Amberg
05.08.2018 - 15:40 Uhr

Wechselbad der Sommergefühle

Zwischen Kismet und Karma scheint sich das Sommer-Ereignis schlechthin zu bewegen. Die Entspannung nach dem Gewitter am Freitagabend hält nicht lange an. Am nächsten Morgen die zweite Hiobsbotschaft: Hauptakteurin Y'akoto landet ohne Band.

Stimmungstief am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr: TNT-Productions-Geschäftsführer Toby Mayerl (rechts) sieht sich wegen des Regens zu einer Unterbrechung des Programm gezwungen. Am Abend strömten dann Tausende (siehe unten) auf das Veranstaltungsgelände. 	Bild: Wolfgang Steinbacher Bild: Wolfgang Steinbacher
Stimmungstief am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr: TNT-Productions-Geschäftsführer Toby Mayerl (rechts) sieht sich wegen des Regens zu einer Unterbrechung des Programm gezwungen. Am Abend strömten dann Tausende (siehe unten) auf das Veranstaltungsgelände. Bild: Wolfgang Steinbacher

(dwi) Sie geht nicht - Y'akoto schreitet über jeden Boden, den ihre Pfennigabsätze berühren. Mit erhobenem Haupt und gerader Haltung, jeder ihrer Bewegungen bedacht, wirkt sie wie eine afrikanische Königin. Wenn die Soulsängerin spricht, spielt sie mit ihrem Haar und wendet nachdenklich ihr Gesicht ab. Etwas eitel versucht sie sich ihr zugelegtes Images zu bewahren. Y'akoto strotzt vor Selbstbewusstsein.

Und warum auch nicht? Die unwiderstehlich verführerische 30-Jährige genießt als erfolgreiche unabhängige Sängerin seit über fünf Jahren ihren Erfolg. "Stress macht häßlich", behauptet Y'akoto. Deswegen wäre sie auch überaus gelassen geblieben, als sie erfuhr, dass AirFrance ihren Flug überbuchte. Auf ihrer Facebook-Seite hingegen klingt der Aufruf nach Hilfe eher verzweifelt. Wieder Kopfzerbrechen für Toby Mayerl. Die französische Band, die nicht mit ihrer Leadsängerin fliegen konnte, musste per Bahn bis nach Baden-Baden reisen. Mayerl organisierte einen Shuttle-Bus, um die Band 400 Kilometer entfernt abzuholen. Trotz Stau: Y'akoto und Band stehen pünktlich auf der Bühne und ziehen die Massen magisch an.

Newcomer wenig gefragt

Weniger Besucher interessierten sich für die Newcomer. LikeMindz, eine Hip-Hop Formation aus Weiden, gewann mit über 400 Stimmen das Facebook-Voting und bekam so die Gelegenheit auf einer begehrten großen Bühne ihr Können zu zeigen. Lyrisch akzeptabel mit Beats-Anleihen im Stil von Dr. Dre und anderen vertrauten Klängen aus den 90-er Jahren brauchen die Rapper einfach mehr Übung und sollten an ihrer Bühnenpräsenz arbeiten. Kurz vor Ende ihrer Darbietung weint der Himmel. Wieder wurde das Festival am Nachmittag für eine Stunde unterbrochen. Danach verlief alles nach Plan. Value aus Berlin boten Pop-Rock und sorgten für ausgeglichene Stimmung bei Sonnenschein. Trotz perfekter Performance nutzten nur Einzelne die Takte zum Tanzen. Amberg braucht eindeutig mehr Mutige, die den Anfang machen. Der Reggae-Energie aus Südtirol konnte sich dann aber auch der letzte Bewegungslegastheniker nicht widersetzen. Shanti Powa verlieh dem Open-Air den letzten Schliff am Samstag Abend.

Der Abspann

Der Frühschoppen gehört in der Oberpfalz einfach zum guten Ton und es stellt sich heraus: Es sind viele ganz Harte, die der Einladung folgten. Auch die Kleinsten müssen nicht lange gebettelt werden. Bereits eine Stunde vor dem Auftritt von Rodscha aus Kambotscha mit Tom Palme tummelten sich aufgeregte kleine Füße vor der Bühne. Ringelpiez mit Anfassen heißt deren Devise und Lieder über Lieblingsessen mit einer Aneinanderreihung von italienischen Zutaten ist ihr Erfolgsrezept.

Da hakt es noch

Was nach außen hin wie perfekte Grundlagen und reibungslose Organisation aller beteiligten Instanzen aussieht, kostete TNT-Productions-Geschäftsführer Toby Mayerl das ein oder andere Mal die Nerven. Querulanten von Amts wegen, also behördlich, mussten mehrmals von den guten Absichten und der Einhaltung von Gesetzen überzeugt werden. Seit fast dreißig Jahren ist Toby Mayerl im Geschäft und hätte sich seitens des Jugendamtes etwas weniger Zeit konsumierende Termine gewünscht. Bürokratie, die wohl sein muss, jedoch wohlwollender funktionieren könnte. "Eine Woche vor dem Auftakt im JUZ war dann alles geklärt," erzählt Mercedes Mayerl. Zeitnah sieht anders aus. Rentiert hat sich das Tohuwabohu nicht. Im nächsten Jahr beginnt "Sommer in der Stadt" ohne Warm-Up im Klärwerk.

Dennoch bleibt das Fazit wie im vergangenen Jahr auch: Alle Beteiligten haben Enormes geleistet und sind verantwortlich für viele schöne und unvergessliche Momente von Tausenden von Besuchern.Bildergalerie: www.onetz.de

Die Festivalwelt ist wieder in Ordnung. 	Bild: Wolfgang Steinbacher Bild: Wolfgang Steinbacher
Die Festivalwelt ist wieder in Ordnung. Bild: Wolfgang Steinbacher
Das Schmachten der deutsch-ghanaischen Soul-Spezialistin Y’akoto ist derzeit nahezu konkurrenzlos und beim Publikum entsprechend nachgefragt. 
 	Bild: Wolfgang Steinbacher Bild: Wolfgang Steinbacher
Das Schmachten der deutsch-ghanaischen Soul-Spezialistin Y’akoto ist derzeit nahezu konkurrenzlos und beim Publikum entsprechend nachgefragt. Bild: Wolfgang Steinbacher
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