24.05.2019 - 14:35 Uhr
AuerbachOberpfalz

Schulden, die man gerne hat

Bürgermeister Joachim Neuß hatte seine Notizen zum Haushalt zu Hause liegen gelassen. Doch die wichtigsten Zahlen hatte er im Kopf und auch eine nette Wendung: "Ich freue mich, dass diese Neuverschuldung notwendig und möglich geworden ist."

Die Bagger haben im Gewerbegebiet Saaß schon vor einigen Wochen losgelegt. Insgesamt investiert die Stadt im Jahr 2019 hier 3,6 Millionen Euro für die Erschließung.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Stadt steckt nämlich 2019 viel Geld (3,6 Millionen Euro) in die Erschließung des Industriegebiets Saaß. "Diese Investition müssen wir fremdfinanzieren", machte Neuß deutlich. Eine Investition in der Größenordnung von einem Siebtel des Haushalts könne auch kein Unternehmen aus eigener Tasche aufbringen. Insgesamt beläuft sich die Kreditaufnahme heuer auf knapp 4,1 Millionen Euro.

Wie gut Geld im Industriegebiet Saaß angelegt sei, habe man gesehen, als man die Firma Cherry genau in dem Moment mit einer Gewerbefläche habe bedienen können, "als der Bedarf bestand". Diese lohnende Investition sahen auch die Sprecher der Fraktionen: Das Geld komme ja durch die Gewerbesteuer langfristig wieder zurück. Für Neuß stand deshalb fest: "Wir verabschieden hier eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft unserer Stadt. Damit schalten wir den Turbo ein."

Der scheint auch die Auerbacher Steuerkraft-Zahl angetrieben zu haben, die sich laut Neuß in den vergangenen zehn Jahren von 352 auf 992 annähernd verdreifachte. Darin spiegelt sich zum einen die positive wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wider, zum anderen bedeutet es, dass sie einen immer größeren Brocken als Kreisumlage zahlen muss (heuer 4,4 Millionen Euro) und dass die Schlüsselzuweisungen sinken (1,3 Millionen Euro).

Auerbach sei mit dieser Steuerzahl inzwischen auf Platz 2 im Landkreis Amberg-Sulzbach und auf Platz 38 in der Oberpfalz, ergänzte Edmund Goß (SPD). Er lobte im Haushalt den Abschluss der Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Gunzendorf und Penzenreuth sowie die Fortsetzung der Friedhofssanierung. Leider müssten einzelne Projekte auch verschoben werden, etwa der Dorfplatz in Zogenreuth. Insgesamt sah Goß einen "Haushalt mit Augenmaß und Vernunft". Einen Kritikpunkt hatte Herbert Appl (CSU) anzubringen: Für die Sanierung der Grundschule hätte seiner Meinung nach zumindest ein Betrag für die Planungskosten in den Haushalt gestellt werden sollen. Holger Eckert (FW) fasste seine Berechnungen zur Verschuldung su zusammen: Wenn man jetzt einen Zinssatz unter dem Inflationsniveau bekomme, entschulde man sich über die Zeit. Hans Kaiser (CUU) lobte das gute Gewerbesteuerergebnis. Hier erklärte Neuß die Summe von 4,3 Millionen Euro damit, dass "wir zu hohe Vorauszahlungen zurückzahlen müssen". Wenn man das rausrechne, sei man wieder auf dem gewohnten Niveau.

Bernd Scheller (Grüne) gefiel an der aktuellen Verschuldung, dass sie viel schneller abgebaut werde als im Jahr 2009, als man auch schon einmal einen Gesamtschuldenstand von 18 Millionen Euro erreicht hatte. Der Haushalt 2019 wurde einstimmig angenommen.

Haushalt der Stadt Auerbach 2019:

(soweit nicht anders angegeben alle Angaben in Millionen Euro)

Gesamthaushalt 28,16

Verschuldung 18,1

pro Kopf: 2054 Euro

Verwaltungshaushalt 20,06

Einnahmen

Gewerbesteuer 4,30

Einkommensteuerbet. 5,10

Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer 0,80

Schlüsselzuweisung 1,35

Ausgaben

Personalausgaben 4,85

Sachaufwandskosten 5,80

Kreisumlage 4,41

Zinsen 0,65

Vermögenshaushalt 8,10

Einnahmen

Zuführung 2,06

Kreditaufnahmen 4,10

Investitionszuschüsse 1,26

Ausgaben

Erschließung GWG Saaß 1,80

GV-Straße Saaß 0,32

Kanalisation GWG Saaß 0,92

Rückhaltebecken Saaß 0,65

Generalsanierung Rathaus 0,65

Sanierung Friedhof 0,35

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