17.04.2020 - 11:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Zeigt her, eure alten Führerscheine!

Inge Neumeyer hat sich in den 1970er Jahren ihren Führerschein gleich selbst ausgestellt. Maria Specht erinnert ihr Dokument an einen ganz besonderen Abend im Augustinerkeller in Wien. Und Margit Köpnick hat gleich eine Liebeserklärung.

Der alte Führerschein von Margit Köpnick.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Margit Köpnick hätte so viel zu ihrem alten Führerschein zu erzählen, sagt sie. Dabei klingen ihre Worte schon fast wie eine Liebeserklärung: „Ich hänge sehr an meinem alten Lappen, er fühlt sich so stoffig an, absolut fälschungssicher, ausgestellt an meinem Geburtstag, zehn Tage später endlich in Händen. Ich spüre ihn sofort unter all den ungezählten, unvermeidlichen Karten.“ Wenn sie an den Führerschein denkt, dann fällt ihr sofort ihr selbstgehäkelter Pullover ein, mit dem sie auf dem Foto abgebildet ist. Oder als sie bei der Prüfung direkt vor ihrem Elternhaus einparken musste.

Der alte Lappen begleitet sie jetzt schon 50 Jahre. Nur einmal sei sie in all der Zeit kontrolliert worden. Sie war mit einer Ente unterwegs, kam gerade vom Flutlicht-Skifahren in Freudenberg. Die nassen Skier waren auf dem Beifahrersitz platziert. In Lintach winkten Polizisten Köpnick heraus. Ein paar Nachfragen, dann ließen die Beamten die Dame weiterfahren. „Ich war heilfroh, dass man den Schluck Schnaps, das aufgezwungene Geschenk gegen die Papp-Liftkarte, die noch für einige Fahrten galt, nicht gerochen hat in der Kälte.“

Ihre letzte Ente, (Spitzname für ein Citroën-Modell), verkaufte Köpnick schließlich wegen der geringen Aufprallsicherheit, wie sie schreibt. Die Kinder hätten geweint. Die letzte Fahrt führte zum Hockermühlbad. Irgendwann bemerkte Köpnick, dass ihr alter Lappen weg war, also musste sie sich einen Ersatzschein ausstellen lassen. Ein Vierteljahr später habe sich der Käufer der Ente gemeldet. Er hatte beim Autowaschen unter der Gummimatte den Führerschein gefunden. Dort hatte Köpnick ihn „diebstahlsicher“ deponiert.

Mit Tränen in den Augen

Brigitte Steinel-Mohr weiß den Tag ihrer Führerscheinprüfung noch. Es war der 18. Oktober 1985. „Ich musste nach Sulzbach und zurück, einparken und durch den damals gefürchteten Kreisverkehr“, berichtet sie. Als sie beim TÜV ausstiegen, meinte der Prüfer zu ihr: „Sie bekommen Ihren Schein heute leider nicht.“ Als der Prüfer sah, dass Steinel-Mohr schon Tränen in den Augen hatte, schob er gleich hinterher: „Heute nicht mehr. Sie werden doch morgen erst 18 und das Amt hat am Samstag zu.“

Große Freude bei der damals 17-Jährigen, die schließlich am Montag bei der Führerscheinstelle ihren Lappen abholen konnte. „Auch wenn ich ihn bis 2025 umtauschen muss, so werde ich ihn mit Sicherheit nur entwerten lassen und dann weiterhin aufheben“, sagt Steinel-Mohr. Sie besitzt nicht nur den alten Lappen schon seit 35 Jahren, sondern hat sogar die Rechnung der damaligen Fahrschule Schreiber (Amberg) aufgehoben.

Der alte Führerschein von Brigitte Steinel-Mohr.

Was ist das denn?

Hans Saller junior aus Schnaittenbach hat uns den Führerschein seines verstorbenen Vaters geschickt. Der Sohn erinnert sich, dass ihn der Papa bis zuletzt im Einsatz hatte. Bei Verkehrskontrollen kam es regelmäßig dazu, dass junge Polizisten fragen: „Was ist das denn?“ Die meist lakonische Antwort von Hans Saller senior: „Kennst du das nicht? Mein Führerschein!“

Der alte Führerschein von Hans Saller.

Die berüchtigte Luftkurve

Alfons Wanninger machte seinen Führerschein 1977 zuerst in Nürnberg, nach einem Arbeitsplatzwechsel schließlich in Sulzbach-Rosenberg. Die praktische Prüfung fand schließlich in der Herzogstadt statt, der Prüfer hieß damals Luft.

„Es gab die berüchtigte Luftkurve, vielleicht erinnert sich so mancher Sulzbacher noch dran“, berichtet Wanninger. Nachdem er bestanden hatte, musste er den Führerschein in Nürnberg abholen.

Der alte Führerschein von Alfons Wanninger.

Führerschein-Prüfung vor 70 Jahren

Keinen grauen, auch keinen rosa Lappen. Rosalie Pirkls erster Führerschein war grün. Über 70 Jahre ist es schon her, dass sie ihre Prüfung ablegte. Damals nur in der Theorie. „Es gab damals noch keine Kurse. Man musste sich selbst Lernmaterial besorgen“, erinnert sich Pirkl.

