22.10.2019 - 00:01 Uhr
AuerbachOberpfalz

Cherry bleibt Auerbach treu

Es hätte viele Kommunen gegeben, die Cherry gern bei sich angesiedelt hätten. Doch der Hersteller von Computer-Eingabegeräten, einer der führenden weltweit, bleibt seinem Standort treu und baut hier eine Firmenzentrale auf modernstem Stand.

Die Baustelle der neuen Cherry-Firmenzentrale an der B 85 bei Michelfeld. Im Vordergrund die Produktionshalle, dahinter die Bürogebäude.
von Markus Müller Kontakt Profil

Das freut nicht nur den Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß, dass jetzt eine Vorzeige-Firma die Bebauung im neuen Industriegebiet Saaß an der Kreuzung der Bundesstraßen 85 und 470 eröffnet. Die Stadt würdigt die Treue des Unternehmens mit einer besonderen Geste: Es kann den Straßennamen „Cherrystraße“ an den neuen Standort mitnehmen.

Nach dem Spatenstich im August 2018 wuchs auf dem 17 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Auerbach und Michelfeld zunächst die Produktionshalle in die Höhe. Hier sollen vor allem Cherry-MX-Schalter für Tastaturen entstehen. Danach wurde das Verwaltungsgebäude errichtet.

Beim Spatenstich zum Neubau der Cherry-Konzernzentrale im neuen Industriegebiet Saaß (von links): Rolf Unterberger (Cherry-CEO), Landrat Richard Reisinger,die Investoren Ilhan und Gökhan Altincik, Landtagsabgeordneter Harald Schwartz (CSU), Bürgermeister Joachim Neuß, Cherry-Betriebsratsvorsitzender Reinhard Leipold, Sabrina Feige (IG Metall), Generalunternehmer Dieter Hofmann und Cherry-CFO Bernd Wagner

Der Neubau soll hohen Ansprüchen genügen und nach Firmenangaben „das neue Wertebild von Cherry zum Arbeitsplatz der Zukunft und New Work widerspiegeln“. Auch eine weitere Expansion ist auf dem neuen Areal möglich.

Der Umzug muss Ende 2019 erledigt sein, weil dann der Mietvertrag mit der ZF, auf deren Gelände Cherry bisher untergebracht ist, ausläuft. Auch im neuen Haus ist die Cherry GmbH Mieter. Bauherr ist als Investor die Altincik Holding der Auerbacher Brüder Ilhan und Gökhan Altincik. Der Mietvertrag mit Cherry läuft erst einmal über zwölf Jahre, soll aber danach noch weitergeführt werden.

Investor Ilhan Altincik (rechts) bei seiner Ansprache zum Richtfest der neuen Cherry-Zentrale vor einem Teil der Belegschaft.

Als Generalunternehmer erstellt der Michelfelder Bauunternehmer Dieter Hofmann mit seiner HD Bau Gewerbe GmbH die Firmenzentrale. „Bisher lief alles nach Plan“, sagt er und ist zuversichtlich, dass auch bis zum Umzug alles klappt. Die offizielle Einweihung der neuen Gebäude ist laut Elke Wiltschko, bei Cherry Projektleiterin für den Neubau, für das Frühjahr 2020 vorgesehen.

Cherry begann 1973 mit der Herstellung von Computer-Tastaturen und gilt heute als der weltweit älteste Hersteller in diesem Bereich. Das Unternehmen hat derzeit rund 400 Beschäftigte, davon etwa 270 am Standort Auerbach. Der Rest verteilt sich auf Tochtergesellschaften in China, Hongkong, Taiwan, Frankreich und den USA.

Viele der Auerbacher Cherry-Mitarbeiter konnten das Richtfest im Januar 2019 vor Ort miterleben. Die Firma hatte dafür eigens Busse zur Verfügung gestellt. Laut Cherry-Geschäftsführer Rolf Unterberger hatte sich die Belegschaft den neuen Standort in der Nähe des alten gewünscht.

Das erste Gebäude, das Cherry ab Mitte der 70er Jahre in Auerbach selbst gebaut hatte.
Die Cherry-Geschichte:

Die Firma Cherry hat deutsche Wurzeln. Oder zumindest trifft das für ihren Gründer Walter Cherry (1917-1996) zu. Seine Vorfahren hatten nach der Übersiedlung in die USA ihren Namen von Kirsch in Cherry geändert. Und zwei Kirschen (es waren auch schon mal drei) bilden das Firmenlogo.

Das Unternehmen entstand 1953 als Cherry Corporation. Es produzierte die ersten Mikroschalter im Keller eines Restaurants des Highland Parks in Illinois.

1963 entstand mit der Cherry Mikroschalter GmbH eine deutsche Tochtergesellschaft. Sie bezog 1969 neu erbaute Geschäftsräume in Bayreuth. Die deutsche Cherry-Historie verzeichnet für 1970 die Gründung einer Zweigniederlassung in Neustadt/Waldnaab und für 1973 die Übernahme des Grünhof-Schulhauses in Auerbach, wo die ersten Schalter montiert wurden.

Im Jahr darauf kaufte das Unternehmen eine große Fläche im Industriegebiet Lohe, um dort ein modernes Firmengebäude zu errichten. 1977 wurde die Neustädter Produktion nach Auerbach verlagert. Hier und in Bayreuth hatte Cherry jetzt 230 Beschäftigte. Als 1979 der Standort Auerbach vergrößert und Zentrale der Cherry GmbH (seit 1978 eine Aktiengesellschaft) wurde, zählte das Unternehmen 430 Beschäftigte. 1985 waren es über 1000. 1989 wurde der Standort Auerbach um mehrere Gebäude vergrößert. 1993 nahm Cherry auch im tschechischen Ostrau die Produktion auf. 1995 wurden die beiden früheren Werke in Bayreuth im dortigen Ortsteil Wolfsbach in einem neu errichteten Gebäude vereint.

2005 erhielt Cherry in Deutschland im Industriewettbewerb Industrial Excellence Award den „Beste Fabrik Award“.

Peter Cherry, der Sohn des Gründers, verkaufte 2008 seine Firmenanteile an den Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG. Dieser änderte den Namen von Cherry in ZF Electronics GmbH. 2016 wurde der ehemalige Teilbereich Computereingabegeräte vom übrigen Geschäft getrennt, als Cherry GmbH ausgegründet und von ZF an die Beteiligungsgesellschaft GENUI GmbH aus Hamburg verkauft. Seitdem ist der Firmenname Cherry wieder auf dem Markt. (ll)

Der Auerbacher Cherry-Standort im Luftbild. Die Aufnahme entstand um 1975.
Dieses Bild kann genau datiert werden: Das Richtfest für den Bauabschnitt 4 war am 22. November 1985.
So sah die erweiterte Auerbacher Cherry-Niederlassung etwa im Jahr 1987 aus.
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