03.09.2020 - 16:43 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Kein Kartoffelfest in Bad Neualbenreuth, Weihnachtsmarkt in der Schwebe

In Bad Neualbenreuth wird es heuer kein Kartoffelfest geben - und auch für den Weihnachtsmarkt sieht es nicht gut aus. Die Folgen der Corona-Pandemie waren das zentrale Thema bei einem Treffen des Fremdenverkehrsvereins.

Böllerschützen des Schützenvereins Ringelstein Ottengrün eröffneten 2019 mit vier Schüssen die 17. Auflage des Kartoffelfestes in Bad Neualbenreuth. In diesem Jahr muss die beliebte Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie ausfallen.
von Autor ENZProfil

Im Gasthaus "Zum Tillenblick" hieß Vorsitzender Alfons Schnurrer die Mitglieder nach längerer Zeit willkommen. "Unser Leben wurde in wenigen Tagen auf eine Weise verändert, wie es sich keiner auch nur vorstellen konnte", betonte Schnurrer mit Blick auf die Hochphase der Corona-Pandemie im Frühjahr, darunter die Schließung von Gaststätten, das Beherbergungsverbot und Ausgangsbeschränkungen. Es war wie ein schlechter Traum", so Schnurrer.

Bis zu 200 Teilnehmer erlaubt

Zur Zeit gehe es langsam wieder aufwärts, viele Bade- und Wellness-Gäste blieben aber nach wie vor aus. Zu befürchten sei, dass dies noch länger so bleiben werde. "Beim gegenwärtigem Stand ist es nicht möglich, irgendetwas zu planen", bedauerte Schnurrer. Das Kartoffelfest habe man bereits abgesagt, da keine Großveranstaltungen möglich sind. Weil aber der Kartoffelacker angelegt sei, wäre eine Ernte mit bis zu 200 Teilnehmern und dem Angebot von Bratwürsten und Grillfleisch denkbar. Dazu müssten nach Auskunft des Gesundheitsamtes eine Ausnahmegenehmigung beantragt und ein Hygiene-Konzept erstellt werden. Noch in der Schwebe sei der Weihnachtsmarkt - man habe hier noch keine vertretbare Lösung für ein Alternativkonzept finden können.

So lief das Kartoffelfest 2019

Bad Neualbenreuth

Im Rückblick bemerkte Alfons Schnurrer, dass das Kartoffelfest 2019 wegen des kühlen Wetters merklich weniger Gäste besucht hätten. Vor allem beim Getränkeverkauf habe es einen gewaltigen Einbruch gegeben. Als Renner habe sich wieder die Laternenwanderung erwiesen. Weiter stellte Schnurrer den Erfolg der Gästeehrungen heraus und würdigte die Zusammenarbeit mit dem Schützenverein und dem Musikverein beim Fest der Blasmusik. Das größte Werbeereignis war wieder eine Aktion auf dem Hauptmarkt in Nürnberg. Nach der Aufhebung einiger Restriktionen konnte heuer erneut ein Bloggertreffen stattfinden.

Kassiererin Brigitte Meyer bezifferte die Zahl der Mitglieder auf 97 Personen und berichtete auch über getätigte Anschaffungen, die von Messetischen bis zu Großküchenteilen und gebrauchten Küchengeräten reichen. Bürgermeister Klaus Meyer bemerkte, dass er die Worte Corona und "Pandemie" nicht mehr hören könne. "Aber wir müssen wohl noch länger damit leben." Man sei so guten Mutes nach der Verleihung des Heilbädertitels gewesen, der Anerkennung für jahrelange Arbeit sei. Dies sei ein krönender Abschluss des Jahres 2019 gewesen. Am 13. November, dem Jahrestag der Verleihung, soll im Tillensaal ein Empfang stattfinden.

Naturnahe Ausrichtung

Hauptattraktion werde auch weiterhin das Sibyllenbad bleiben. Aber Bad Neualbenreuth hebe sich laut Meyer von anderen Bädern durch seine naturnahe Ausrichtung ab. Diesen Weg werde man weitergehen und entsprechend investieren - auch wenn es coronabedingt einen tiefen Einschnitt gegeben habe. Ein Beispiel sei das Thema Wald. Meyer verwies auf das naturtouristische Gesamtkonzept mit neuen Beschilderungen und neuen Attraktionen geben. Im Ort sollen Ruheinseln entstehen, etwa auf dem Raiffeisen-Areal und in der Turmstraße. Meyer erwähnte auch Erneuerungsmaßnahmen am Grenzlandturm und eine neue E-Bike-Ladesäule bei der Gäste-Information.

Kritik am Finanzamt

Bürgermeister Klaus Meyer sprach auch Steuernachzahlungen an, die der Fremdenverkehrsverein habe leisten müssen. Er kritisierte, dass das Finanzamt Hochrechnungen vorgenommen habe, die mit der Realität nichts zu tun hätten. Vor allem verwahrte er sich gegen die Behauptung, dass mehr Umsätze als verbucht generiert worden seien. Meyer betonte, dass der Verein die größte Wirtschaftskraft in der Gemeinde sei. Das Plus der Region sei der gute Kontakt zwischen Gästen und Vermietern. Diese müsse man unbedingt beibehalten.

