04.08.2020 - 16:37 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

„Liwanzenpfanne“ in der Friedhofsmauer und ein teuflisches Symbol an der Kirchentür

Im Ferienprogramm in Bad Neualbenreuth gab es eine Besonderheit. Zum Termin in der Pfarrkirche durften die Kinder Fernglas und Isomatte mitbringen.

Pfarrer Parankimalil beobachtete aufmerksam das Geschehen, als die Kinder beim Ferienprogramm die Einzelheiten der Pfarrkirche mit den Ferngläsern erkundeten.
von Externer BeitragProfil

Zum Ferienprogramm waren in Absprache mit Pfarrer George Parankimalil vor allem die Grundschüler und Kommunionkinder "zu einer Beschäftigung besonderer Art mit ihrer Heimatkirche", wie es in der Pressemitteilung heißt, eingeladen.

Ausgerüstet mit Fernglas und Isomatte war die Gruppe von Anita Köstler am Friedhofstor empfangen worden. Dort wurden zunächst das Gotteshaus und die dazu gehörenden Gebäude erklärt – das Leichenhaus und die Lourdesgrotte. Den Kindern war aufgefallen, dass das Kreuz auf dem Turm „falsch herum“ angebracht ist. „Eigentlich schaut es richtig nach Osten, nur die Kirche in der heutigen Größe hatte auf dem 1730 verfügbaren egerischen Grundstück in der üblichen Ost-West-Richtung keinen Platz. Deshalb ist unser Gotteshaus in Nord-Süd-Richtung errichtet“, erklärte Anita Köstler.

Steine aus dem Vulkankrater

Die vordere Hälfte der Kirche stehe auf dem alten Friedhof seiner viel kleineren Vorgängerin. Die Grotte war 1907 mit dem Geld eines hiesigen Stifters errichtet worden. Der Innenraum vorne ist dem Marienerscheinungsort „Lourdes“ nachgebildet. Für die Gestaltung waren Bimssteine aus dem Vulkankrater „Eisenbühl“ gleich hinter der Grenze nach Böhmen verwendet worden.

„Das schaut ja aus wie eine steinerne Liwanzenpfanne“, bemerkten einige Kinder beim nächsten Haltepunkt: Gemeint war der senkrecht in die Friedhofsmauer eingelassene Öl- oder Lichterstein. „Das ist eine absolute Rarität, die Neualbenreuth hier vorweisen kann. Etwas Ähnliches gibt es in der weiteren Umgebung nicht“, beschrieb Anita Köstler diesen behauenen Granit: „Solche wurden in Kapellen oder Beinhäusern aufgestellt.

Die runden Vertiefungen waren von frommen Betern mit Leinöl gefüllt worden. Die kleinen Dochtlichter brannten dann als Dank und Bitte für die Armen Seelen der jeweiligen Verstorbenen.“

Die meisten Kinder waren gerade groß genug, um den Teufel an der Neualbenreuther Kirchentüre zu entdecken. Als wildes Tier hält er die Türklinke im Maul und will so jedem gläubigen Besucher den Zutritt in den Innenraum verwehren. Außer an der Stadtpfarrkirche von Eger gebe es in den umliegenden Nachbarpfarreien ein solches teuflisches Symbol nicht, meinte Anita Köstler.

Die Türklinke im Maul

Spannend wurde es dann im Inneren der Kirche, als sich die Kinder mit dem Fernglas auf die Suche nach Besonderheiten in luftiger Deckenhöhe machten. Das große Bild über dem Altar im Chorraum zog gleich das Interesse auf sich.

Dieses grausame Geschehen der Hinrichtung des Kirchenpatrons Laurentius auf dem glühenden Rost in aller Ruhe aus nächster Nähe betrachten zu können, beeindruckte die Kinder lange. In dem genau vor 100 Jahren entstandenen Deckengemälde „Maria als Schutzfrau Bayerns über dem Heimatort Neualbenreuth“ konnten die Kinder viele ihnen bekannte Einzelheiten selbst entdecken.

Brandstellen in Kirchenbänken

Höhepunkt dieses besonderen Kirchenbesuchs war die Untersuchung der vielen Brandstellen in den Kirchenbänken. Ihre Deutung als Überbleibsel aus der Verwendung von Wachsstöckeln in der Kerzenlichtzeit vor dem Einbau des elektrischen Lichts wurde dann gemeinsam an echten Wachsstöckeln erklärt.

Anita Köstler hatte solche kunstvoll geflochtenen alten „Wachsdochtknäuel“ mitgebracht, die von den Kindern auch angezündet wurden. Und jedes durfte ein kleines Stück davon mit nach Hause nehmen. Als „Kirchenprofi“ wurde jedes Kind mit einer Urkunde ausgezeichnet. Mit der Idee, der Bürgermeister sollte am Lichterstein ein kleines Hinweisschild anbringen lassen, verabschiedeten sich die Kirchenforscher.

Wie vor 150 Jahren brennt ein altes Wachsstöckl auf einer Kirchenbank.
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