Bad Neualbenreuth
26.06.2026 - 10:32 Uhr
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Fußball, American Football, Deutscher Meister im Golf: Marian Ludwigs Weg vom Rasen auf das Golfgrün

Bolzplatzrasen oder makelloses Golfgrün? Der Wahl-Windischeschenbacher Marian Ludwig kennt beides. Talent hatte er für viele Sportarten. Über seine sportlichen Abwege und welche Rolle bei seinen Erfolgen der Kopf spielt.

Fußball, American Football, Golf. Für viele passt das auf den ersten Blick nicht zusammen. Zwei harte, körperliche und anstrengende Sportarten – und eben Golf. „Golf ist schon Sport“, sagt Marian Ludwig. Einer, der es wissen muss. Denn er brachte in allen drei Sportarten beachtliche Leistungen. Ludwig – gebürtig aus Schönwald bei Selb – lebt heute mit seiner Freundin in Windischeschenbach. Er arbeitet Vollzeit – mit Vier-Tage-Woche – als Data Engineer bei einem Unternehmen aus der Nähe von Hof. Nebenbei spielt er erfolgreich Golf. Sein Weg dorthin war keinesfalls geradlinig – aber nicht im negativen Sinn.

Dabei begann seine sportliche Karriere – für deutsche Verhältnisse – ganz gewöhnlich mit Fußball. Bei Spielen und Turnieren seines Heimatvereins, dem FC Schönwald, wurde Ludwig entdeckt. Es folgte der Schritt zum damaligen DFB-Stützpunkt Sparneck bei Hof, wo er ein- bis zweimal wöchentlich zusätzlich trainierte. Mit 13 Jahren tauschte er den Fußball dann mit dem Golfschläger. „Ich war nicht der größte Trickser oder Techniker, aber die Aufgabe konnte ich halt ganz gut erledigen. Und die Aufgabe war halt, beim Fußball Tore zu schießen und beim Golf wenig Schläge zu machen“, erklärt Ludwig.

Anpassungszeit

So gewöhnlich seine Sportkarriere begann, so außergewöhnlich war zu der Zeit sein Leben abseits des Sports. Im Vorschulalter wurde eine Hochbegabung bei ihm festgestellt. Er multiplizierte damals schon – „weil es mir Spaß gemacht hat“, wie er sagt – zweistellige Zahlen im Kopf. Die zweite Klasse übersprang er und sollte eigentlich in eine Hochbegabtenförderung eingegliedert werden. „Meine Mama hat einen sehr guten Job gemacht, dass das nicht passiert ist und ich normal aufgewachsen bin. Da bin ich ihr sehr dankbar“, resümiert Ludwig. Eine sorgenfreie Kindheit hatte er trotzdem nicht. „Ich wurde als Kind viel gelobt. Erst in der fünften Klasse habe ich gemerkt, dass nicht immer alle gut finden, was ich mache“, schildert der Schönwalder. In der Schule benötigte er Anpassungszeit und zog sich zunächst zurück.

Im Sport fiel dem heute 34-Jährigen die Anpassung an andere Sportarten leichter. Bei einem Schnupperkurs mit zwölf Jahren beim Golfclub (GC) Stiftland lernte er seinen späteren Mentor Matthew Gatrall kennen. Der Engländer arbeitete zu der Zeit als Golftrainer beim GC Stiftland. Ludwig blickt zurück: „Matthew hat gleich gesagt, dass ich unbedingt mit Golf anfangen soll, weil ich großes Talent habe.“

Auf sportlichen Abwegen

Unter Gatralls Anleitung hatte er sein Handicap nach kurzer Zeit bereits auf eins gesenkt. Das bedeutet, dass er einen Golfkurs nahezu mit der perfekten Spielvorgabe (Par) absolvieren kann. Doch er geriet auf sportliche Abwege „aufgrund von Leistungsdefiziten im Golf“, wie er berichtet. „Ich hatte jetzt nicht unbedingt die finanziellen Mittel und auch die geografische Lage, um in irgendwelche Kader reinzukommen“, ergänzt Ludwig. Mit 18 habe er in Hof das Studieren angefangen und eine Weile ohne Trainer gespielt. „Und dann war mein Spiel richtig wild und frustrierend“, reflektiert er.

Seine – wohlgemerkt sehr erfolgreichen – sportlichen Abwege führten den damaligen Studenten zu Disc-Golf (golfähnliche Trendsportart, bei der mit Frisbees auf Körbe geworfen wird, Anm. d. Red.) und zum American Football. Im Disc-Golf gehörte der Schönwalder zeitweise zu den 50 besten Spielern der Welt. Zu seinen Erfolgen zählt laut Professional Disc Golf Association die zweimalige Deutsche Vizemeisterschaft, ein Auftritt bei der EM in Finnland und der Sieg der Berlin Open.

