03.01.2020 - 09:47 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

TSV Neualbenreuth: Seit 40 Jahren der gleiche Einkehrschwung

Spontane Mitfahrer, schwere Verletzungen, eingeschlafene Soldaten und spiegelglatte Straßen: Seit 40 Jahren fährt der TSV Neualbenreuth zum Skiausflug in dieselbe Unterkunft nach Südtirol. Da gibt es einiges zu erzählen.

Das Gruppenfoto von 1983.
von Martin Maier Kontakt Profil

Das dürfte nicht oft vorkommen: Seit 1981 steuert der TSV Neualbenreuth zum Skiausflug das Hotel Amaten der Familie Wolfsgruber bei Bruneck an. Bis 2015 organisierte Oswald Jäger (79) die Fahrten, danach übergab der Neualbenreuther den Organisationsstab an Jürgen Faltenbacher (51). Der Waldsassener freut sich, dass sich zur 40. Tour nach Amaten im Februar 2020 53 Leute angemeldet haben: "Das ist eine Rekordbeteiligung. Ich habe sogar einen Bus mit mehr Plätzen bestellen müssen."

Dabei besteht der momentane Stamm aus rund 25 Personen, die fast immer dabei sind. Dies sind neben Faltenbacher und seiner Frau Elisabeth unter anderem Gerdi Ploß, Rudi Maske, Tanja Maske, Horst Möhwald und Peter Jäger. "Wir schreiben die Fahrt nie groß öffentlich aus. Das läuft alles immer per Mundpropaganda", erklärt der Waldsassener. Die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus.

Vom Bauernhof zum Wellnesshotel

In Amaten finden die Skifahrer ein sehr modernes Hotel vor. Das war nicht immer so. "Das war früher ein ganz einfaches Bergwirtshaus. Es war nicht alles perfekt, aber wir sind sehr herzlich aufgenommen worden", erinnert sich Jäger an die Anfänge. Schon seit 1978 hatte der Neualbenreuther eine Skifahrt nach Italien organisiert. Die ersten drei Mal ging es nach Ratschings. 1981 folgte der Wechsel zum Hotel Amaten.

Die Suche nach einer passenden Unterkunft hatte sich aber schwierig gestaltet. "Das Problem war, dass damals fast alle nur wochenweise vermietet haben. Unser Ausflug dauerte aber immer nur vier Tage", so der 79-Jährige. Bei einem Sommerurlaub mit Ehefrau Hannelore und den beiden Kindern 1980 in Südtirol machte er sich daher auf die Suche nach einer geeigneten Pension. Unter anderem fragte der Neualbenreuther beim Fremdenverkehrsamt Bruneck an. Aber alle Bemühungen blieben erfolglos. "Als wir dann aus dem Urlaub heim kamen, lag ein Angebot aus Amaten in der Post." Nach einer Inspektionsfahrt im Januar entschied sich der Organisator für das Hotel.

Das Haus der Familie Wolfsgruber hat sich nach all den Jahren stark verändert. "Vom Bauernhof zum Wellnesshotel", umschreibt es Faltenbacher. "Da fühlt man sich wie zu Hause", hebt er auch das sehr freundschaftliche Verhältnis zu den Wirtsleuten hervor.

Messe in Kapelle

Wie das Hotel haben sich auch die Gewohnheiten der Mitfahrer verändert. Früher gab es immer einen Faschingstanz. Dazu hatte Jäger kleine Musikgruppen bestellt. Zudem feierten die Stiftländer in der Hauskapelle immer eine Messe mit einem einheimischen Pfarrer. Was sich nicht geändert hat, sind die gemeinsamen, gemütlichen Abende an der Theke. Mittlerweile gibt es mit Reiner Artmann sogar einen eigenen "Haus- und Hofmusikanten", wie Faltenbacher den Mitterteicher nennt. Der Musiker hole seine Quetschen sogar im Bus heraus und sorge dort für Stimmung.

