17.08.2018 - 08:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Wächter der Fluren

Zwischen Vohenstrauß und Wernberg steht eine Winterlinde mit einem klingenden Namen: Nach einer alten Sage wird sie der "Kalte Baum" genannt. Solche geschichtsträchtigen Bäume sind in Amberg und im Landkreis selten. Obwohl es nicht an dicken Brummern mangelt.

Am Kreuzweg bei Großschönbrunn steht diese mächtige Eiche.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Hannesbuche in Schönderling (Kreis Bad Kissingen), die Hindenburglinde in Ramsau (Kreis Berchtesgadener Land) oder die Wolframslinde bei Bad Kötzting (Kreis Cham) - so nennt sich der Hochadel der bayerischen Baumriesen. Ihre Stämme trotzen schon bis zu 1000 Jahren Wind und Wetter.

Des Königs Eichen

Da kann die alte Eiche am Ortseingang von Steinling (Gemeinde Edelsfeld) noch nicht ganz mithalten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wenn der Baum mit seiner kerngesunden, ausladenden Krone die nächsten 500 Jahre übersteht, hat er gute Chancen, in die Liste der Baumriesen Bayerns aufgenommen zu werden. Einer der dicksten Bäume, die Förster Reinhard Riedhammer vom Forstbetrieb Schnaittenbach der Bayerischen Staatsforsten kennt, steht in Aschach beim Wasserhochbehälter, unweit der Donatus-Kapelle. Der Stamm der Eiche hat einen Umfang von 3,70 Metern. "Der Baum ist sicher älter als 100 Jahre", sagt Riedhammer mit dem Maßband in der Hand. "Vielleicht sogar 150 Jahre." Möglicherweise beginnt ihre Geschichte, als einer der bayerischen Könige anordnete, jedes königliche Forstrevier möge ein Hektar seiner Waldfläche mit Eichen bepflanzen. In ganz Bayern entstanden deswegen Eichenhaine - zum Beispiel neben dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg oder der "Oicherlgoatn" zwischen Wutschdorf und Hainstetten (Gemeinde Freudenberg). "Bei freistehenden Bäumen ist das Alter schwer zu schätzen", erklärt Riedhammer. Denn die Bäume können besser wachsen und sind folglich dicker als Artgenossen, die in direkter Konkurrenz zu Nachbarbäumen stehen. Die dicke Eiche bei Aschach ist für Riedhammer zwar schön anzuschauen - beeindruckende aber findet er so manche Douglasie im Umkreis von Amberg. Am Johannisberg steht ein Exemplar mit einer Höhe von 52 Metern. "Die Douglasien sind hier nicht heimisch", weiß der Förster. "Sie stammen aus Nordamerika und wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts versuchsweise bewusst in Bayern angebaut." Allerdings hat sich der Baum - obwohl er hier gut gedeiht - nicht massenweise durchgesetzt, denn schon im vergangenen Jahrhundert galt die Devise, die Wälder wieder mehr der natürlichen Baumverteilung anzupassen. Vielleicht führt aber der Klimawandel dazu, dass die Douglasie die Fichte auf trockenen Standorten ersetzt, "weil sie mit geringerer Wasserversorgung besser zurecht kommt".

Dünner Jahresring

Die Trockenheit - sie macht auch den Bäumen zu schaffen. Viele Buchen werfen bereits jetzt ihre Blätter ab. "Die haben Mitte Juli das Wachsen eingestellt", berichtet Riedhammer. "Die Blätter haben sich zusammengerollt und sind braun geworden, die sehen aus wie normalerweise Ende Oktober."

Für die Waldwirtschaft bedeutet der Hitze-Sommer gravierende Zuwachsverluste und einen derben Rückschlag im Kampf gegen den Borkenkäfer. "Heuer gibt es drei Generation Buchdrucker, die zweite ist bereits ausgeflogen." Gerade die ausgetrockneten Fichten hätten dem Käfer nichts entgegenzusetzen. Es ist ein hartes Jahr für zarte Pflänzchen wie für Baumriesen. Wenn in 100 Jahren jemand die Jahresringe zählt, wir der von 2018 sehr mickrig ausfallen - das steht jetzt schon fest.

Bilder von den Onetz-Lesern

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.