbach-Rosenberg hingegen herrscht laut Vorsitzendem Georg Peters immer noch kompletter Stillstand: „Wir sind gerade am überarbeiten unserer Outdoor-Sparte, in der wir unter anderem Wandern und Nordic Walking anbieten. Da wollen wir schauen, wie wir das mit den Auflagen machen können.“ Einen Schritt weiter ist bereits der FSV Gärbershof in Amberg. Doch der Reihe nach. Laut Daniel Meuler aus Ursensollen hinterlässt der fehlende Sport bei den Mitgliedern deutliche Spuren: „Wir betreiben allgemein viel Breitensport und bieten viele Kurse wie Yoga oder Ju-Jutsu an. Es ist natürlich sehr schade, dass das alles nicht stattfindet. Das zeigt sich auch im Gespräch mit den Mitgliedern.“ Walter Fleischmann aus Hirschau ergänzt: „Wir wissen, dass sich viele alleine fit halten, aber vielen fehlt der Mannschaftssport oder der Gruppen-Kurs.“ Schlimm sei aber auch, dass Schwimmkurse für Kinder ausfallen. Sie müssten vorerst Nichtschwimmer bleiben.

Mitglieder kündigen jetzt

Beim TV Sulzbach machen sich die ausfallenden Kurse sogar in der Mitgliederzahl bemerkbar, wie Vorsitzender Georg Peters sagt: „Ob die Kündigungen direkt wegen Corona sind, kann ich nicht sagen. Es ist nur ein wenig ungewöhnlich, denn wenn gekündigt wird, dann eher Ende des Jahres. Momentan ist es keine Größenordnung, die uns erschüttert, aber sollte das Verbot noch ein halbes oder sogar ein dreiviertel Jahr andauern, was meiner Meinung nach durchaus möglich ist, haben wir da schon ein Problem, das auf uns zukommt.“

Laut Walter Fleischmann ist es schwierig, Mannschaftssportarten, die normalerweise für die Halle gedacht sind, an die neuen Regeln anzupassen: „Bei den momentanen Auflagen für Volleyball zum Beispiel wäre es unmöglich, vernünftig zu trainieren. Auch die Spieler haben kein Interesse an einer komplizierten Zwischenlösung.“ Es sei ein „ungeheuerlicher bürokratischer Aufwand“, dass die Auflagen jedes Mal gelesen und unterschrieben werden müssten. Außerdem dürfe nur in Kleingruppen von vier Personen gespielt werden. Zudem müssten die Bälle regelmäßig desinfiziert werden: „Wie soll man da mit einer Mannschaft von 40 Personen trainieren? Das kann man den Trainern doch nicht zumuten.“

Georg Peters ergänzt, dass es ein Schritt in die richtige Richtung wäre, die Außenplätze der Schulen für den Vereinssport nutzen zu dürfen. So könnte man Kurse, die normal in der Halle stattfinden, unter Auflagen nach draußen verlegen. Basketball zum Beispiel: „Dann beschäftigt sich das Team eine Zeitlang eher mit technischen Übungen und nicht mit Kontaktspiel.“ Peters geht es dabei eher um die sportliche Betätigung als im den Ligenbetrieb und den Wettbewerbcharakter.

Auch die DJK Ursensollen sieht angesichts der Auflagen keine Möglichkeit, überhaupt Sport zu bieten. „Bei Fußball zum Beispiel machen wir gar nichts, obwohl wir es mit verschiedenen Auflagen dürften. Für uns macht das aber keinen Sinn ein Training unter solchen Voraussetzungen anzubieten.“ Besonders bei den Jugendmannschaften und den Eltern sei die Nachfrage aber besonders groß. „Aber wir warten jetzt erstmal bis nach den Pfingstferien ab“, sagt Daniel Meuler.

Das sagt der Bayerische Fußballverband

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Gärbershof trainiert schon

Eine andere Vorgehensweise hat der FSV Gärbershof. Jugendleiter Albert Kiener findet es gut, dass das Training jetzt wieder stattfinden darf und hat gehandelt: „Vereine sollten den Aufwand in Kauf nehmen und etwas tun, damit das Training wieder starten kann. Deshalb habe ich auch vorletzte Woche den Platz für unsere C- und D-Jugend freigegeben.“ Laut Kiener gelten dabei klare Regeln: „Wir weisen darauf hin, dass keine Fahrgemeinschaften gebildet werden sollen. Zudem dürfen sich die Spieler nicht im Umkleidebereich aufhalten. Sie müssen also bereits in den Sportklamotten kommen und auch so wieder gehen.“

Die D-Jugend des FSV Gärbershof trainiert schon wieder. Allerdings in kleinen Gruppen und ohne Körperkontakt.

