17.10.2019 - 17:10 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Ammerthal: Ratsmehrheit nimmt Englhard-Firmenzentrale aufs Korn

Das Thema war schon einmal ein Aufreger. Damals fiel sogar der wenig schmeichelhafte Begriff "Schwarzbau". Im Ton sachlicher, geht es nun wieder darum, ob die neue Ammerthaler Firmenzentrale der Unternehmensgruppe Englhard der Baugenehmigung entspricht.

Eine der Abweichungen von der Baugenehmigung: Die Zufahrt zu der neuen Firmenzentrale wurde von der Amberger Straße (links) in eine Nebenstraße (rechts) verlegt.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Zumindest das steht außer Frage: Die Unternehmensgruppe Englhard gehört zu den großen, namhaften und leistungsfähigen Firmen der Baubranche im nördlichen Ostbayern. Repräsentativ sichtbar ist das im Ort der einstigen Ursprünge spätestens seit Oktober 2018. Das Familienunternehmen mit bis zu 200 Beschäftigten weihte seine neue Firmenzentrale an der Amberger Straße in Ammerthal ein. Ein zeitgemäßer Zweckbau für 40 Büroarbeitsplätze und dennoch architektonisch ansprechend.

So weit so gut, könnte es heißen. Doch dann kamen Diskussionen auf, dass die Festsetzungen der Baugenehmigung nicht eingehalten worden seien. Es geht um drei Punkte: Die Grundstücksein- und -ausfahrt hätte rechtwinklig in die Amberger Straße einmünden sollen, wurde jedoch auf eine Seitenstraße verlegt; es gibt mehr Parkplätze und damit mehr Oberflächenversiegelung als genehmigt. Das Oberflächenwasser fließe allerdings unkontrolliert in die freie Natur ab. Diese Vorwürfe sind nicht neu. Der Gemeinderat hat deshalb schon einmal mit der Mehrheit von BFA und UWG beschlossen, diese Änderungen nicht nachträglich zu billigen. Das Landratsamt sollte damals als Genehmigungsbehörde gebeten werden, die Sachlage und deren potenziellen Folgen fachlich zu überprüfen. Derweil hat der Bauherr eine Tekturplanung im Sinne der Abweichungen in Auftrag gegeben.

Der zweite Anlauf

Passiert ist offenbar bisher wenig bis nichts. Deshalb schob die UWG/BFA-Fraktion noch einmal einen Antrag nach, der am Mittwoch dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt wurde. Demnach soll die Gemeindeverwaltung prüfen, inwieweit "Abweichungen zum genehmigten Bauplan" bestehen und diese Feststellungen umgehend "mit der Bitte um schriftliche Stellungnahme" an das Landratsamt weiterzuleiten. Begründet wurde dieser neuerliche Vorstoß von 3. Bürgermeister Thomas Bär (UWG) damit, dass eine nachträgliche, indirekte Genehmigung der Abweichungen durch Nichtbehandlung der Einwände verhindert werden solle. Die CSU- und CWG-Gemeinderäte enthielten sich einer Stellungnahme. Für Hubert Englhard (CSU) war das nahe liegend. Er ist einer der Mitgesellschafter und -geschäftsführer des Familienunternehmens.

Unkommentiert möchte er die in dem UWG/BFA-Antrag erhobenen Vorwürfe allerdings nicht lassen und übergab Oberpfalz-Medien eine schriftliche Stellungnahme des Architekten. Demnach werde demnächst beim Landratsamt ein Tekturantrag zur Genehmigung der Abweichungen eingereicht. Dazu seien noch einige technische Nachweise nötig. Hinsichtlich der verlegten Einfahrt stellt der Architekt fest, dass laut Bebauungsplan in diesem Bereich eine Verschiebung um 24 Meter "frei wählbar" sei. Die realisierte Abweichung sei erschließungstechnisch ebenso leistungsfähig wie die geplante und habe den Charme, "die Baumallee entlang der Amberger Straße", die einen "Grundzug des Bebauungsplanes" darstelle, nicht durchbrechen zu müssen.

Pflaster durchlässig

Dem Argument der erhöhten Versiegelung wegen mehr Parkplätzen wird mit dem Hinweis begegnet, dass sie "mit versickerungsfähigem Rasenfugenpflaster ausgeführt" seien. Die Oberflächenentwässerung entspreche zudem den Vorgaben. Es dürften nur "betriebsbereite Fahrzeuge" abgestellt werden, so dass ein zusätzliches Umweltrisiko oder die Notwendigkeit eines Ölabscheiders nicht gegeben seien. Der UWG/BFA-Antrag wird dennoch den gewünschten Weg gehen. Er wurde mit der Mehrheit von neun Stimmen genehmigt.

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