16.06.2019 - 16:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Unnötige Nötigungsanzeige

Wenn jemand im Straßenverkehr ein Nötigung begeht, muss er die Absicht haben, einen anderen zu ärgern. Doch genau das bestreitet ein 33-Jähriger vor dem Amtsrichter. Der stellt das Verfahren wegen geringer Schuld ein.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Sehr merkwürdig, was da heuer an einem Abend im Januar auf der Straße von Amberg nach Ursensollen geschah. Ein junges Paar war dort im Auto unterwegs und wurde beim raschen Vorankommen auf zweispurig ausgebauter Fahrbahn von einem Wagen irritiert, der plötzlich nach links und genau vor ihren Pkw ausscherte. Und das bei Tempo 120.

Danach wurde die Straße wieder einspurig. Doch als sie sich in Richtung Ursensollen abermals weitete, soll Gleiches erneut geschehen sein. "Regelrecht ausgebremst", wie die 23-jährige Fahrerin und ihr damaliger Beifahrer (30) dem Amtsrichter Markus Sand sagten. Beide hatten später auf dem Polizeirevier vorgesprochen und den nach ihrer Ansicht recht nervigen Vorfall angezeigt.

War das nun eine Nötigung im Sinn des Gesetzes? Der 33-jährige Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft im Vorfeld der Verhandlung einen Strafbefehl hatte zuschicken lassen, bestritt energisch und ließ durch einen Dolmetscher übersetzen: "Nur nach links ausgeschert wegen eines Überholvorgangs." Ansonsten, so erfuhr der Richter, habe keinerlei Anlass bestanden, die Insassen des anderen Autos zu ärgern. Richter Sand ordnete die Begebenheit sehr sachlich ein und kam zu dem Schluss, dass es keinen erkennbaren Grund für den 33-Jährigen gegeben habe, das ihm unbekannte junge Paar zu schikanieren. Von daher liege wohl auch keine Nötigung vor, befand er nach der Beweisaufnahme und riet dazu, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen. Dazu tendierte auch Staatsanwältin Sabrina Fischer nach längerem Überlegen. Ende des Prozesses. Mit der Übernahme eigener Kosten durch den Angeklagten und dem Hinweis des Richters: "Beim nächsten Mal in den Rückspiegel schauen, ob auf der Überholspur einer kommt."

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