28.02.2021 - 15:40 Uhr
ArzbergOberpfalz

Fabrikhalle bei Arzberg in Schutt und Asche

Eine Produktionshalle der Glasschmelzhafenfabrik Fastner wurde in der Nacht zum Samstag ein Raub der Flammen. Rund 240 Einsatzkräfte aus der ganzen Region kämpften gegen ein weiteres Übergreifen der Flammen.

Von der Produktionshalle, in der spezielle Tongefäße für die Glasschmelze hergestellt wurden, ist nur eine riesige Brandruine übrig.
von Autor FPHProfil

Von Matthias Bäumler

Als Samstag kurz nach Mitternacht der Funkwecker von Markus Felgenhauer anschlägt, ist er auf alles gefasst. Aber der Kommandant der Arzberger Feuerwehr ahnt noch nicht, dass er wenig später den größten Einsatz seit Jahren leitet: In der Glasschmelzhafenfabrik Fastner in Elisenfels ist Feuer ausgebrochen. Ersten nächtlichen Schätzungen zufolge liegt der Schaden bei rund einer Million Euro. Verletzt wurde bei dem Großbrand glücklicherweise niemand.

„Als wir zum Einsatzort unterwegs waren, haben wir schon von Weitem das Feuer gesehen. Das mittlere Gebäude in dem Komplex stand komplett in Flammen“, sagt Felgenhauer. Die Fabrik liegt im engen Röslau-Tal, was die Löscharbeiten zusätzlich erschwert. An der Südseite des Gebäuderiegels führt keine Straße vorbei. Die Einsatzkräfte müssen die Schläuche und Pumpen durch ein enges Tor schleppen, um die Fabrik auch von der zum Fluss zeigenden Seite löschen zu können. „Wir haben sofort zwei Riegelstellungen gebildet, um die beiden äußeren Gebäudeteile zu retten“, berichtet der Kommandant.

In kurzen Abständen treffen immer weitere Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Wunsiedel, aus dem Landkreis Tirschenreuth und aus Rehau ein. Am Ende werden mehr als 200 Einsatzkräfte versuchen, zu retten, was zu retten ist. Mit drei Drehleitern aus Marktredwitz, Wunsiedel und Waldsassen können die Löschexperten auch von oben „angreifen“. Immer wieder stellen die Fahrer die tonnenschweren Geräte im Laufe der Nacht um, weil die Flammen mal hier, mal da auflodern. Auch das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz sind vor Ort.

„Die Atemschutzträger haben sich sofort den Weg ins Innere gebahnt“, berichtet Felgenhauer. Schnell hatten sich die Spezialisten ein Bild von der Lage verschafft. Glücklicherweise ist das Fabrikgebäude am Wochenende menschenleer.

Wie hoch der Schaden ist, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht beziffern. Die Polizei schätzt ihn zwischen einer halben und einer Million Euro. Auch Geschäftsführer Harald Knaue kann noch keine genaueren Angaben machen. „Wir müssen uns erst ein Bild von den Zerstörungen verschaffen. Vielleicht können wir noch im vorderen Teil der nicht so schwer betroffenen Halle produzieren.“ Sicher ist hingegen, dass der große Mittelbau nur noch eine Brandruine ist. Knaue hatte sich mitten in der Nacht sofort von seinem Wohnort in Hessen auf den Weg nach Elisenfels gemacht, damit er der Feuerwehr als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Die Glasschmelzhafenfabrik Fastner & Co. GmbH stellt in Elisenfels feuerfeste Tongefäße für die Herstellung von Spezial-gläsern, Antikgläsern und medizinischen Produkten her. Die Behälter aus einem speziellen Tongemisch werden beispielsweise bei Lamberts im benachbarten Waldsassen in den Öfen als Schmelzbehälter eingesetzt, wo sie nach einem gewissen Zeitraum ausgetauscht werden müssen. Im Arzberger Ortsteil Elisenfels sind 15 Mitarbeiter beschäftigt, die gut zu tun haben. Wie es weitergeht, kann der Geschäftsführer noch nicht sagen. Zunächst werden die Mitarbeiter, die er noch am frühen Morgen informiert hat, mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein.

Kilometerweit ist noch am frühen Samstagnachmittag der aus dem Röslau-Tal aufsteigende Rauch zu sehen. Inzwischen löschen frische Kräfte unverdrossen weiter: „Wir haben gegen 8 Uhr die ersten Trupps nach Hause geschickt", sagt Einsatzleiter Markus Felgenhauer. Dass dies notwendig ist, hat sich Stunden zuvor gezeigt. Als der Brand bereits unter Kontrolle schien, schlugen aus dem Dachgeschoss des angrenzenden Gebäudes meterhohe Flammen. „Die Atemschutzträger haben sofort von innen gelöscht, da sich immer wieder Brandnester bildeten.“

Auch Mittags lodern in dem inzwischen eingestürzten Gebälk immer wieder Flammen auf. Glück für die Retter, dass dank der wenige Meter entfernten Röslau Wasser in Hülle und Fülle vorhanden ist. Ein fünf Kubikmeter fassender Flüssiggasbehälter, der nur drei Meter neben der Fassade stand, bereitete den Feuerwehrleuten in der Nacht große Sorgen. Sie befürchteten, dass der Giebel des Hauses einstürzen und auf den Tank knallen könnte. Die Verantwortlichen kontaktierten die Experten des TUIS (Transport-Unfall-Informationssystem der chemischen Werkfeuerwehren) in Frankfurt, um einen Evakuierungsradius festzulegen. Auch ein Baufachberater des THW sondierte die Lage. Die Helfer des Technischen Hilfswerks versorgen die Feuerwehr stetig mit Nachschub an Treibstoff. „Unsere Fahrzeuge und Spritzen sind ja über viele Stunden im Einsatz, da ist der Verbrauch hoch“, sagt Felgenhauer.

Die Einsatzkräfte hatten nicht nur den gut hundert Meter langen Gebäuderiegel im Blick, sondern auch den angrenzenden Wald. „Das Feuer ist übergesprungen, aber das konnten wir schnell löschen.“ Einsatzleiter Felgenhauer ist am Samstagnachmittag bereits viele Stunden im Einsatz, doch das Adrenalin hält ihn wach. Immer wieder dirigiert er die Rettungskräfte aus der gesamten Region. Noch gut 60 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Zum Glück gab es keine Verletzten. Die Bewohner des Wohnblocks ganz in der Nähe sind von dem Flammeninferno verschont geblieben. Viel Schlaf hat in dieser Nacht sicherlich niemand gefunden.

Wann die Produktion der Glasschmelzhafen wieder beginnen kann, ist völlig offen. Nachdem die Flammen gelöscht sind, forschen die Ermittler der Kriminalpolizei nach der Brandursache.

Zur Erstmeldung des Brandes

Arzberg
Das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde am Samstag bei Tageslicht sichtbar.
Den Feuerwehren aus den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.