Die Prüfung fand im Landratsamt in der Bindergasse statt. Pirkl saß an einem Tisch dem Prüfer gegenüber. Der legte Bilder von Kreuzungen mit unterschiedlichen Vorfahrtsrechten vor, die richtig eingeschätzt werden mussten. Außerdem galt es Fragen zu beantworten. Etwa wie man das Scheinwerferlicht einstellt oder wie man sich im Straßenverkehr verhält. „Ich habe alles richtig beantwortet und den Führerschein gleich bekommen“, berichtet Pirkl. Ihren originalen alten Lappen hat sie leider nicht mehr.

Als sie heiratete, musste sie ihn umschreiben lassen. Pirkl erinnert sich aber, dass im Führerschein die Informationen nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch aufgeführt waren. „Es war ja noch Besatzungszeit.“

Der alte Führerschein von Rosalie Pirkl.

Mit dem Vesparoller ins Kornfeld

Es ist nun fast 60 Jahre her, dass Freya Zobel ihr Abitur bestanden hatte und die Zeit bis zu den Sommerferien nutzen wollte, um den Führerschein zu machen. Aus Geldnöten absolvierte sie zwar die zwölf vorgeschriebenen Fahrstunden fürs Auto, aber nur vier Stunden auf dem Vesparoller. „Das war dann doch zu wenig, wie sich in der Stunde vor der Prüfung herausstellte“, erzählt Zobel.

Bei einem Wendemanöver auf der jetzigen Zufahrtsstraße zur Universität verwechselte sie die Richtung des Drehgriffs zum Gasgeben und landete im angrenzenden Kornfeld.

„Bei der Prüfung ging dann aber alles gut und ich konnte mit Vaters Motorrad zu Onkel und Tante in die Schweiz fahren“, sagt Zobel. Ein Helm sei noch nicht Pflicht gewesen – und so habe es nur ein Kopftuch gegen den Wind und einen Kleppermantel als Schutz vor dem Regen gegeben. „Mein Vater kam auf die Idee, mir zwischen die beiden Pullover noch ein paar Schichten Zeitungen zu packen. Sie erfüllten hervorragend ihren Zweck und ich kam unversehrt und keineswegs verfroren in Zürich an.“

Hier geht es zum ersten Teil der "Alte Lappen"-Serie

Amberg
Der alte Führerschein von Freya Zobel.

Erinnerungen an einen Abend im Wiener Augustinerkeller

Maria Specht erinnert sich noch an die Zeit, kurz bevor sie ihren Führerschein am 7. Juli 1961 bestand. Sie war mit einer Freundin nach Wien gereist. Zu der Zeit trafen sich der amerikanische Präsident John F. Kennedy und der russische Präsident Nikita Chruschtschow.

Abends verschlug es die beiden Freundinnen in den Augustinerkeller in der Wiener Altstadt. Dort war es zwar ziemlich überfüllt, allerdings lud ein Tisch voller junger Männer die beiden Damen ein, bei ihnen Platz zu nehmen. „Wie sich herausstellte, waren es Amerikaner, die im Gefolge des Präsidenten dabei waren – oder was auch immer. Einer davon, ich glaub er hieß Charlie, wollte mich unbedingt mit nach Amerika nehmen“, erinnert sich Specht. „Es kann nur Spaß gewesen sein, und so sah ich es auch damals. Aber es war eine schöner, lustiger Abend.“

Am Sonntag darauf zündete Specht nach einem Gottesdienst in der Augustinerkirche eine Kerze an mit dem Wunsch, den Führerschein zu bestehen – was auch klappte. Bis heute kam sie gesund und unfallfrei durch den Straßenverkehr. Und mit ihren Führerschein verbindet sie immer die Erinnerung an den Abend im Augustinerkeller.

Der alte Führerschein von Maria Specht.

Führerschein selbst ausgestellt

Ganz und gar ungewöhnlich. Inge Neumeyer hat sich ihren Führerschein vor 42 Jahren gleich selbst ausgestellt. 1976 hatte sie ihre Ausbildung zur Verwaltungsangestellten in Kümmersbruck begonnen. Diese führte sie auch ans Landratsamt zur Führerscheinstelle.

Nach ihrer bestandenen Prüfung im Jahr 1978 landete doch tatsächlich ihr eigener Antrag auf ihrem Schreibtisch, als sie gerade in der Führerscheinstelle tätig war. „Das passt ganz gut, den können Sie gleich selbst schreiben“, hieß es damals, wie Neumeyer berichtet.

Weil sie an einen Samstag ihren 18. Geburtstag hatte, wollte sie noch ihren Chef dazu bringen, ihr den Führerschein schon vorher auszuhändigen. Schließlich wollte sie sich so schnell wie möglich hinters Steuer setzen und nicht bis Montag warten. Geht nicht, sagte der Chef. Zur Überraschung kam am Morgen ihres Geburtstags eine Kollegin und „schenkte“ ihr den Führerschein. Eine gelungene Überraschung für Neumeyer.

Der alte Führerschein von Inge Neumeyer.
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