07.03.2019 - 11:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Viel mehr als nur Narkose: Was macht der Anästhesist?

Hört man von Anästhesie, denkt man gleich an Narkose. Aber ist das wirklich das einzige, was ein Anästhesist macht? Privatdozent Dr. Andreas Redel klärt beim Gesundheitsforum in Amberg auf.

"Wenn Sie in Narkose sind, haben wir die Verantwortung für Ihren Körper übernommen", sagt Privatdozent Dr. Andreas Redel bei seinem Vortrag. Er ist Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin.
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Die Anästhesie hat ihre Wurzeln in der Naturheilkunde. Der Ursprung der Betäubung begann mit Opium, dem Wirkstoff des Schlafmohns. Als Geburtsstunde der modernen Anästhesie gilt der 16. Oktober 1846, als ein Zahnarzt in Neuengland auf die Idee kam, den Schmerz mit Äther zu betäuben.

Um seinen Zuhörern zu erklären, was ein Anästhesist bei einer Narkose macht, setzte Privatdozent Dr. Andreas Redel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, seine Zuhörer in ein Flugzeug. Wie ein Flug beginne die Narkose mit der Planung. Der Flieger steht am Boden, ist stabil. Er startet, womit die kritische Phase beginnt - die Narkose wird eingeleitet. Während des Fluges lenkt der Pilot das Flugzeug zum Ziel, der Anästhesist ist an der Seite des Patienten. "Wenn Sie in Narkose sind, haben wir die Verantwortung für Ihren Körper übernommen. Wir achten auf Ihren Sauerstoff, auf Ihre Körperwärme, auf die Nierenfunktion", sagte Redel und betonte, dass alles überwacht werde. Dann beginne der Landeanflug, das Ausleiten der Narkose, bevor es an die Nachsorge geht, damit der Patient wieder bei vollem Bewusstsein, schmerzfrei und stabil sei.

Angst vor Kontrollverlust

Redel ging auf viele Ängste ein, die Menschen mit einer Narkose verbinden. Das Schlimmste sei wohl der Kontrollverlust, das Ausgeliefertsein und die Angst davor, doch etwas mitzubekommen. Viele Patienten würden sich auch vor Übelkeit und Erbrechen fürchten. "Zur Übelkeit kommt es nur bei bestimmten Operationen, die beispielsweise den Gleichgewichtsinn stören." Redel stellte aber auch klar, dass es kein schmerzfreies Krankenhaus gebe. "Jedoch versichern wir, dass Ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10 den Wert 3 nicht übersteigen."

Im zweiten großen Block des Vortrags widmete sich der Chefarzt der Intensivmedizin, für die auch die Anästhesisten zuständig seien. "Wir wollen Brücken bauen, damit der schwerkranke Körper heilen kann." Redel sagte jedoch auch: "Wenn aber keine Heilung stattfindet, hat auch die Intensivmedizin keinen Sinn mehr." Den Patienten schlafen lassen, ihn in ein Koma versetzen, damit der Körper heilen kann - für viele Angehörige ist dieser Anblick ein Schock. Redel gab den Zuhörern den Tipp, sich in diesem Fall jedes Gerät erklären zu lassen und warum das nötig sei. Durch ein besseres Verstehen sei der Anblick nicht mehr ganz so schlimm, man verliere an Hilflosigkeit. Redel gab viele nachdenklich stimmende Denkanstöße: "Warum werden wir oft die Götter in Weiß genannt, wenn wir am Ende Entscheidungen treffen müssen oder sollen, ohne zu wissen, ob diese nun wirklich im Sinne des Patienten sind?" Er bat die Menschen, mit ihren Angehörigen zu sprechen, auch wenn das Thema unangenehm sei. "Wir als Ärzte würden so gerne wissen, was würde der Patient von uns wollen."

Woche der Wiederbelebung im September

Ein weiteres Aufgabenfeld der Anästhesie ist die Notfallmedizin. Redel gab seinen Zuhörern einen Einblick in den Arbeitsplatz eines Notarztes und verwies auf die Woche der Wiederbelebung im September. Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung sollte jeder Mensch können. Am Dienstag, 12. März, beginnt die Vortragsreihe "Ratgeber Gesundheit" des Klinikums. Über "Vorsorge, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei Darmkrebs" sprechen die beiden Chefärzte, Privatdozent Dr. Marc Dauer und Dr. Wolfram Schief.

Vorsitzender Manfred Wendl, Dr. Andreas Redel und Reiner Volkert, Leiter der Volkshochschule Amberg (von links).
Organspende:

Eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht oder ein einfaches Blatt Papier, auf dem die Behandlungsweise notiert sei, legte der Chefarzt der Anästhesie am Klinikum St. Marien, Privatdozent Dr. Andreas Redel, den Besuchern des Gesundheitsforums ans Herz. Ebenso bat er sie, sich mit der Organspende und einen entsprechenden Ausweis zu befassen. Denn: Auf 11 000 Organsuchende – meist jüngere Menschen – kämen gerade mal 1000 Organspender.

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