Mit dem Football erfüllte er sich hingegen eher einen Traum. „Ich habe mit dem Football angefangen und gedacht, ich würde nie in einem Spiel zum Einsatz kommen, sondern nur mittrainieren. Die grundlegende Taktik habe ich mir in einem Winter mit Madden (Football-Simulator für Spielekonsolen, Anm. d. Red.) selbst beigebracht“, erinnert sich Ludwig grinsend. Vorsichtshalber habe er sich als dritter Ersatz-Quarterback (der Ballverteiler im Football, Anm. d. Red.) auch alle Spielzüge seines Teams eingeprägt. In einem Spiel, das ohnehin nicht gut lief, habe sich der Stamm-Quarterback seines Teams beim Stand von 0:10 verletzt. Der etatmäßige Ersatz-Quarterback sei ausgewechselt worden, und Ludwigs Zeit war gekommen. Der Schönwalder warf einen Touchdown – schließlich drehte sein Team das Spiel. In Videos kann die Aufholjagd verfolgt werden.

Mentale Leistungsfähigkeit

Sein Erfolg in verschiedenen Sportarten sagt – vor dem Hintergrund seiner Hochbegabung – viel über seine mentale Leistungsfähigkeit aus. Ludwig wolle im Kopf immer einen Schritt voraus sein. Er sei analytisch veranlagt, denke pragmatisch und effizient und versuche, keine Fehler zu machen. Der 34-Jährige erklärt: „Im Golf geht es nicht darum, wer die meisten guten Schläge macht, sondern darum, wer die wenigsten schlechten Schläge macht.“ Druck beeinflusse ihn nicht negativ. Es sei eine „Ehre“ für ihn, in einer Drucksituation zu sein. Ludwig meint: „Mir hat Golf unfassbar geholfen, mit Druck und Nervosität generell umzugehen.“

Seine sportlichen Abwege bedauere der heute 34-Jährige nicht, denn da habe er ja anderen Sport gemacht und wichtige Erfahrungen gesammelt. Im Frühling 2018 überkam ihn eine Sehnsucht nach Golf. Fünf Jahre lang hatte er keinen Golfschläger mehr in der Hand gehabt. Eigentlich habe er nur beschlossen, ein paar Bälle zu schlagen. Stattdessen kehrte er zu seinem Mentor Gatrall am GC Stiftland zurück und stellte eineinhalb Jahre lang seinen Golfschwung um.

Auf einem Pokal mit Kaymer

Und wie der Golfball nach seiner Schwungumstellung auf den Fairways einschlug, so schlug auch Ludwig in der Amateurszene ein. „Damals hat mich noch keiner gekannt, und alle haben sich gefragt: ‚Wer ist das?‘ Das war schon witzig“, schmunzelt der Wahl-Windischeschenbacher. Heute zeigt ein Blick in die Siegerlisten des Deutschen Golf- und des Europäischen Golf-Verbands Ludwigs Namen mehrmals. 2023 gewann er die Deutsche Amateurmeisterschaft der Über-30-Jährigen und wurde geteilter Dritter bei der Europameisterschaft der Über-25-Jährigen. Ein Jahr später ergolfte er seinen bis dato größten Erfolg: den Sieg der gesamtdeutschen Meisterschaft der Amateure. „Da steht mein Name schon mit der einen oder anderen Größe auf dem Pokal, Martin Kaymer zum Beispiel. So gut wie er werde ich wahrscheinlich nicht mehr, aber ich stehe mit ihm auf dem Pokal“, lacht der Deutsche Meister.

Inzwischen hat Ludwig mit seinem einstigen Traum, hauptberuflich Golfer zu werden, abgeschlossen. Mit seinem GC, den Habsbergern, kämpft er gerade um den Einzug ins Finale der Bundesliga. „Mein Leben gefällt mir wunderbar so, wie es jetzt ist. Das müsste ich halt komplett alles aufgeben, um Profi zu werden. Das ist es mir nicht wert“, betont er. Sein größter Traum ist es heute, seine Leidenschaft an seine Familie weiterzugeben: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit 60 – hoffentlich fängt meine Freundin bis dahin auch mal an, oder vielleicht gibt es irgendwann ja Kinder – Zeit am Golfplatz zu verbringen.“ Dass Ludwig sich bis dahin auf weitere sportliche Abwege begibt, hält er nicht für ausgeschlossen. „Nochmal Skispringen wäre witzig. Das habe ich auch schon mal gemacht“, witzelt der Multisportler.

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