08.10.2019 - 18:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Wertstoffhöfe Amberg-Sulzbach: Keine Stunde länger offen

Die Wertstoffhöfe des Landkreises haben das Zeug zu einem lokalpolitischen Dauerbrenner. Am Montag war es im Umweltausschuss des Kreistages wieder so weit. Ergebnis: Alles bleibt, wie es ist.

Eine Stunde mehr am Samstag würde den üblichen Andrang entzerren und die damit verbundenen Wartezeiten bei den Wertstoffhöfen (im Bild Poppenricht) minimieren, argumentierten die Freien Wähler. Damit kamen sie wegen der Mehrkosten aber nicht durch.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Eine Eingangsbemerkung von Robert Graf, Sachgebietsleiter des Amtes für Abfallwirtschaft, klang wie eine Vorwarnung. Er bat am Montag im Umwelt- und Energieausschuss des Kreistages um Verständnis, dass die Bearbeitung eines von der FW-Fraktion gestellten Antrags so lange gedauert habe. Immerhin fast ein Jahr, das Schreiben datiert auf Anfang Dezember 2018. Darin baten die Freien Wähler zu prüfen, die insgesamt 28 Wertstoffhöfe samstags eine Stunde früher (bisher 9 Uhr) zu öffnen, um den fast immer zu beobachtenden Andrang etwas zu entzerren.

"Zum Ausgleich", so heißt es in dem Antrag, könnte "an weniger frequentierten Wochentagen die Öffnungszeit um diese eine Stunde oder eventuell eine halbe Stunde" reduziert werden. "Dadurch würde die Arbeitszeit der Wertstoffhof-Mitarbeiter nicht oder nicht wesentlich erhöht." Das klingt nach einer weitgehend kostenneutralen Erweiterung des Entsorgungsangebots und war offenbar auch so gemeint.

Mehrbedarf: 15 Mitarbeiter

Doch weit gefehlt, rechnete Graf dem Gremium anhand vieler Wenn-dann-Zusammenhänge vor. Deshalb habe es auch so lange gedauert, betonte er. Das Resümee des Sachgebietsleiters: Würde dem Wunsch der Freien Wähler unter dem Aspekt der einstündigen Reduzierung an anderen Tagen gefolgt, ergebe sich daraus ein Mehrbedarf an 15 Mitarbeitern, was in etwa 80 000 Euro jährlich zusätzlich koste. Denn das Personaltableau der 28 Wertstoffhöfe mit derzeit 127 Mitarbeitern sei hinsichtlich der Arbeitzeit voll ausgereizt, unterstrich Graf, da es sich in der Mehrzahl um 450-Euro-Kräfte handle, deren Kontingente voll ausgeschöft würden.

So einfach wollten sich die beiden FW-Kreisräte und Bürgermeister Franz Mädler (Ursensollen) und Hans-Martin Schertl (Vilseck) nicht geschlagen geben. Sie vermissten in Grafs Argumentation auf den Einzelfall bezogene Überlegungen und sahen den Antrag ihrer Fraktion "etwas flott vom Tisch gewischt" (Mädler). Beiden fehlte eine Art Einzelfall-Betrachtung, da sich die Situation an kleinen Standorten anders darstellen würde als an größeren oder in Gemeinden mit vielen Ortsteilen. Dem werde bereits mit unterschiedlich strukturierten Öffnungszeiten jenseits der Samstage Rechnung getragen, wandte Landrat Richard Reisinger (CSU) ein. Er wollte offenbar keinen Präzedenzfall schaffen und verwies mehrfach darauf, das bisherige fein austarierte Kostengefüge nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. "Sonst schlägt sich das unmittelbar auf die Abfallgebühren durch." Gegen die beiden Stimmen von Mädler und Schertl wurde der Antrag schließlich abgelehnt.

Müllmenge stabil

Zur Kenntnisnahme legte Graf dem Ausschuss zudem Zahlen zur Mengenentwicklung im Bereich der Abfallentsorgung und -verwertung vor. Demnach bleiben die großen Margen (z.B. Hausmüll 2018: 12 766 Tonnen) bei leichten Schwankungen im Wesentlichen stabil. Beim Gesamtaufkommen sei seit 2008 erstmals wieder ein leicht rückläufiger Trend eingetreten. In der Summe rangiert der Landkreis meist unter dem Oberpfalz- oder Landesdurchschnitt. Einen großen Ausreißer nach oben gibt es statistisch lediglich beim Sperrmüll, der über die Wertstoffhöfe entsorgt wird. "Das war absehbar", betonte Graf, da es diesen Weg vorher nicht gegeben habe. Die Gesamtbilanz beeinträchtigt dieser Umstand allerdings nur geringfügig. Der Landkreis entsorgt und verwertet die ihm gesetzlich obliegenden Abfallfraktionen über das Schwandorfer Müllkraftwerk, das zunehmend mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen hat und deswegen für dieses Jahr bereits die Annahme von industriellem Gewerbemüll eingestellt hat.

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