24.05.2018 - 18:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Für Basti schlagen unzählige Herzen

In nur 28 Tagen kam die Summe von über einer halben Million Euro zusammen. Stefanie Leypold und Peter Andörfer, die Eltern des schwer herzkranken Bastian, sind überglücklich. Ihre Hoffnungen ruhen auf einem Kinderkardiologen in den USA.

Zwei Bussis für Basti: Die Ronald-McDonald-Stiftung spendierte dem herzkranken Vierjährigen und seinen Eltern Stefanie Leypold und Peter Andörfer ein Fotoshooting fürs Familienalbum. Diese zauberhafte Aufnahme entstand im Schlossgarten in Erlangen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Mit nur einem halben Herzen ist Bastian aus Sulzbach-Rosenberg am 25. Juni 2013 zur Welt gekommen. Ein Herz für den Buben, der stationär in der Uniklinik Erlangen ist, weil aus seinem Lymphsystem Flüssigkeit austritt, haben unzählige Menschen in der Region und weit außerhalb gezeigt. In nur 28 Tagen wurde über eine halbe Million Euro gespendet, um Basti eine Behandlung bei einem Spezialisten in den USA zu finanzieren. Im Interview spricht seine Mama Stefanie Leypold über diese gigantische Hilfsbereitschaft, den Klinik-Alltag und die Hoffnungen, die mit Ärzten in Philadelphia verbunden sind.

ONETZ: 513.205 Euro in nur einem Monat - hätten Sie damit gerechnet?

Stefanie Leypold: Nein, niemals! Es ist gigantisch, wie viel Geld in nur 28 Tagen zusammen gekommen ist. Von Anfang an wurde der Spendenaufruf in den sozialen Medien verbreitet und fleißig geteilt. Dass es so weite Kreise zieht, damit hat keiner von uns gerechnet. E-Mails kamen von überall her. Eine zum Beispiel aus Hannover, von einem Mann, der selbst einen fünfjährigen Sohn hat.

ONETZ: Wie lief die Spendenaktion in den ersten Tagen an?

Stefanie Leypold: Da standen unsere Handys nicht mehr still. Das hat uns fast überrollt. Viele fragten, ob sie den Aufruf auf Facebook teilen dürfen. Andere schickten ihn an ihre komplette WhatsApp-Kontaktliste. Nach zwölf Stunden hatten wir schon 5000 Euro. Jeder hat sich voll reingehängt, damit das Geld zusammenkommt. Auch vorher hatten uns viele immer wieder gefragt, wie sie uns helfen können. Bastis Erkrankung konnte uns keiner abnehmen, da mussten wir alleine durch. Aber wir waren froh über die eine oder andere spendierte Tankfüllung für die vielen Fahrten nach Erlangen.

ONETZ: Viele Vereine starteten sofort Hilfsaktionen, welche waren die ersten?

Stefanie Leypold: Da wir einen großen Bezug zu Sportvereinen in Sulzbach-Rosenberg haben, starteten zum Beispiel die Handballer des HC Sulzbach und der SV Loderhof/Kauerhof die ersten Aktionen. Unzählige andere Vereine, Organisationen, Firmen und Privatleute zogen sofort nach. In einem Fitnessstudio lief eine total witzige Abnehm-Aktion: Pro 200 Gramm Gewichtsverlust wurden fünf Euro für Basti gespendet. Sehr früh ging eine anonyme Spende über 10 000 Euro ein. All das war sehr, sehr positiv, aber es hat uns natürlich beschäftigt und aufgewühlt. Das tut es jetzt noch. Peter und mir ist es anfangs schwergefallen, mit der Spendenaktion klar zu kommen. Wir sind aber unendlich dankbar. Es ist uns ein Herzensanliegen, einfach Danke zu sagen, an alle, die uns unterstützen - das ist wirklich großartig.

ONETZ: Was war die rührendste Aktion?

Stefanie Leypold: Alle Aktionen sind auf ihre Art und Weise überwältigend. Besonders gerührt ist man, wenn Kinder selbst helfen wollen. Wenn sie Muffins backen und verkaufen oder wenn eine Familie, die nicht viel hat, Geld von ihrer Urlaubskasse abzwackt.

ONETZ: Wie geht es jetzt weiter?

Stefanie Leypold: Vor zwei Wochen haben die Ärzte in Philadelphia in einer Telefonkonferenz offiziell bestätigt, dass sie Basti als Patienten anerkennen. Das war eine Riesen-Erleichterung. Auf dieses letzte Okay haben wir Monate gewartet. Jetzt warten wir auf einen Termin. Für die Krankenkasse brauchen wir einen Kostenvoranschlag, damit wir wissen, ob und welche Kosten sie übernimmt. Von unserer Seite aus könnte es jederzeit losgehen.

ONETZ: Das Warten hat noch kein Ende...

Stefanie Leypold: Nein, leider noch nicht. Jeder wartet gespannt darauf. Nicht nur wir, sondern auch die Ärzte und Schwestern in Erlangen. Sie alle hängen emotional genauso mit drin. Viele von ihnen fragen jeden Tag, ob wir was aus Amerika gehört haben.

ONETZ: Hätte es eine andere Möglichkeit als diese Behandlung gegeben?

Stefanie Leypold: Basti hat im Bereich des Lymphhauptstamms nach links und rechts ein Loch. Daraus tritt Flüssigkeit aus, die direkt in die Brusthöhle läuft. In der Uniklinik Erlangen sind dafür die Möglichkeiten begrenzt, das Risiko nicht kalkulierbar. Da Lymphe beidseitig austritt, wären zwei Operationen erforderlich. Die Ärzte würden erst eine Seite operieren, um die Reaktion zu sehen. Es könnte nämlich sein, dass dann einer von Bastis Lungenflügeln schlapp machen würde.

