29.11.2018 - 08:51 Uhr
AuerbachOberpfalz

Hitze lässt die Bienen kalt

Mit einer durchschnittlichen Blütenhonigernte in diesem Jahr hatten die Imker eigentlich gar nicht gerechnet. Der anhaltend heiße Sommer ließ bei ihnen keine große Hoffnung auf Ertrag aufkommen. Doch die Bienen trotzten den Graden.

Hier ist der Honig in den Waben schon gut sichtbar. Für die Auerbacher Imker ist das Bienenjahr trotz Hitze kein kompletter Reinfall gewesen.
von Autor CSProfil

Die Befürchtung der Imker, dass es heuer „den Bach hinunter geht“, hat sich wider Erwarten glücklicherweise nicht bestätigt, so konnte der Vorsitzende des Imkervereins, Rudi Schatz, bei der Herbstversammlung als Bilanz ziehen. "Die Bienen überstanden die Wetterkapriolen im vergangenen Bienenjahr relativ gut. So war es im Januar viel zu warm, im Februar kam der Kälteeinbruch, die Bienen konnten kaum mehr brüten. Im April mussten sie sich auf Sommer einstellen, der dann viel zu trocken und zu heiß ausfiel."

Erstmals konnte Schatz zufolge reiner und sehr geschmackvoller Lindenhonig eingefahren werden, Waldhonig dagegen kaum. Erschwerend wirkte sich die Hitze für die Imker bei der Varroabehandlung aus. Offen ist, ob der in diesem Jahr etwas geringere Varroadruck mit den tropischen Graden in Zusammenhang gebracht werden kann. Wieder viel zu warm zeigte sich auch der Herbst mit der Auswirkung einer sehr langen Brutzeit. „Dass die Bienen den Winter gut überstehen, ist jetzt unsere Hoffnung“, womit der Vorsitzende allen Mitgliedern aus der Imkerseele sprach.

Gut angenommen wurde der erstmals anberaumte Imkerfrühschoppen im April im Bienenhaus mit dem Hintergrund, das Vereinsleben zu aktivieren. Eine Wiederholung im kommenden Frühjahr ist angedacht. Den Imkerfamilien Trenz und Sier galt der Dank für ihr Engagement, um schon die Kleinsten für die Imkerei zu interessieren. Sie hatten den Fatima-Kindergarten zu Gast und stießen mit ihrer kindgerechten Einführung in die Bienenhaltung auf große Begeisterung ihrer jungen Zuhörer.

Mehr Zuspruch durch die Mitglieder an den Veranstaltungen und Schulungen des Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg war ein Anliegen des Vorsitzenden, der auch über die gelungene Tagesfahrt in den Raum Veitshöchheim mit Besuch bei einer Imkerin berichtete. Sowohl bei der 125-Jahrfeier des Imkervereins Königstein als auch bei der 40-Jahrfeier des Stadtverbandes Auerbach war eine Abordnung vertreten. Viele gute Tipps durch den Referenten konnten die Teilnehmer am Kreisimkertag in Sulzbach-Rosenberg mit nach Hause nehmen.

Auf mehr Lebensräume für Insekten lasse das Projekt „der Wald blüht auf“ des bayerischen Staatsforstes hoffen, begrüßte Schatz dieses Umdenken. Rund 180 Hektar sollen in den Staatswäldern dafür zur Verfügung gestellt werden. Von Vorteil für die Imker sei der Trend zu immer mehr Bio-Landwirtschaft. Mit einem „Gottseidank“ kommentierte der Vorsitzende die Absicht der Politik, Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat vom Markt zu nehmen. Außerdem erinnerte Schatz in Verbindung mit der Behandlung der Bienen mit Oxalsäure an das Bestandbuch, das zu führen ist. Die Imker müssten mit Kontrollen durch das Veterinäramt rechnen.

Vertreten ist der Verein beim Adventsmarkt des Stadtverbandes am Samstag, 1. Dezember, und auf der Bergwerksweihnacht auf Maffei am Wochenende, 8./9. September. Für beide Termine sind Helfer gefragt, auch Honigspenden aus dem Kreis der Erzeuger werden gerne angenommen.

Mit großem Interesse wurde der Vortrag „Bienenwachs – große Nachfrage – hoher Preis“ von Bienenfachwart und Fachbereichsleiter für die Nachwuchsarbeit im Landesverband in Bayern Alexander Titz aufgenommen. Bienenwachs sei demnach als wertvoller Rohstoff für Bienen und Menschen bisher total unterschätzt worden. Deutschland kann seinen Bedarf nicht abdecken, über 2000 Tonnen müssen jährlich importiert werden. Die beiden großen Abnehmer sind die Pharma- und die Kosmetikindustrie. Die Bienen selbst errichten damit ihren Wohnsitz. Pro 100 Kilogramm geernteten Honig fallen lediglich 1 bis 1,5 Kilogramm Wachs an. Um ein Kilogramm Wachs zu produzieren, sind 1,5 bis 6 Kilogramm Honig erforderlich. Nicht nur Wachskosten lassen sich durch einen offenen Wachskreislauf umgehen, Experten empfehlen inzwischen noch stärker den Aufbau des eigenen Wachskreislaufs auch als bestes Mittel gegen die Gefahren, die aus zugekauftem Bienenwachs drohen. Allerdings werde der noch nicht von allen Imkern praktiziert.

Viele scheuen laut Titz die damit verbundene zeitaufwendige Arbeit, den Schmutz, die Energie und letztlich das Geld. Aufgrund der zunehmenden Verunreinigungen durch Paraffin und Stearin, („Fälschen lohnt sich“, so der Referent) werden die Forderungen nach einem „gesetzlichen Standard“ für Bienenwachs immer lauter. Der Wachsskandal im Jahr 2016 sei noch nicht beendet. Im Kreisgebiet waren bislang keine Fälle zu beklagen. Als größter Importeur für Deutschland gilt China, weitere einführende Länder sind Zentralafrika, Australien und Neuseeland. Beim Kauf von Mittelwänden, so der Rat des Bienenfachwartes, sollten Imker das Zertifikat anfordern. Hundertprozentige Sicherheit sei zwar nie zu erreichen, dennoch gewähre es eine höhere Qualität. An Neuimker erging die Empfehlung dort einzukaufen, wo ihre Kollegen bereits gute Erfahrungen gemacht haben

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