01.02.2019 - 13:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Verkehrschaos dank der Eltern-Taxis

Die Bilder wiederholen sich unter der Woche jeden Tag. Vor 8 und gegen 13 Uhr wird es vor den Schulen eng. Eltern holen ihre Kinder vom Unterricht ab. Mit dem Auto. "Das ist gut gemeint, aber ganz gefährlich", sagt Maximilian Köckritz.

Parken in zweiter Reihe oder rückwärts in eine Vorfahrtsstraße – vor Schulen herrscht jeden Tag Verkehrschaos. Und das fünf Mal pro Woche.
von Externer BeitragProfil

Wenn Mamas und Papas für ihre Kinder Taxi spielen, hat Köckritz ein Problem: "Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, dass sie nicht nur die Kinder auf der Straße, sondern auch ihre eigenen einer echten Gefahr aussetzen. Bei Verkehrsunfällen auf dem Schulweg kommen am häufigsten die Kinder zu Schaden, die im Auto mitfahren."

Dagegen will der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz mit Sitz in Amberg nun vorgehen. Köckritz lässt Broschüren verteilen, in denen Eltern über die Risiken ihres Shuttle-Services aufgeklärt werden sollen.

Jedes Jahr werden die Erziehungsberechtigten laut dem Geschäftsführer des Zweckverbandes dazu aufgefordert, das In-die-Schule-gehen ihrer Kinder wörtlich zu nehmen. "Mit wenig Erfolg", sagt Köckritz, denn die Realität sehe anders aus: "Jeden Morgen zu Schulbeginn bestimmen Staus, zugeparkte Gehwege und riskante Wendemanöver das Bild. Daraus ergeben sich ausgesprochen gefährliche Situationen, die nicht selten zu Unfällen führen."

Jetzt hat sich der Zweckverband dieser Problematik angenommen: Eltern, die nicht korrekt parken, Halteverbotszonen missachten oder sich anderweitig nicht an die Verkehrsregeln halten, bekommen die Taxi-Karte. Die Broschüre hält Fakten dazu bereit, "wie gefährlich das Chauffieren der Sprösslinge tatsächlich ist". Ziel sei es aber nicht nur, mit ein paar Zahlen und Unfallstatistiken wachzurütteln: "Wir wollen auch das Miteinander auf der Straße fördern. Und das entwickelt sich - vor allem für die Kinder - viel besser, wenn sie gemeinsam laufen."

Spezielle Haltestellen

Zusätzlich zu Schulweghelfern, Zebrastreifen und Verkehrskontrollen denkt der Verband an die Einrichtung sogenannter Elternhaltestellen, die das Verkehrsaufkommen reduzieren und den Eltern, die ihre Kinder fahren müssen, die Möglichkeit geben, sich korrekt zu verhalten. Das ist auch im Sinne von Oberbürgermeister Michael Cerny: "Elternhaltestellen haben sich in anderen Bundesländern bereits bestens bewährt. Wir greifen das Konzept auf und treiben die Umsetzung maßgeblich voran."

Bei den Eltern stößt diese Idee grundsätzlich auf Verständnis, wenngleich nicht alle über einen Kamm geschoren werden sollen, wie ein dreifacher Familienvater aus dem Landkreis sagt, dessen ältester Sohn in Amberg zur Schule geht: "Manchmal bietet es sich halt an, wenn ich ohnehin gerade zur Mittagszeit nach Hause fahre und mein Sohn ansonsten eine Dreiviertelstunde auf den Bus warten müsste. Man muss das Kind ja nicht direkt vor dem Haupteingang abholen. Treffpunkt kann ja auch eine Seitenstraße oder ein anderer Ort etwas abseits sein."

Allen, die sagen, "früher hat's das nicht gegeben", hält der Vater entgegen: "Früher war das Leben der Berufstätigen und auch der Kinder ja auch nicht so mobil und durchgetaktet. Die Gesellschaft bürdet Familien Flexibilität und Leistungsdruck auf. Das führt schon mal zum Abholen von der Schule, weil zum Beispiel das Vereinstraining oder der Musikunterricht schon um 15 Uhr beginnen." Ein weiterer Vater, der namentlich ebenfalls nicht genannt werden möchte, bring seine Kinder selbst dann nicht mit dem Auto zur Schule, wenn die Temperaturen unter Null sinken: "Das schadet ihnen gar nicht, Im Gegenteil: Es tut ihnen gut." Sein Sohn sei in dieser Woche mit dem Fahrrad zum Unterricht: "Bei minus acht Grad. Das geht schon"

250 Meter vor Schule

Eine Mutter, die ihren Sohn jeden Tag in ein Amberger Gymnasium bringt, hat für sich die Ideale Lösung gefunden: "Ich nehme meine Tochter in der Früh mit, weil wir den gleichen Weg haben. Ich lasse meine Tochter aber etwa 250 Meter vor der Schule aussteigen. Dann hat sie Bewegung und ich stehe nicht im Weg."

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