14.02.2019 - 15:46 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Weckruf für Gemeinderat

Der Ammerthaler Gemeinderat gilt als heillos zerstritten. Nun meldete sich eine Stimme zu Wort, die sich naturgemäß in Zurückhaltung übt.

Erstmals haben die Bediensteten des Ammerthaler Rathauses öffentlich deutlich gemacht, welche Belastungen der Dauerstreit der beiden tief verfeindeten lokalpolitischen Lager im Gemeinderat für sie mit sich bringt.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Es war die erste Sitzung dieses Jahres, zu der am Mittwochabend der Gemeinderat zusammenkam. Sie begann ungewöhnlich. Womöglich auch deshalb, weil dem Mythos der Erstmaligkeit immer auch der Zauber eines Neuanfangs innewohnt. Bürgermeisterin Alexandra Sitter (UWG) tat der Formalie der Sitzungseröffnung Genüge und übergab unverzüglich auf dessen Wunsch hin an den geschäftsleitenden Beamten im Rathaus, Andreas Wittmann.

Er wolle "ein paar Worte für die Verwaltung loswerden", wandte er sich an das Plenum. Wittmann ist der inzwischen dritte geschäftsleitende Beamte im Ammerthaler Rathaus binnen rund elf Jahren. Woran das liegen könnte, das kann sich nach dieser Sitzung jeder selbst zusammenreimen. Rund zwei Jahre, so der Kommunalbeamte, arbeite er jetzt im Rathaus und es sei "schon immer interessant gewesen". "Nun hat sich die Situation zugespitzt."

Wittmann erhielt offenbar wenige Stunden vor Sitzungsbeginn einen Anruf von der Kommunalaufsicht aus dem Landratsamt. "Ich hätte darauf wetten können", ließ er durchblicken, dass das nicht das erste Mal so war. Dann müsse er ellenlange Stellungnahmen abgeben, wegen der "immer gleichen Themen mit dem immer gleichen Ergebnis". "Das macht unendlich viel Arbeit." Er und seine Kollegen seien dennoch bemüht, unter "diesen erschwerten Bedingungen" saubere und ordentliche Arbeit abzuliefern.

Ohne Gemeinderäte oder Fraktionen namentlich zu benennen verwies der geschäftsleitende Beamte auf zwei Beispiele. Die regelmäßigen, kräftezehrenden Streitereien um Sitzungsprotokolle und die in den zurückliegenden Wochen ungewöhnlich vielen Widersprüche gegen die Wasser- und Abwasser-Gebührenbescheide.

Letztere seien großteils "vorformuliert" oder würden auf falschen Tatsachenbehauptungen beruhen und könnten offensichtlich in Verbindung zu einer Flugblattaktion im Dorf gebracht werden. Häufig beantragte Protokolländerungen seien nicht minder zeitraubend, weil dann stundenlang Tonbandmitschnitte oft nicht nur einmal abgehört werden müssten. "Anträge, Wünsche, Beschwerden bekomme ich eigentlich täglich auf den Tisch", schloss Wittmann mit dem Appell, dieses Gebaren ernsthaft zu hinterfragen.

Die betretene Stille nach diesem Statement durchbrach nur Stefan Badura (CWG). Er bat darum, sich einmal außerhalb des Plenums zusammenzusetzen. Wie blank bei einigen die Nerven offenbar liegen, wurde angesichts einer spontanen Replik von Kämmerin Renate Großhauser deutlich. "Sie wollen mich vorführen", antwortete sie auf hartnäckige Nachfragen zum Haushalt.

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