Ab Sonntag ticken die Fahrpläne deutschlandweit wieder anders. Im Landkreis, dessen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sich auf Buslinien stützt, gibt es keine gravierenden Verschiebungen. Nicht ganz freiwillig wartet Kastl ab 9. Dezember mit einer Neuerung auf, die Bürgermeister Stefan Braun kurz mit den Worten umschreibt: "Die Alternative heißt - gar nichts." Es geht um die drei Busverbindungen mit den Nummern 45, 72 und 73.
Was sich hier ändern wird, erläuterten in einer gemeinsamen Pressekonferenz neben dem Bürgermeister der Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS), Hans-Jürgen Haas, und der Busunternehmer Bernd Lindner aus Allersburg. Eher unbeabsichtigt gaben sie einen tiefen Einblick in das Bürokratie-Dickicht, an dessen Tropf die Buslinien des ÖPNV hängen. Fakt ist, dass Lindner wegen veränderter Berechnungsmodalitäten der öffentlichen Subventionen für die drei genannten Linien diese nicht mehr wirtschaftlich betreiben kann.
Seit 2016 bekommt er weniger Zuschüsse als 2014 zugebilligt. Deshalb wurden mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag die drei genannten Verbindungen an Samstagen und während der Ferienzeit auf das Rufbus-System umgestellt. Die Linien 45, 72 und 73 gewährleisten den Zubringerverkehr aus einigen Ortsteilen nach Kastl, um dort den Anschluss an die Linien 60 und 61 herzustellen, die entlang der Bundesstraße 299 zwischen Amberg und Neumarkt verkehren.
Leerfahrten minimieren
Die maßgeblichen Fahrgastzahlen der drei Kastler Linien resultieren hauptsächlich aus dem Schulbusverkehr. Sie stellen jedoch zugleich ganz normale ÖPNV-Verbindungen dar und können von jedem genutzt werden. Um die Wirtschaftlichkeit trotz des gekürzten staatlichen Zuschusses aufrechterhalten zu können, wird nun samstags und während der Ferien auf den Rufbus umgestellt.
Der ZNAS hat bisher nicht die besten Erfahrungen damit gemacht. Das verstehen Braun, Haas und Linder nicht so recht, weil in anderen ländlichen Regionen das System durchaus funktioniert. "Wir wissen, dass es eine gewisse Hemmschwelle gibt", räumt Braun ein. "Aber das ist nichts anderes, als wenn ich mir ein Taxi rufe." Es komme halt nur ein Bus an die Haltestelle. Es gehe ausschließlich darum, defizitäre Leerfahrten möglichst auszuschließen, unterstrich Lindner. Für den Fahrgast ändere sich sonst nichts. Der Ticketpreis, die Abfahrtszeiten, alles bleibe gleich. Er als Unternehmer wolle lediglich wissen, ob er eine Linienfahrt bedienen solle oder nicht.
Anruf bis 16 Uhr
Geordert werden kann ein Rufbus bis 16 Uhr des Vortages unter der Telefonnummer 09626/306. Braun und Haas wollen zudem nicht die Hoffnung aufgeben, dass dieses Konzept auch in der Region besser greift. Beide sehen es als einen gangbaren und finanzierbaren Weg an, oft beklagte Strukturdefizite des ÖPNV auf dem flachen Land abzumildern.





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