13.01.2020 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Wetter vor zehn Jahren: Tonnenweise Schnee und ein 8,20 Meter großer König

Ein kleines Jubiläum: Vor zehn Jahren erbauten Kienloher ihren „Kieni“ – einen 8,20 Meter großen Schneemann. In diesem Jahr bleibt die weiße Pracht aus. Wetterexperte Andy Neumaier macht wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändert.

Ein Riese in Weiß, ein Gigant aus Schnee, der König von Kienlohe: Vor zehn Jahren war Schneemann „Kieni“ an der B 299 nahe der Trocknungsanlage in Kienlohe der Hingucker schlechthin. Derzeit bleibt der Schnee aus.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Der König von Kienlohe ist 8,20 Meter groß und schneeweiß. Vor ziemlich genau zehn Jahren thronte der Riese an der B 299 bei Kienlohe. Er war seinerzeit das Resultat eines Wettstreits zwischen den Ursulapoppenrichtern und Kienlohern mit der grundlegenden Frage: „Wer hat den größeren?“ Die vorrangig jungen Dorfbewohner bauten Schneemann um Schneemann. Der haushohe „Kieni“ sorgte dafür, dass die Kienloher als Sieger aus diesem Duell gingen – eine Party samt Schneebar eingeschlossen.

Aktuell sind solche Aktionen unverstellbar. Einige Wintertage fühlen sich an wie der Frühlingsbeginn. Von Schnee weit und breit keine Spur. Ob es von der weißen Pracht in diesem Winter in der Region noch etwas zu sehen gibt, ist ungewiss. Wetterexperte Andy Neumaier sagt aber: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Tatsächlich scheine dieser Winter aber ein außergewöhnlich milder zu werden – und sich sogar noch an die Spitze der letzten milden Winter setzen zu wollen.

Chance auf Schnee eher gering

„Es müsste sich im Februar und März in Sachen Schnee und Frost aber noch einiges tun, um den großen Temperaturüberschuss in der Statistik noch einmal abzubauen“, erklärt Meteorologe Neumaier. Die Wetterlage sei allerdings „reichlich eingefahren“, und so bleibe es wohl meist bei der milden südwestlichen Strömung mit Luft vom Atlantik. „Und von dort kommt eben nun mal kein Frost.“ Laut dem Wetterexperten braucht es schon kurze Kälteeinschübe, die vorübergehend Schnee bringen könnten. „Aber die Wahrscheinlichkeit für viel Schnee, der auch mehrere Tage liegen bleibt, ist derzeit auch in den Februar hinein eher gering.“

Wettermodelle, die auch diesen milden Winter richtig erkannt hatten, würden lediglich zwischen Anfang und Mitte Februar kurz durchschnittliche, sonst aber bis in den März deutlich überdurchschnittlich hohe Temperaturen prophezeien. Heißt: Am höchsten dürften die Chancen für Schnee etwa in der zweiten Februarwoche sein, bevor danach direkt der Frühling anbricht. Wie sich das in den nächsten Jahren verhält, ist nach Aussagen von Neumaier nicht vorherzusagen. „Derzeit scheint Schnee auch in der Oberpfalz eher zur Importware zu werden.“

Auf Importware mussten vor zehn Jahren auch die Kienloher zurückgreifen. Selbst der viele Schnee in der Umgebung reichte damals nicht aus, um den weißen Giganten zu modellieren. Rund ein Dutzend Kipper, randvoll mit der weißen Pracht, karrten die Erbauer an. Bagger, Frontlader und Hänger waren im Dauereinsatz. Um die zweite Kugel des Schneemanns zu formen, bauten die Kienloher einen Zaun auf die erste Kugel. Den eingefüllten Schnee verdichteten sie mit einem Rüttler. Den Kopf gestalteten die jungen Männer schließlich in einer Palette, ehe sie ihn per Bagger auf die Kugeln hievten.

Mantelknöpfe aus Lkw-Reifen

Sicherlich: Im weltweiten Vergleich gibt es deutlich größere Schneemänner. Ein Exemplar aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Maine, geformt aus 5500 Kubikmetern Schnee, brachte es 1999 auf 34 Meter und 62 Zentimeter. Der Mund bestand aus sechs alten Autoreifen, die Augen hatten einen Durchmesser von je eineinhalb Metern. Noch gewaltiger ist 2008 eine Schneefrau ausgefallen, ebenfalls in Maine erbaut. Sie brachte es auf über 37 Meter. Die Knöpfe ihres Mantels bildeten drei Lkw-Reifen.

Ganz so hoch wollten die Kienloher nicht hinaus. Ins kollektive Gedächtnis der Dorfbewohner hat es der „Kieni“ trotzdem geschafft. Der heute 32-jährige Sebastian Rupprecht, einer der Erbauer, sagt: „Heute ist der Schneemann ein kleines Wahrzeichen von Kienlohe.“ Ein 8,20 Meter großes und schneeweiß Wahrzeichen. Angesichts des ausbleibendes Schnees und der milden Winter dürfte der „Kieni“ noch lange der unangefochtene König von Kienlohe bleiben.

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