"Botschafter Südtirols"

In den 80er und 90er Jahren war die Fahrt immer zum Faschingswochenende. Mittlerweile geht sie schon eine Woche früher über die Bühne. Für 2020 hat der TSV die Tour sogar noch eine Woche vorgezogen, um der Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz aus dem Weg zu gehen. Folgender Ablauf hat sich eingespielt: Ankunft ist immer Freitag gegen 22 Uhr. Am Samstag und Montag steht der Kronplatz auf dem Programm. Sonntag geht es nach Corvara. Jeder, der will, kann von dort die Sellaronda in Angriff nehmen. Und am Dienstag wird noch bis Mittag am Kronplatz gefahren, ehe die Heimreise angetreten wird.

2010 hatten Stadt und Tourismusverein Bruneck dem TSV und Jäger für die 30-jährige Verbundenheit zum Ort eine Urkunde überreicht. Der Neualbenreuther wurde als "wichtiger Botschafter für das Land Südtirol und die Stadt Bruneck" bezeichnet. Ob es heuer eine Ehrung oder sonst irgendetwas Besonders gibt, weiß Jürgen Faltenbacher nicht: "Da lassen wir uns überraschen."

In all den Jahren gab es natürlich auch einige kuriose Geschichten. Jäger erinnert sich an einen sehr spontanen Mitfahrer: "Der kam direkt aus dem Wirtshaus und wollte wissen, wo die Reise hingeht. Dann hat er sich kurzfristig entschlossen, mitzufahren, ganz ohne Gepäck." Anstatt Ski zu fahren, begnügte sich der junge Mann in Südtirol dann mit Spaziergängen und dem Abendprogramm.

Schneemänner auf der Autobahn

Ein Teilnehmer wollte bei einer Kaserne in der Nähe von München zusteigen. Allerdings tauchte der junge Soldat nicht auf. Schließlich stellte sich heraus, dass er in seiner Stube eingeschlafen war, komplett angezogen. 1999 gab es Probleme bei der Hinfahrt. Auf der Autobahn ging bei Irschenberg nichts mehr. Die Fahrbahn war spiegelglatt. "Da sind wir bestimmt über vier Stunden im Stau gestanden", so Faltenbacher. Laut Jäger wurden damals sogar Schneemänner auf der Autobahn gebaut. Sonst sei bei den Bustouren eigentlich immer alles ohne Komplikationen abgelaufen.

Es gab aber leider nicht nur glückliche Stunden in Amaten. Denn der ehemalige Waldsassener Bürgermeister Herbert Hahn starb am Freitag, 5. Februar 2010, im Alter von 47 Jahren in dem Berggasthof beim Kartenspielen. Zu dieser Zeit waren die Ausflügler mit dem Bus auf dem Weg nach Südtirol. Hahn war mit Jürgen Faltenbacher und dessen Ehefrau Elisabeth schon am Donnerstagabend angereist. "Er ist einfach am Tisch zusammengebrochen." Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.

Dass Skifahren nicht ganz ungefährlich ist, zeigen diverse Verletzungen. Dazu zählen unter anderem Hüft-, Daumen und Schulterbrüche. Auch gab es mehrere Kreuzbandrisse, unter anderem erwischte es auch einmal Jürgen Faltenbacher. Und Hannelore Jäger erlitt 2014 eine Sprunggelenksfraktur.

"Alles in guten Händen"

Dies war für Oswald Jäger und seine Frau ("Ohne Hannelore wäre es nicht gegangen") auch ein Grund, die Organisation in jüngere Hände zu geben. Schließlich konnte er Jürgen Faltenbacher überzeugen. "Es wäre einfach Schade gewesen, wenn es die Fahrt nicht mehr gegeben hätte", so der Waldsassener. Für Oswald Jäger ein Glücksfall: "Da ist mir damals ein Stein vom Herzen gefallen."

Mittlerweile fährt die Familie Jäger altersbedingt nicht mehr mit nach Südtirol. "Aber wir wissen ja, dass alles in guten Händen ist", spricht Oswald Jäger von einem Generationswechsel, der vor einigen Jahren vollzogen wurde. Die Teilnehmerzahlen zeigen, dass dieser gelungen ist.

Der Gasthof Amaten hat sich nach all den Jahren stark verändert. Hier ein Bild von 1984.
Das obligatorische Gruppenfoto durfte auch schon 1982 nicht fehlen.
"Vom Bauernhof zum Wellnesshotel“, umschreibt Jürgen Faltenbacher die Entwicklung des Gasthofes Amaten.
Das Gruppenbild von 1986.
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