23.05.2019 - 20:31 Uhr
AuerbachOberpfalz

Stadtrat gibt grünes Licht für Waldkindergarten bei der Hohen Tanne

Die große Besuchermenge in der Stadtratssitzung am Mittwoch hatte wohl weniger mit dem jüngst prachtvoll restaurierten Rathaussaal zu tun und mehr mit den behandelten Themen. So galt das Interesse vieler Zuhörer dem Waldkindergarten.

Im Waldkindergarten Weiden kann man sehen, dass Kinder auch im Winter nicht davor zurückschrecken, lange im Freien zu spielen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Idee zu dieser Einrichtung entstand einst unter Privatleuten, die über eine Umnutzung des Nitzlbucher Schützenheims nachdachten, erläuterte Bürgermeister Joachim Neuß. „Das war aber nicht darstellbar.“ Doch für die Stadt entstand dadurch der Kontakt mit der „Learning Campus GmbH“ mit Sitz in Trabitz (Kreis Neustadt/WN), die in Eschenbach und Weiden schon Waldkindergärten betreibt.

Sie ist bereit, auch in Auerbach einen einzurichten, der dem von der Stadt festgestellten „weiter wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen“ entgegenkommt. Geschäftsführer Benjamin Zeitler erläuterte den Stadträten das Konzept eines Waldkindergartens, der - auch im Winter - einen fast ununterbrochenen Aufenthalt der Kinder im Freien vorsieht. "Sie sind dann gesundheitlich stabiler", nannte Zeitler als wichtigen Punkt.

Zudem wolle man im Wald Kreativität zulassen und den Kindern den Umgang mit Gefahren beibringen. Ein Gebäude braucht man für dieses Konzept nicht, aber einen mobilen Bauwagen, der das Zentrum des Geländes ist. Spielsachen werden ebenso wenig benötigt: "Das ist einfach die Natur."

Als Auerbacher Standorte waren laut Neuß auch Flächen bei der Magdalenenkapelle nahe Ranna und "Auf der Ruh" im Gespräch. Doch eine unfallträchtige Einfahrtssituation bzw. ein zu langer und enger Anfahrtsweg sprachen gegen sie.

Nicht direkt anfahrbar

Deshalb fiel die Wahl auf eine Lichtung im Bürgerwald hinter der Hohen Tanne. "Sie ist nicht direkt anfahrbar und soll es auch gar nicht sein", machte Zeitler klar. Die Eltern lieferten ihre Kinder ab 7 Uhr beim Parkplatz Hohe Tanne ab, dann marschiere man gemeinsam etwa 700 Meter bis zum Bauwagen. Die Abholung sei vorerst bis 14 Uhr möglich. "Wobei Abgabe und Abholung zu festen Zeiten erfolgen, das soll kein ständiges Kommen und Gehen sein", erklärte Zeitler. Selbst wenn man dafür neben den Kindern auch die Eltern erziehen müsse.

Der Bauwagen mit kleinem Vordach verfügt über eine Kompost-Toilette und ist mal zum Basteln oder Aufwärmen gedacht. "Aber normal sind die Kinder immer draußen", unterstrich Zeitler. Lediglich bei Unwetterwarnung suche man eine Notunterkunft auf. Dafür sei das Dorfzentrum Welluck vorgesehen.

Benjamin Zeitler, Geschäftsführer der „Learning Campus GmbH“, erläuterte das Konzept des Waldkindergartens im Auerbacher Stadtrat.

Start am 1. September

Damit der Waldkindergarten am 1. September loslegen kann, braucht der Bauwagen eine Baugenehmigung vom Landratsamt, zu der der Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen erteilte. Ebenso einstimmig übertrug er der Learning Campus GmbH die Trägerschaft. Wenn die Kindergarten-Betriebserlaubnis des Kreisjugendamtes vorliegt, können im Juli Anmeldungen angenommen werden. Zeitler möchte bei zwei Erziehern mit fünf bis sechs Kindern starten und das allmählich auf 20 ausbauen. "Erfahrungsgemäß dauert es ein bis zwei Jahre, bis wir voll belegt sind." Für die Finanzierung muss die Kommune einen Investitionszuschuss, einen Beitrag sowie einen Defizitausgleich leisten. Zudem sind Beiträge des Freistaats und der Eltern notwendig. Ein Defizit werde sich im ersten Jahr quasi zwangsläufig ergeben, meinte Zeitler, aber deutlich unterhalb von 50 000 Euro.

Im Wellucker Dorfzentrum müsse man eine neue Brandschutztür "für ein paar Hundert Euro" einbauen. Dass dort noch nicht mit allen das Gebäude nutzenden Vereinen gesprochen worden sei, monierte Herbert Appl (CSU). Außerdem habe er sich zu diesem Punkt eine "detailliertere Beschlussvorlage der Verwaltung" gewünscht. Er habe das Konzept in knapp vier Wochen erstellt, um den Start im September möglich zu machen, entgegnete Zeitler. Für gewöhnlich habe man wesentlich längere Vorlaufzeiten.

Schon Personal eingestellt

Personal zu gewinnen, sah der Geschäftsführer nicht als Problem: "Wir haben auf unsere Kosten schon jemand angestellt." Diese Kraft werde ab 1. Juli zwei Monate lang in den anderen Waldkindergärten von Learning Campus geschult. Beim verlangten Elternbeitrag orientiere man sich nicht an den weiteren Kindergärten in einer Kommune, "sondern an unseren Leistungen". Da sei eine Größenordnung von 100 bis 150 Euro durchaus möglich.

Die weiteren Wortmeldungen der Stadträte signalisierten volle Unterstützung für den Waldkindergarten, zumal er auch nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den vorhandenen Einrichtungen betrachtet wurde. "Das Interesse der Eltern ist da", hielt Edmund Goß (SPD) fest. Der Bedarf steige mit dem Angebot, meinte Bürgermeister Neuß. Das zeigten nicht zuletzt die Krippenplätze, von denen in Auerbach seit ihrer Einführung 2008 noch nie einer frei geblieben sei.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.