14.01.2020 - 08:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Zecke: Risikogebiet Amberg-Sulzbach

So viele FSME-Fälle wie nirgends in Deutschland - seit Jahren belegt der Landkreis Amberg-Sulzbach in dieser Statistik Spitzenplätze. Gründe gibt es laut Dr. Roland Brey mehrere. Zum Schutz empfiehlt der Gesundheitsamtsleiter Impfungen.

Quelle: Robert-Koch-Institut
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Das Bild, das Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey von FSME zeichnet, ist besorgniserregend. Bei schweren Krankheitsverläufen sind die Ausmaße heftig. Gehirnentzündungen, mehrwöchige Reha-Aufenthalte, Lähmungen und sogar Todesfälle können die Folge eines Zeckenbisses sein. Brey empfiehlt deshalb eindringlich, sich impfen zu lassen. Das sei die einzige einigermaßen zuverlässige Maßnahme gegen die FSME-Viren. „Zur Wahrheit gehört aber dazu: Keine Impfung kann zu 100 Prozent schützen.“

Was der Medizinaldirektor jedoch mit Sicherheit sagen kann: Seit vielen Jahren liegt der Landkreis bei den erfassten FSME-Fällen in den Statistiken weit vorne. Bei den in den vergangenen fünf Jahren neu aufgetretenen Erkrankungsfällen (FSME-Fünfjahresinzidenz) rangiert Amberg-Sulzbach mit 48,3 Fällen (immer auf 100 000 Fälle umgerechnet) auf Rang eins. Die Stadt Amberg taucht zwar nicht in der Top-10-Liste auf, ist mit 19,3 Fällen zwischen 2014 und 2018 allerdings ziemlich nah dran. Zum Vergleich: Der Landkreis Traunstein liegt mit 20,59 Fällen auf dem zehnten Platz.

Das Wichtigste zum Thema Zecken

Brey macht mehrere Gründe für diesen Umstand aus. In der Region gebe es sehr günstige Bedingungen für Zecken: Viel Wald, Wiesen und Grüngebiete. Ein weiterer Faktor sei, dass die Ärzte und Krankenhäuser in und um Amberg ziemlich sensibilisiert seien, die Aufklärungsquote dementsprechend hoch. Vor allem die leichten Fälle seien oft nicht von einer Erkältung zu unterscheiden.

In den vergangenen Jahren gab es, Landkreis und Stadt zusammengerechnet, immer über ein Dutzend aktenkundige FSME-Fälle: Im Jahr 2019 waren es 14, im Jahr 2018 insgesamt 15 und im Jahr 2017 zusammengerechnet 16. „Das wird wohler erst besser, wenn mehr Leute geimpft sind“, erklärt Brey. Bei den Kindern sei die Impfrate erfreulich hoch: 47,5 Prozent der Einschulungskinder und sogar 72,6 Prozent der Sechstklässler. Das und das im Alter schwächere Immunsystem dürften die Gründe für die überproportional vielen FSME-Fälle bei Menschen ab 50 Jahren sein. Außerdem sind Männer (117 Fälle seit 2001) fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen (60).

FSME:

In Bayern sind 91 von 96 Landkreisen und kreisfreien Städten laut Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Bis zu 30 Prozent aller Infektionen mit FSME-Viren sind mit Beschwerden verbunden. Die FSME verläuft typischerweise in zwei Phasen, wie es auf der Homepage des LGL heißt. In der Regel treten zunächst ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, gelegentlich auch Magen- und Darmbeschwerden auf. Nach einem beschwerdefreien Intervall von etwa einer Woche können dann neurologische Symptome als Zeichen einer Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung auftreten. Meist kommt es auch nach schweren Krankheitsverläufen zur vollständigen Heilung. Nach überstandener FSME mit Beteiligung des Zentralnervensystems können aber auch als Spätfolgen anhaltende Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und Anfallsleiden bestehen bleiben. Etwa ein Prozent der FSME-Fälle kann sogar tödlich verlaufen.

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