05.03.2021 - 13:20 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Comeback der klassischen Kuren? Das Sibyllenbad ist gerüstet

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Kuren in den Heilbädern sollen wieder zu Pflichtleistungen der Krankenkassen werden. Die Entscheidung darüber ist noch für diesen Sommer geplant. Davon würden auch Bad Neualbenreuth und das Sibyllenbad enorm profitieren.

Noch muss der Werkleiter des Sibyllenbads, Gerhard Geiger, auf die Becken ohne Gäste blicken. Wann es in Bad Neualbenreuth weiter geht, ist noch offen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Die Bundesregierung hat das Comeback der Kuren nach mehr als zwei Jahrzehnten des Bemühens von Heilbädern, Politikern und Medizinern bereits im Dezember beschlossen. Die Entscheidung gilt als Meilenstein: Bisher war es der individuellen, und bisweilen schwer nachvollziehbaren Entscheidung der Kassen überlassen, ob sie einem Kur-Antrag zustimmen oder ihn ablehnen. Jetzt ist erstmals ein konkreter Zeitplan bekannt geworden, wann Bundestag und Bundesrat den Entwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium beraten und ihn beschließen werden: Demnach könnte das Vorhaben bereits im Juni dieses Jahres in Kraft treten.

Holetschek guter Fürsprecher

"Noch ist aber einiges im Unklaren", sagt Sibyllenbads Werkleiter Gerhard Geiger. "Aber alleine die Ankündigung hat uns sehr gefreut." Im bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der jahrelang Präsident des Heilbäderverbandes war, sieht der Werkleiter einen guten Fürsprecher. "Er ist der richtige Mann, um das durchzusetzen", meint Geiger.

Wenn man bis 67 Jahre arbeiten soll, sei eine medizinische Leistung, wie die klassische Kur enorm wichtig, sagt der Werkleiter. Beim Start des Sibyllenbads im Jahr 1989 in Maiersreuth, und auch mit dem Neubau 1996, sei - unter anderem mit einem Kurpark - alles auf die Kuren ausgelegt gewesen. Aber unter Minister Horst Seehofer wurden bei der Gesundheitsreform 1996 die Kuren ein Auslaufmodell. Das Sibyllenbad wandelte sich und setzte danach auf Wellness. "Wir hatten in den vergangenen Jahren eine super tolle Dynamik und alles lief gut", sagt Geiger. "Wenn die klassischen Kuren wieder kommen, bringt das dem Sibyllenbad einen zusätzlichen Aufschwung. Wir sind gerüstet und haben mit den Radon- und Kohlensäurebädern ein Alleinstellungsmerkmal."

"Wenn die klassischen Kuren wieder kommen, bringt das dem Sibyllenbad einen zusätzlichen Aufschwung."

Gerhard Geiger, Werkleiter Sibyllenbad

Verschreibung durch Hausarzt

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnten sich die Patienten wieder von ihrem Hausarzt eine Kur verschreiben lassen und sich einen Kurort aussuchen. Das Sibyllenbad ist darauf vorbereitet. "Wir bieten telefonische Sprechstunden an für Patienten, die weiter weg wohnen. Mit dem Arzt werden Leiden und sonstige Sachen durchgegangen und die Leute erhalten noch vor der Anreise einen Therapieplan", erklärt der Werkleiter.

Auch bei der Unterbringung der Besucher sei Bad Neualbenreuth gut aufgestellt. "Wir haben 900 Gästebetten und hatten in Spitzenzeiten bis zu 100 000 Übernachtungen pro Jahr", sagt Geiger. "Wichtig ist auch, ob die Kuren als zusätzlicher Urlaub gelten. Wenn das so wäre, würden sicher noch mehr das Angebot annehmen und das käme uns zugute.

"Alle Kurorte in Bayern bezeichnen die geplante Maßnahme als einen Lichtblick in der Corona-Pandemie", sagte kürzlich Alois Brundobler, der Vorsitzende aller 47 bayerischen Heil- und Kurbäder. Die "Wiedereinführung der ambulanten und der stationären Badekur nach §23/2 und 4 SGB V", wie es im Juristendeutsch heißt, ist Teil des sogenannten Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes. Der Gesetzentwurf, der Kassenkuren künftig wieder zur Pflichtleistung macht, könnte den 47 durch die Coronakrise gebeutelten Kurorten in Bayern zusätzliche Millionenumsätze bescheren.

"Ich gehe nach heutigem Stand davon aus, dass die neue Zuschussregelung für Kuren und ambulante Vorsorgemaßnahmen bereits in der zweiten Jahreshälfte wirksam wird - rechtzeitig, wenn laut Prognosen der Bundesregierung alle, die es möchten, eine Corona-Impfung erhalten haben", sagte Rudolf Weinberger, Geschäftsführer des Bayerischen Heilbäder-Verbands schon vor einigen Wochen im Interview.

Warten auf Entscheidung

Bayerns und Deutschlands Kurorte warten sehnsüchtig auf diese Entscheidung: Als die ambulanten Vorsorgekuren noch Pflichtleistungen waren profitierten davon Mitte der 1990er jedes Jahr rund 900.000 Bundesbürger. 2019 waren es nur noch rund knapp 32.000 - ein Rückgang von über 95 Prozent.

Unterstützung finden die Pläne für das Comeback der Kur auch in der Wirtschaft: So fordert beispielsweise der Wirtschaftsrat Bayerns als Unternehmerverband mit rund 1800 Mitgliedsbetrieben aktuell, Deutschland müsse wieder verstärkt auf die Vorsorge Wert legen und weg vom Reparatur-Betrieb hin zur Prävention kommen. "Für die Zukunft müssen wir im Rahmen eines Pandemie-Konzepts auch die Prävention fördern", heißt es wörtlich in einem aktuellen Strategiepapier der Vereinigung, das eine stärkere Einbindung der Kurorte fordert.

Im Sibyllenbad herrscht corona-bedingt derzeit Stillstand. "Wir haben seit 1. November nur die medizinische Abteilung offen. Vier bis fünf Therapeuten arbeiten täglich einen halben Tag", sagt Geiger. In den Becken sei Wasser, so dass man sofort wieder starten könnte. Das alles in Standby zu halten, sei ein erheblicher Aufwand.

Hoffen auf Schnelltests

Der Werkleiter ist auch für die nächsten Wochen nicht gerade optimistisch, was eine Wiedereröffnung angeht: "Bei den hohen Inzidenzwerten im Landkreis Tirschenreuth ist es eine unsichere Sache, wann es weitergeht." Schnelltests könnten die Situation verbessern. "Wir testen die Leute vor dem Einlass und wenn nach 15 Minuten ein negatives Ergebnis vorliegt, ist alles gut." Das wäre für Geiger eine Option, um zumindest wieder etwas zur Normalität zurückzukehren.

Seit November herrscht Stillstand im Sibyllenbad

Bad Neualbenreuth

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