ONETZ: Haben die Ärzte in Erlangen den Spezialisten in Philadelphia vorgeschlagen?

Stefanie Leypold: Sie haben nach einem MRT Anfang des Jahres den Kontakt hergestellt. Wir hatten zuvor schon von dem Arzt in Philadelphia gehört. Er ist ein Kardiologe, der spezialisiert ist auf Kinder mit einem Herzfehler, wie Basti ihn hat. Er hat bereits einen Jungen aus Deutschland behandelt.

ONETZ: Wann war der erste Kontakt mit diesem Kinderkardiologen?

Stefanie Leypold: Der erste telefonische Kontakt war am 21. Februar. Da hieß es, dass die Ärzte Potenzial sehen und glauben, dass sie Basti helfen können.

ONETZ: Was ist an der Behandlung in den USA so anders?

Stefanie Leypold: Zum einen würde nicht wie in Erlangen der Brustkorb geöffnet. Mit einem Katheter wird über die Bauchdecke punktiert. Während der Diagnostik kann gleich die Behandlung erfolgen. Die Klinik in Philadelphia hat außerdem ganz andere Möglichkeiten, das Lymphsystem darzustellen. Wir werden oft gefragt, warum der Spezialist nicht zu Basti kommt. Da wäre der Aufwand geringer, die Kosten wären nicht so hoch. Das geht natürlich nicht, er kann ja nicht zu jedem Patienten fliegen. Außerdem hat er in Amerika sein eingespieltes Team und spezielle, perfekt für seine Arbeit eingestellte Geräte.

ONETZ: Wie belastend ist der dauerhafte Klinikaufenthalt?

Stefanie Leypold: Das ist sehr belastend. Stationär in der Klinik war Basti von November 2016 bis Juli 2017, dann waren wir ein knappes halbes Jahr zu Hause und seit Dezember 2017 sind wir wieder in der Klinik. Da hat man kein normales Leben mehr. Peter und ich sehen uns quasi nur zum Schichtwechsel in Erlangen. Ich bin unter der Woche dort, Peter am Wochenende. Er kommt meist Freitagmittag. Manchmal gehen wir auf einen Spielplatz in der Nähe, weil es zu dritt im Zimmer schon eng wird. Freitagabend essen wir zusammen, immer auf dem Spielteppich am Boden, weil wir so am meisten Platz haben. Ich fahre dann nach Hause und komme Sonntag wieder.

ONETZ: Wie steckt Basti das weg?

Stefanie Leypold: Das macht er echt super, er akzeptiert es. Ein Arzt hat mal gesagt, ein Kind ist dort zu Hause, wo seine Eltern sind. Und einer von uns ist immer bei ihm. Er sagt schon auch, dass er heim will. Aber er weiß, dass es nicht geht, solange seine Tanks - wie er die Drainagen nennt - dran sind. Letztes Jahr war es schlimmer, da hatte er einen richtigen psychischen Durchhänger. Momentan ist er äußert gut drauf.

ONETZ: Darf er Besuche haben?

Stefanie Leypold: Ja, freilich! Jede Woche kommen die Großeltern, da freut er sich besonders. Kinder dürfen ihn auch besuchen, müssen aber zuvor zum Check in die Ambulanz der Kinderklinik. Denn Basti ist absolut anfällig für Infekte. Meistens skypt er aber mit seinen kleinen Freunden oder deren Mamas schicken uns Videos. Wir sind sehr froh, dass wir mit Basti raus dürfen. Sein absolutes Highlight ist der Wasserspielplatz hinter der Kopfklinik. Traurig ist Basti, dass unser Kater Michl nicht bei ihm sein kann. Die Katze vermisst er sehr.

ONETZ: Weiß er, dass er nach Amerika zur Behandlung fliegen wird?

Stefanie Leypold: Ja. Er fragt immer: Fliege ich jetzt zu Philadelphia? Wir haben ihm erklärt, dass dort ein Arzt ist, der sich nur um seine Tanks kümmern wird. Wir hoffen, dass das bald sein wird.

Info:

Das Team hinter "Spenden für Basti"

Initiator von „Spenden für Basti“ ist Michael Andörfer, Patenonkel des Vierjährigen aus Sulzbach-Rosenberg. In den vergangenen 28 Tagen managte er mit einem Organisations-Team die Spendenaktion. „Jeder hat sich so richtig ins Zeug gelegt und seinen Teil dazu geleistet“, sagt Bastis Mama Stefanie Leypold über die unermüdlichen Helfer im Hintergrund.

„Sie haben das super gemacht.“ Den Hauptpart leistete Michael Andörfer. „Teilweise hat er nur drei Stunden am Tag geschlafen“, erzählt seine Schwägerin. Per Mail erreichten ihn Hilfsangebote von Ärzten und von Rettungsdienstmitarbeitern, die Ambulanzflüge begleiten. „Einige haben angeboten, sie würden Basti auf dem Flug in die USA begleiten“, freut sich Stefanie Leypold.

Den Eltern sowie Bastians Patenonkel war und ist es wichtig, dass die Spendenaktion transparent ist und bleibt. Deshalb wird es unter www.spenden-für-Basti.de) auch künftig Updates zu Basti und der Behandlung in den USA geben.

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