Jede Mannschaft werde auf zwei Spielfeldhälften mit jeweils einem Trainer verteilt. Kiener: „Das sind dann insgesamt immer Fünfer-Gruppen, also ein Trainer und vier Jungs auf jeweils einer Spielhälfte.“ Ein richtiges Fußballspiel sei das natürlich nicht. Stattdessen gehe es um Kondition, Passgenauigkeit, Torschüsse und enge Ballführung. Jedoch: „Das kann man schon mal vier Wochen machen. Auf Dauer ist das aber natürlich nichts.“

Der TuS Hirschau hofft, zum Ende der Sommerferien wieder durchstarten können. Fleischmann: „Wir planen allgemein mit einem Start ab September und da dann gleich für die neue Sportsaison und das in jeder Sportart. Mit Beginn der Schulzeit hoffen wir, dass wir dann wieder richtig loslegen können.“

Georg Peters schließt sich dieser Meinung an: „Ich vermute, wir beginnen frühestens im September. Aber vielleicht auch erst im Oktober oder November, denn es ist immer die Gefahr da, dass alles wieder zurückkommt. Besonders den Start der Seniorengruppen sehe ich als sehr schwierig an, da sie ja immer noch die Risikogruppe sind und das ist nicht zu unterschätzen.“

Fitnesstudios bald wieder offen

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Beliebtes Online-Yoga

Um den Mitglieder trotzdem etwas bieten zu können, hat sich die DJK Ursensollen etwas Besonderes ausgedacht: Online-Yoga. Vorsitzender Daniel Meuler: „Es klingt erstmal witzig, aber wir bekommen positives Feedback von den Teilnehmern. Man sieht, dass es echt gut funktioniert.“ In die Halle würden dafür normalerweise 30 bis 35 Leute kommen – online sind es 25. Und das schon seit fünf Wochen. Daniel Meuler: „Klar ersetzt das nicht den Sport in der Halle nicht, aber es ist ein wenig Abwechslung.“ Auch der TV Sulzbach hat das Internet für sich entdeckt, wie der Vorsitzende erzählt: „Die Teilnehmer unseres Aerobic-Kurses haben von der Trainerin die Übungen über eine Plattform zugespielt bekommen, damit sie auch von zu Hause aus Sport machen können. Das, was wir das machen, ist persönlicher und vor allem nur für unsere Mitglieder.“

Der TuS Hirschau hat zusätzlich mit anderen Problemen und Folgen der Krise zu kämpfen: „Sorgen hatten und haben wir vor allem im Bezug auf unseren Sportpark, der schließen musste. Da fehlen jetzt natürlich die Einnahmen.“ Untätig sind die Vereine dennoch nicht. Die DJK Ursensollen nutzt die freie Zeit, wie Daniel Meuler sagt: „Wir haben in der Zwischenzeit zum Beispiel das Flutlicht auf LED umgerüstet und das Tennisheim renoviert.“

Sorgen um Senioren

Georg Peters dagegen kommen im Moment ganz andere Gedanken in den Sinn: „Das Vereinsleben fehlt besonders. Die Jugendlichen kommen auch außerhalb des Sports zusammen. Mir machen eher die Senioren jenseits der 60 Sorgen. Besonders ihnen fehlt die Gemeinschaft. Und das merkt man auch.“

Auch Daniel Meuler aus Ursensollen und Albert Kiener aus Gärbershof sagen, dass auch ihnen die Gemeinschaft und das Zusammenkommen fehlen. Walter Fleischmann aus Hirschau formuliert es so: „Vereinsleben bedeutet ja auch, mal nach dem Training zusammen wegzugehen, die Gesellschaft zu genießen, vielleicht auch mal bei uns in die Sauna zu gehen und dabei das Stadt- und Vereinsleben durchzusprechen.“ Doch für Schwermut bleibt da kein Platz: „Ich freue mich schon, wenn das alles wieder geht."

Georg Peters, Vorsitzender des TV Sulzbach-Rosenberg

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