Arzberg
23.08.2023 - 18:53 Uhr
OnetzPlus

Großbrand mitten in Arzberg: Drei Verletzte, hoher Schaden

Ein Großbrand im Dachstuhl einer alten Jugendstilvilla macht das repräsentative Gebäude in Arzberg vermutlich unbewohnbar. 15 Menschen retten sich rechtzeitig aus dem brennenden Haus, drei werden leicht verletzt.

Von Christl Schemm

Sirenen und Martinshörner haben am frühen Mittwochmorgen die Menschen in Arzberg aus dem Schlaf gerissen. Der Grund: Der Dachstuhl der ehemaligen Traditionsgaststätte „Röslautal“ an der Bahnhofstraße brannte lichterloh.

Das einstmals repräsentative Jugendstilgebäude der Firma Schumann, das jetzt als Wohnhaus genutzt wird und dessen Eigentümer dort auch ein Büro für seinen Autohandel unterhält, wurde durch den Großbrand und Löschwasser so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass es jetzt vermutlich unbewohnbar ist.

Autofahrer bemerkt Brand

Die gute Nachricht: Alle 15 Bewohnerinnen und Bewohner, die sich im Haus aufhielten, als das Feuer ausbrach, konnten sich selbst in Sicherheit bringen. Zweimal durchsuchten Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten das Haus, um sicherzugehen, dass alle Menschen das Haus verlassen hatten. Drei Personen wurden allerdings leicht verletzt, konnten aber an Ort und Stelle versorgt werden.

Es ist kurz vor 6 Uhr, als der Fahrer eines vorbeifahrenden Autos den Brand bemerkt, laut hupt und auf das Feuer aufmerksam macht. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner in den neun Wohnungen schlafen um diese Zeit noch. Auch der Hauseigentümer. Er zeigt sich im Gespräch mit der Frankenpost mehr verärgert als schockiert. Er habe einen Notruf abgesetzt, als er das Feuer bemerkt habe. Nun habe er keine Wohnung mehr, klagt er.

So geht es auch einem Mann, der mit seinem Hund im gegenüberliegenden Hof der Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Geflüchtete steht. „Ich weiß nicht, wohin ich jetzt soll“, sagt er. „Und was mit meinen beiden Katzen ist, die in der Wohnung sind, weiß ich auch nicht. Ich hoffe, sie überleben.“ Er sei bereits wach gewesen, als er einen Knall gehört habe, sagt der Mann. Vom Hinterhof aus habe er dann Rufe gehört: „Aufwachen, aufwachen, es brennt!“

„Wir wären verreckt“

Aufgebracht sind einige Frauen. Sie beklagen, dass ihnen zunächst niemand Bescheid gegeben habe, dass das Haus in Flammen steht. Erst als sie eine Nachbarin angerufen habe, hätten sie vom Ernst der Lage erfahren. „Wir wären verreckt“, schimpft eine der Frauen. Im Hof der GU in der ehemaligen Post kümmern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Polizeibeamte um die Bewohnerinnen und Bewohner. Diese werden registriert und mit einer Karte um den Hals versehen, um zu dokumentieren, dass die Einsatzkräfte sie bereits auf dem Schirm haben.

Auch einige Geflüchtete kümmern sich um die jetzt obdachlosen Nachbarn von gegenüber, bringen Kaffee und Wasser und versuchen zu trösten. Eine Frau aus Afghanistan sagt in Englisch: „Wir hatten große Angst. Denn in Afghanistan gibt es keine Feuerwehr wie hier. In meinem Heimatland hätte das Feuer schnell auf die Nachbarhäuser übergegriffen.“ Ein Geflüchteter aus Syrien sagt: „Es tut uns sehr leid, was den Menschen passiert. Wir sind traurig.“

Für die Frauen, Männer und ein Kind, die nicht mehr in das Haus zurück können, muss die Stadt Arzberg nach Unterkünften suchen. Der Mann mit dem Hund wird laut Bürgermeister Stefan Göcking zunächst in der Notunterkunft der Stadt in der Bauvereinstraße unterkommen. Drei Menschen hätten Platz bei Verwandten gefunden. Weitere Betroffene könnten erst einmal in Hotels und Pensionen unterschlüpfen. Für den Donnerstag werde ein Baugutachter erwartet, der die Statik des Hauses prüft. Ob das Haus betreten werden könne und später wieder bewohnbar sei, sei aktuell noch nicht abzusehen.

Aufgrund der Ungewissheit hinsichtlich der Statik mussten die Häuser Bahnhofstraße 27 und 27A ebenfalls evakuiert werden, wie der Bürgermeister am Mittwochnachmittag berichtete. Sechs Menschen - eine Familie mit vier Personen und zwei alte Damen - müssten nun zunächst ebenfalls in anderen Wohnungen oder Zimmern unterkommen. Im Einvernehmen mit dem Staatlichen Bauamt werde entschieden, wann die Bahnhofstraße wieder für den Verkehr freigegeben werden könne.

Schaden: 200.000 Euro

Um kurz vor 6 Uhr sei der Notruf wegen des Großbrandes eingegangen, bestätigt Polizeihauptkommissar Wolfgang Schultes auf Nachfrage. Als nach der sofortigen Alarmierung die ersten Feuerwehrleute am Brandort gewesen seien, sei der Dachstuhl bereits in Vollbrand gestanden. Die Ursache für das Feuer steht nach den Worten des neuen stellvertretenden Leiters der Polizeiinspektion Marktredwitz noch nicht fest. Die weitere Sachbearbeitung und die Suche nach der Brandursache habe die Kriminalpolizei Hof übernommen. Das Gebäude müsse nun gesichert werden. Ob es wieder bewohnbar sein wird, sei nicht klar. Die Dimension des Schadens insgesamt schätzt Schultes auf einen höheren sechsstelligen Euro-Betrag.

Am Mittwochnachmittag bezifferte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken den Brandschaden auf 200.000 Euro. Erste Erkenntnisse der Kriminalpolizei deuteten auf einen technischen Defekt als Brandursache hin.

Arzberg23.08.2023
Hintergrund:

228 Kräfte im Einsatz

  • An der Bekämpfung des Feuers beteiligt waren laut Kreisbrandrat Wieland Schletz 181 Wehrleute aus Arzberg, Wunsiedel, Thölau, Marktredwitz, Schlottenhof, Seußen, Schirnding, Pfaffenreuth, Kothigenbibersbach, Thiersheim, Röthenbach, Oschwitz, Bergnersreuth und Waldsassen.
  • Im Einsatz waren die Drehleitern der Wehren Arzberg und Marktredwitz, später rückte auch noch die Waldsassener Wehr mit ihrer Drehleiter an.
  • Der Rettungsdienst war Schletz zufolge mit 30, das THW mit 4, die Polizei mit 9 und die Psychosoziale Notfallversorgung mit 4 Kräften im Einsatz, also insgesamt 228 Mitglieder von Rettungsorganisationen.
  • Das Wasser für die Löscharbeiten entnahmen die Wehrleute laut Kreisbrandmeister Alexander Letz aus der Röslau und pumpten es zum Brandort. Auch zwei Hydranten lieferten Löschwasser.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.