Der Geoökologe Markus Martini ist seit Kurzem offizieller Wolfsberater für Niederbayern und die Oberpfalz. Und der sitzt, wie Landrat Richard Reisinger in einem Gespräch mit der Amberger Zeitung betont, nicht in Regensburg. Sondern zumindest zeitweise in Theuern (Kümmersbruck). Dort gebe es zwar keine Wölfe, trotzdem sei das der richtige Platz für den Fachmann - nahe bei den großen Waldgebieten im Landkreis Amberg-Sulzbach und den Truppenübungsplätzen, auf denen der nicht unumstrittene Rückkehrer in den Reihen der heimischen Beutegreifer schon mehrfach Spuren hinterlassen hat.
Im Februar werde sich Martini in der Sitzung der Oberpfälzer Landräte vorstellen. Den Fachmann in Wolfsfragen habe das bayerische Landesamt für Umwelt etabliert, berichtet Reisinger - und der Staat bezahle den Experten auch. Dieser soll "die Beteiligten vor Ort vernetzen".
Nur einzelne Sichtungen
"Konkrete Veränderungen" kann Reisinger in Zusammenhang mit dem Wolf bislang nicht wahrnehmen: "Jetzt müssen wir halt mal schauen, wie sich die Populationen entwickeln." Momentan würden nur vereinzelte Wolfssichtungen gemeldet. Es gebe aber einen Wolfs-Managementplan. "Der wird ans Landesamt für Umwelt gemeldet."
Und wie geht die Bevölkerung mit dem Thema um? Bei diesem Thema sei ein Kompromiss "schwer möglich, wenn nicht sogar unmöglich", fasst Reisinger seine bisherigen Gespräche mit Bürgern zusammen. Er sieht es so: "Für die einen komplettiert die Rückkehr des Wolfs als ehemaliger Ureinwohner ökologisch die Fauna, bereichert sie, für die anderen ist er der nicht mehr erwünschte Störenfried, dem man schon vom Märchen her grundsätzliche Skepsis entgegenbringt und der einfach die Zivilisationsgesellschaft stört." Aber "Ängste von Wald-Spaziergängern und Walkern sind bei uns noch nicht angekommen."
"Wir müssen die Herdentierhalter im Blick haben", weiß der Landrat um das womöglich größte Problem im Zusammenhang mit der Rückkehr der Wölfe. "Denn da sagen uns die Fachleute: Wenn ein Wolf das einmal ausgemacht hat, dann ist das für ihn wie ein Feinkostladen, dann hört er sofort auf, irgendwo schwaches oder krankes Wild zu erbeuten." Momentan sei der Wolf im Raum Amberg-Sulzbach "hauptsächlich am Truppenübungsplatz" Thema. Aber er könne schon noch für mehr Aufregung sorgen, meint Reisinger: "Wenn mal das erste gerissene Lämmlein in der Zeitung auftaucht, dann kommen wir auch zur Diskrepanz der gesellschaftlichen Wahrnehmung von natürlichen Prozessen."
So etwas kenne man auch vom Zoo, erläutert Reisinger das Dilemma. "Die Leute schauen immer gern Erdmännchen, Giraffe und Co an." Doch die Verfütterung von Tieren an Tiere werde nicht gezeigt. Reisinger verweist aufs Beispiel eines Wissenschaftlers, der im Fernsehen erklärte, warum ein Zoo eine eigene Ziegennachzucht, die human getötet worden sei, den Löwen zum Fraß vorwerfe: Sonst würden die Raubtiere ihre Beutewahrnehmung völlig verlieren, "wenn sie ein Zoo-Leben lang nur von Dosenfutter ernährt würden". Noch während der Experte das "erklärt hat, ist der Shitstorm im Netz schon losgegangen". Kommentare reichten von der Frage "Hätte man die Ziegen nicht retten können?" bis zum Vorwurf "Mörder!".
Es gibt größere Probleme
"Da hast du schon verloren", beschreibt Reisinger einen Disput, den man nicht gewinnen könne. Der Landrat sieht aktuell aber weitaus größere Probleme mit dem Fischotter und dem Kormoran. Auch wenn Amberg-Sulzbach nicht "der" Fisch-Landkreis wie zum Beispiel Schwandorf sei, wo die Fischräuber ständig Thema seien.
Ist der Landkreis jetzt, wo es offiziell einen Wolfsberater gibt, kein Ansprechpartner mehr bei diesem Thema? „Natürlich sind wir vor Ort schon mit unseren ganzen Naturschutzbehörden und schauen, dass das in die richtigen Kanäle kommt“, antwortet Landrat Richard Reisinger. Dann allerdings lande man doch schnell bei der Regierung: „Für den Abschuss sind wir nicht zuständig.“ Dieses Thema sei bislang aber auch nicht klar geregelt. „Da müssen noch politisch eindeutige Regelungen gefasst werden.“
Der Wolf habe derzeit „den strengen europäischen Schutzstatus, den auch der Biber hat“. Und während die einen genau diesen strengen Schutz befürworten, forderten die anderen, dass man den Wolf „wie bei einer Überpopulation von Wild entnehmen darf“.
Entnehmen, das gibt Reisinger zu, sei dabei schon ein Euphemismus. Schließlich gehe es darum, den Wolf in Ausnahmefällen auch zu töten. Das sei in Bayern noch nicht der Fall gewesen. Aber wäre es denkbar, wenn der Wolf Herdentiere reißt? Das werde „gerade noch kontrovers in der Politik diskutiert“, sagt Reisinger. Er prophezeit: „Wenn er sich vermehrt, kommt das.“ Dann werde man den Wolf wohl „nicht besser oder schlechter als ein Reh behandeln, wenn er die entsprechende Population erreicht hat“. (eik)














Ich finde es wirklich prima, wenn eine in der Öffentlichkeit stehende Person das Rückgrat hat und einmal anspricht, dass das Leben auf dem Planeten aus Fressen und gefressen werden besteht und nicht aus Katzenbildern. Wahrscheinlich wird er deswegen gleich angegangen werden. Und wenn da einer „Mörder“ ruft, wenn Löwenfutter gezüchtet wird stelle ich fest, dass wir in einer plemplem Gesellschaft leben.
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