22.06.2018 - 18:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Vermisste Sophia: Tatort in Oberfranken?

Das Schicksal der vermissten Tramperin Sophia aus Amberg ist seit Tagen ungewiss. Im Norden Spaniens wird eine Frauenleiche gefunden. Ist es die gesuchte Studentin? Den Tatort vermuten die Ermittler inzwischen in Oberfranken.

Nahe der Autobahn bei Asparrena im Norden Spaniens sichern Polizisten am Fundort der Frauenleiche Spuren. Foto: Jesus Andrade/El Correo
von Agentur DPAProfil

Leipzig/Amberg/Madrid. (dpa) Seit mehr als einer Woche bangen Angehörige und Freunde um das Leben von Sophia Lösche. Doch der Fund einer Frauenleiche im Baskenland deutet auf einen tragischen Ausgang hin. Spanischen Medienberichten zufolge könnte es sich bei der Toten um die 28 Jahre alte Studentin aus Leipzig handeln, die aus Amberg in der Oberpfalz stammt. Am Freitagnachmittag dann eine neue Wende: Die Ermittler vermuten den Tatort in Oberfranken. Deshalb übernehmen jetzt Staatsanwaltschaft und Kripo Bayreuth federführend die Ermittlungen auf deutscher Seite.

Leipzig/Amberg/Madrid. (dpa) Seit mehr als einer Woche bangen Angehörige und Freunde einer vermissten Tramperin um das Leben der Sophia. Doch der Fund einer Frauenleiche im Baskenland deutet auf einen tragischen Ausgang hin. Spanischen Medienberichten zufolge könnte es sich bei der Toten um die 28 Jahre alte Studentin aus Leipzig handeln, die aus Amberg in der Oberpfalz stammt. Am Freitagnachmittag dann eine neue Wende: Die Ermittler vermuten den Tatort in Oberfranken. Deshalb übernehmen jetzt Staatsanwaltschaft und Kripo Bayreuth federführend die Ermittlungen auf deutscher Seite.

Die Tote ist noch nicht identifiziert, ein tatverdächtiger Mann wurde am Dienstag in Spanien festgenommen. Der zuständige Untersuchungsrichter in Spanien habe eine Art Nachrichtensperre zu den Ermittlungen verhängt, sagt ein Polizeisprecher im nordspanischen Baskenland am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Leiche, die am Donnerstag an einer Tankstelle in Gemeinde Asparrena in der baskischen Provinz Álava entdeckt wurde, sei am Freitag von Gerichtsmedizinern untersucht worden. Sie weise Spuren von Gewalt auf, heißt es. Ein DNA-Profil soll bald Gewissheit bringen.

Die kleine Tankstelle in Spanien liegt an der vielbefahrenen Autobahn A-1. Der mutmaßliche Täter könnte hier - rund 90 Kilometer nach Überquerung der spanisch-französisch Grenze - angehalten haben, um sich der Toten zu entledigen. „An der Tankstelle halten wohl ständig aus Frankreich kommende oder nach Frankreich fahrende Auto- und Lastwagenfahrer an, um zu tanken oder etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen. Tagsüber herrscht dort schon Betrieb, nachts dürfte es dort aber sehr ruhig zugehen“, sagt der Sprecher der baskischen Polizei.

Sophia ist seit dem 14. Juni verschwunden. Die Studentin wollte von Leipzig nach Bayern trampen. Dort kam sie nie an. Die 28-Jährige wurde zuletzt gesehen, als sie an einer Tankstelle an der Autobahn 9 nahe dem Leipziger Flughafen in einen Lastwagen gestiegen sein soll.

Die Ermittler gehen schon seit Tagen davon aus, dass die Studentin einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Mit Details halten sich die Behörden jedoch extrem zurück. Ist der Festgenommene wirklich Fernfahrer? Gibt es Spuren eines Verbrechens in seinem Lastwagen? Woher stammt er? Auf diese Fragen gibt es keine Antworten. Nur so viel: Als der Lastwagen gefunden wurde, hatte er vorher gebrannt.

Am Freitag geben die Fahnder immerhin bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Leipzig die Auslieferung des Verdächtigen anstrebt. „Ob diese bewilligt ist, wurde auf offiziellem Rechtshilfeweg bisher nicht mitgeteilt“, heißt es. Der Mann soll indes eine Überstellung an die deutschen Behörden akzeptiert haben. Die zuständige Richterin am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid habe den 41-Jährigen am Freitag vernommen und anschließend gegen ihn einen Haftbefehl ohne Anrecht auf Freilassung auf Kaution erlassen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus spanischen Justizkreisen.

GPS-Daten des Lastwagens lassen die Ermittler darauf schließen, dass der Tatort mutmaßlich in Oberfranken liegt. Auch hier: kaum Details. Ist der Tatort jener Rastplatz, dessen Umgebung am Dienstag von zahlreichen Beamten durchsucht wurde? Man könne es nicht ausschließen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel nur.

Der Bruder der vermissten Tramperin hat immer wieder Suchaufrufe über das Internet verbreitet. Die Situation sei für Familie und Freundin sehr belastend, erklärt er. Er bat um Sensibilität - und vor allem darum, dass die Eltern in Ruhe gelassen werden mögen.

Sophia, frühere Juso-Vorsitzende in Bamberg, ist ihrem Bruder zufolge häufiger getrampt. Die Tankstelle, an der sie zuletzt gesehen wurde, ist ein beliebter Rastplatz für Trucker. Anhalter sind in der Studentenstadt Leipzig auch an anderen Zufahrten zu Bundesstraßen und Autobahn oft zu sehen. Der 2007 gegründete Tramper-Verein Abgefahren e.V. zeigt sich bestürzt über das Verschwinden der Studentin. Ein Sprecher erklärt allerdings zur Sicherheit des Trampens: „Uns sind seit Bestehen des Vereines keine weiteren Fälle dieser Art in Deutschland bekannt.“

Bis die Familie von Sophia Gewissheit haben wird, wird es noch dauern. Die spanischen Behörden hätten ein eigenes Untersuchungsverfahren zu dem Leichenfund im Baskenland eingeleitet, teilt die Leipziger Staatsanwaltschaft mit. Es könne Tage dauern, bis aus Spanien «auf offiziellem Weg» Informationen eintreffen. Wie ein Polizeisprecher in Bayreuth sagte, werden Ermittler aus Oberfranken auch in Spanien präsent sein. Ein 15-köpfiges Team soll mithelfen, den Fall aufzuklären.

Herbert Potzel (rechts), Leitender Oberstaatsanwalt aus Bayreuth, und Jürgen Stadter, Polizeisprecher, halten in Bayreuth eine Pressekonferenz über die Ermittlungen im Fall der Tramperin Sophia Lösche.

 

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