Sibyllenbad-Werkleiter Gerhard Geiger bezeichnete 2019 als gutes Jahr, zu dem alle gemeinsam beigetragen hätten. Aber auch jetzt gehe das Leben weiter. Es sei richtig gewesen, das Sibyllenbad wegen der Pandemie frühzeitig zu schließen. Durch das komplexe Hygienekonzept habe man schrittweise wieder öffnen können. Seit 1. September gibt es wieder Tageskarten mit Reservierungsmöglichkeit für maximal 150 Gäste. Künftig wolle man das Thema Medizin noch stärker in den Fokus rücken. Im Hinblick auf 2021 gebe es viele Unsicherheiten in Bezug auf das Angebot, so dass man noch keine neuen Angebotskataloge habe erstellen können. Im Internet seien aber die aktuellen Angebote abrufbar. Kein Trost sei es laut Geiger, dass es anderen Kurbädern auch so ergehe. Geiger schloss mit der Feststellung, dass Sicherheit und Bürgerschutz Priorität haben müssten und man trotz allem optimistisch bleiben sollte.

Weitere Zielgruppen erschließen

Ursula Stingl, Leiterin der Gäste-Information legte die Gästezahlen vor (siehe Infobox) und berichtete über personelle Veränderungen. Eine Mitarbeiterin sei im Mutterschutz und man versuche, die Zeit bis zur Rückkehr zu überbrücken. Deshalb behalte man die etwas verkürzten Öffnungszeiten bei. Der Lockdown habe gezeigt, dass es von enormer Wichtigkeit sei, zusätzliche Zielgruppen zu erschließen. Das Naturtouristische Gesamtkonzept rund um das Wandern und um Naturerlebnisse soll dies möglich machen. Es sei auch geplant, dass sich Therapeuten des Sibyllenbades zu Waldtherapeuten fortbilden. Zu den Themen Wald, Gesundheit und Natur gehöre natürlich auch die Burnout-Vorbeugung, so Stingl. Die Burnout-Prophylaxe sei ein wichtiges zusätzliches Standbein. Das Burnout-Netzwerk veranstaltet am Samstag, 12. September, im Tillensaal wieder einen Gesundheitstag.

Großes Interesse finde der E-Bike-Verleih. 2019 wurden über 4000 Euro an Umsatz generiert. Seit im Juni wieder Urlauber kommen dürfen, verzeichnete man zunehmend jüngere, sportliche und naturverbundene, aber auch anspruchsvollere Gäste. Dem werde zukünftig Rechnung getragen werden müssen. Als erstes sei eine Neugestaltung des Logos und vor allem des Internetauftritts geplant.

So lief das Kartoffelfest in Neualbenreuth im vergangenen Jahr

Bad Neualbenreuth
Der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, Alfons Schnurrer, legte seinen Jahresbericht für 2019 vor.
Bürgermeister Klaus Meyer betonte in seinem Grußwort, dass der Fremdenverkehrsverein die größte Wirtschaftskraft in die Gemeinde bringe.
Auch die Leiterin der Gäste-Information, Ursula Stingl, berichtete über die Arbeit im Jahr 2019.
Im Blickpunkt:

Namensänderung: Künftig "Tourismusverein"

Anita und Meinhard Köstler hatten den Vorschlag eingebracht, den Namen des Fremdenverkehrsvereins Neualbenreuth-Sibyllenbad zu ändern. Weil wegen des Bäderstatus ohnehin eine Neuausrichtung erfolgen müsse, regten sie an, gleich noch einen Schritt weiterzugehen und den Namen "Tourismusverein Bad Neualbenreuth-Sibyllenbad e.V." zu wählen. Leidenschaftlich plädierte Meinhard Köstler dafür, das nicht mehr zeitgemäße Wort "Fremdenverkehr" zu ersetzen. Man habe heutzutage Gäste und keine Fremden mehr. In der Diskussion sprach sich Franz Becker für die Beibehaltung des alten Namens aus, weil er befürchte, dass die Gäste zu viele Erwartungen haben könnten. Dazu meinte Bürgermeister Klaus Meyer, dass Gäste durch den Bädertitel sowieso schon höhere Erwartungen hätten als früher. In geheimer Wahl stimmten 57 von 64 Mitgliedern für die Abänderung in "Tourismusverein Bad Neualbenreuth-Sibyllenbad e.V.".

Kurz notiert:

Gästezahlen: Vor der Krise deutliches Plus

Ursula Stingl, Leiterin der Gäste-Information, berichtete im Rückblick auf das Jahr 2019 von einem sehr positiven Trend bei den Übernachtungszahlen. 107 091 Übernachtungen hätten ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber 2018 bedeutet. Die Zahl von 28 410 Ankünften lag 2,9 Prozent über dem Wert des Jahres 2018. Dieser Trend habe sich im Januar und Februar 2020 mit einem Plus von fast 20 Prozent fortgesetzt. Doch dann kam der Lockdown, so dass man Ende Juli ein Gesamt-Minus von rund 60 Prozent bei Übernachtungen und Ankünften habe verzeichnen müssen. Trauriger Höhepunkt sei ein Minus von 96 Prozent im Mai gewesen. Ohne tschechische Arbeitnehmer, die sich vor Ort eine Unterkunft suchten, hätte der Rückgang bei 100 Prozent gelegen.

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