18.07.2019 - 14:46 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Kostspieliges Lehrgeld

Der Sport boomte, Plätze waren knapp. So entstand Anfang der 1990er Jahre der Tennisclub TST Ammerthal. Jetzt ist er pleite und erinnert die Gemeinde an ihr einstiges Entgegenkommen: Bürgschaften, die nun gezogen werden.

Pleite: Der Ammerthaler Tennisclub TST kann seine seit der Gründung bestehenden Kredite nicht mehr bedienen. Jetzt muss die Gemeinde einspringen. Sie gab 1993 eine Bürgschaft ab.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Die Devotionalien von Boris Beckers Ruhm als Tennis-Weltstar wurden dieser Tage zwangsversteigert. Das steht symptomatisch für diesen Sport und erst recht für das Tölpel-Sport-Team Ammerthal, kurz TST. Der Verein ist pleite. Bekannt ist das spätestens seit der Hauptversammlung im Mai. Dort wurden erste Überlegungen angestellt, dass die Gemeinde das mit nicht mehr bedienbaren Schulden belastete Sportgelände mit dem Clubheim Zum Stodlwirt übernehmen könnte. Die Tennisplätze und nötigen Umkleideräume sowie Duschen würde der verbleibende Restverein wieder anpachten.

Ganz schön spendabel

Schon vor einigen Wochen fällte der Gemeinderat einstimmig einen entsprechenden Grundsatzbeschluss. Ihm blieb nichts anderes übrig. Denn seit 1993 steht die Kommune in der Pflicht einer Bürgschaft im Zuge des Baus des Clubgeländes und Vereinsheims, in das damals satte 425 000 D-Mark gesteckt wurden. Dafür gab es außerdem einen kommunalen Zuschuss von 125 000 D-Mark. Dennoch hatte sich der Verein offenbar gewaltig überhoben. Noch heute ist er - inklusive einer späteren fällig gewordenen Erneuerung der Heizung - mit knapp 37 000 Euro Schulden belastet, die sich auf zwei Kredite aufteilen. Die monatlichen Raten von rund 390 Euro kann das TST nicht mehr zahlen.

"Gehört unsd schon"

Diese Eckdaten standen am Mittwoch im Mittelpunkt einer neuerlichen Diskussion im Gemeinderat, um eine endgültige Entscheidung zu fällen. Die gab es, allerdings nicht ohne sich darüber zu wundern, wie leichtfertig die Gemeinde sich damals in die Pflicht dieser stattlichen Bürgschaft habe nehmen lassen. Stephan Koller, Sprecher der BFA und UWG, wollte darüber hinaus die Diskussion im Dorf zurechtgerückt wissen. Demnach treffe die Darstellung, die Gemeinde bekomme für die Schuldenübernahme schließlich das Vereinsgelände und den Stodlwirt, schlichtweg nicht zu. "Das gehört uns ja schon", betonte Koller.

2010 erwarb die Kommune das vom TST seit jeher angepachtete Gelände samt der Tennisplätze und dem Vereinsheim. Deshalb, das betonte Bürgermeisterin Alexandra Sitter (UWG), stehe der Beschluss unter dem Vorbehalt, dass auch die Kommunalaufsicht mitspiele. Das bestätigte der geschäftsleitende Beamte Andreas Wittmann: "Wir übernehmen etwas, was uns schon gehört." Die CSU hat damit kein Problem. Ihr Sprecher Robert Weiß verwies darauf, dass andernorts Städte für ganze Stadien geradestehen müssten. Unverzüglich, so der Beschluss, wird die Gemeinde jedenfalls für die Kredite einspringen, um eine Insolvenz des Vereins und damit die persönliche Haftung des Vorstandes abzuwenden. Erfreulich daran: Es gibt schon einen Interessenten für den Stodlwirt. Der rührige Heimat- und Kulturverein (HKV) hat angefragt und der Gemeinderat das sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. Beschlossen wurde in diese Richtung jedoch noch nichts, ebenso hinsichtlich der weiteren Nutzung der Tennisplätze durch das TST.

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