24.05.2020 - 14:22 Uhr
AmbergOberpfalz

"Verhungern oder am Virus sterben"

Das Coronavirus hat für die bolivianische Bevölkerung drastische Folgen. Vor allem die Armen trifft es hart. Der Verein Runa Masi will deshalb das humanitäre Hilfsprogramm der Menschen fortführen und sogar ausweiten.

„Auch in Bolivien werden Masken genäht. Eine junge Indio-Frau näht mit einer aus Deutschland gespendeten Nähmaschine im Sozial-und Kulturzentrum Ayopayamanta für den Bedarf Mundschutz.“
von Externer BeitragProfil

Seit Jahren unterstützt der Verein Runa Masi (mit Mitgliedern und Aktionen in Amberg, Hahnbach, Regensburg) Projekte im Hochland Boliviens, bisher meist ausgewiesene Trinkwasser-Projekte. Mit dem Sozial- und Kulturzentrum Ayopayamanta in der Region Cochabamba ist der Verein über den KEB-Referenten Johann Bauer und dem Direktor von Ayopayamanta, Coco Aquino, verbunden. Zum ersten Mal berichtet Aquino in seinem regelmäßigen Info-Schreiben am 25. März von der Corona-Problematik in Bolivien.

Kurz vorher gab es erst 28 bestätigte Fälle, aber die Regierung ergriff bereits drastische Maßnahmen wie das Einstellen des Flugverkehrs von und nach Europa, von wo nachgewiesene Corona-Fälle kamen. Kurz darauf hatte sich die Lage schon zugespitzt: Am 31. März erhielten Runa Masi und andere Partner-Vereine einen Hilferuf zur Unterstützung von Familien unter dem Existenzminimum. Die derzeitige Übergangsregierung (nach dem Sturz von Evo Morales) verhängte eine Ausgangssperre und Stillstand.

Ein Drittel lebt in Armut

Die Folge beschreibt Aquino so: "In Bolivien lebt immer noch etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut auf dem Land oder in den Randzonen der großen Städte. Ohne festes Einkommen arbeiten sie von Tag zu Tag, um überhaupt überleben zu können. Manche haben ein kleines Geschäft auf der Straße, verkaufen Gerichte und Getränke, andere bieten Gemüse, Obst und Käse an. Diese Menschen leiden jetzt am meisten und haben eigentlich keine Wahl: Entweder sie infizieren sich mit dem Virus, erkranken, sterben oder sie verhungern." Mit einem Finanzierungsplan für akute humanitäre Hilfe durch Ayopayamanta schließt dieser Hilferuf. Runa Masi und Inti Ayllus konnten dafür schon 7500 Euro überweisen.

Im Rundbrief vom 5. Mai zeigt sich schon ein drastischeres Bild durch die weitere Ausbreitung des Virus: katastrophale Gesundheitsversorgung (schlechte Ausstattung der Krankenhäuser), kein geregeltes Einkommen, keine Krankenversicherung. Dazu Aquino: "Die Regierung verteilt zwar einmalig etwas Geld, um Lebensmittel zu kaufen, aber die 45 Euro für eine Familie mit fünf Personen reichen nicht einmal für zwei Wochen. Außerdem kommt die Hilfe gar nicht oder immer erst verspätet auf dem Land an. Völlig durch die Krise überfordert kann die Regierung nur mit einer rigorosen Ausgangssperre reagieren, was wiederum auf Dauer unmöglich ist und so nur eine Alternative bleibt: verhungern oder am Virus sterben."

Mehr über den Verein Runa Masi im Onetz

Und Polizei und Militär agieren mit eiserner Hand. Aquino: "Ich fühle mich wie in einer Diktatur und einem Polizeistaat - alle 500 Meter wird man aufgehalten und kontrolliert." In höchster und mit Blick auf die Zukunft verzweifelter Sorge bittet der Verein Runa Masi erneut um Unterstützung, damit das Sozialzentrum das humanitäre Hilfsprogramm weiterführen und notwendigerweise auch ausweiten kann. www.runa-masi.de

Spendenkonto:

RunaMasi: Liga Bank Regensburg IBAN: DE78 7509 0300 0001 3121 97

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