Fischwirtschaftsmeister Alfred Stier wird Ende Februar 64 Jahre alt. Er ist einer der markantesten Bürgermeister im Stiftland. Ein Mann mit Ecken und Kanten. Denn „der Stiar“, wie er von seinen Freunden genannt werde, sei einer, der anpacke - zum Wohle von Bärnau. Stier wörtlich: „Ich bin keiner, der nur im Rathaus sitzt. Nein, ich will anschieben.“ Dies sei ihm beispielsweise mit der Gründung der Ikom Stiftland gelungen, die er federführend mit dem ehemaligen Mitterteicher Bürgermeister und jetzigen Landrat Roland Grillmeier und Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer ins Leben gerufen habe.
Im Bärnauer Rathaus sei er nur ganz wenig. Vieles mache er von zu Hause oder auch von unterwegs aus. Nach 14 Jahren als Bürgermeister stehe fest: Stier wird sich 2026 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stellen. Dazu Alfred Stier: „Wenn's am schönsten ist, sollte man aufhören. Denn ich hänge nicht an meinem Amt.“ Selbstbewusst sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: „Ich habe alles für Bärnau erreicht.“
Viel saniert und erneuert
Rund 38 Millionen Euro seien in Bärnau für die Infrastruktur investiert worden. So seien alle städtischen Einrichtungen auf Vordermann gebracht worden. Die Schule, vor allem die Schulturnhalle, seien saniert worden. Der Kindergarten und die Kinderkrippe seien ebenso saniert und erweitert worden. Nicht weniger als 35 Kilometer Straßen seien in und um Bärnau erneuert worden. Zu den weiteren „Errungenschaften“ zählt Stier den Bau eines neuen Heizwerks, die Gründung der Stadt Bärnau Kommunal GmbH und die Umnutzung des geschlossenen Hallenbads für den städtischen Bauhof.
Er könne eine eindrucksvolle Leistungs- und Tätigkeitsbilanz vorweisen, betont er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Maximaler Erfolg mit maximalen Ecken und Kanten“ sei immer seine Prämisse gewesen. Stolz sei er auch auf die Tatsache, dass im Stadtrat bis auf wenige Ausnahmen Ruhe eingekehrt sei, auch wenn es immer wieder mal zum Teil hitzige Diskussionen gebe, die aber nötig seien. Seit den Kommunalwahlen 2020 werde in Bärnau sehr sachlich orientiert gearbeitet.
Bürgermeister Stahl ein Vorbild
Der Bärnauer Bürgermeister betont aber auch, dass Corona das Leben verändert habe: „Es ist ruhiger geworden, auch bei mir selbst.“ Beeindruckt sei er immer von seinem Nachbarbürgermeister Franz Stahl aus Tirschenreuth gewesen, wie der mit großem Eifer und Tatendrang Projekte vorangetrieben habe. „Er war und ist für mich schon ein Vorbild.“
Großes Lob zollt Alfred Stier auch seiner Mannschaft im Rathaus, Bauhof und Kindergarten. Stier: „Mit Geschäftsleisterin Marion Mark und dem Leiter des Bauhofes, Christian Gleißner, haben wir hervorragende Leute. Dazu zählt aber auch das komplette Team mit insgesamt 65 Beschäftigten, davon alleine 28 im Kinderhaus.“
Viele Baustellen
In Bärnau gebe es aber immer noch viele Baustellen, die sein Nachfolger abarbeiten müsse. So gebe es einen Masterplan für die Wasserversorgung, die der kommende Bürgermeister oder die Bürgermeisterin angehen müsse. Die laufenden Baustellen, wie Bischof-Senestrey-Haus, Ackerbürgerhaus, Arztpraxis und Dorferneuerung Thanhausen, stünden weiter auf der Agenda. Seinem Nachfolger gibt er zudem den Rat, verstärkt auf Windkraft zu setzen. Alfred Stier: „Wir haben kein Kapital, deshalb müssen wir verstärkt auf den Bau von Windkraftanlagen setzen. Denn hier ist Geld machbar.“
Und was sagt Alfred Stier zur Nachfolge: „Dies muss in der Nominierungsversammlung der CSU entschieden werden.“ Er könne sich aber den CSU-Vorsitzenden und aktuell Zweiten Bürgermeister Michael Schedl sehr gut als seinen Nachfolger vorstellen. Wer von den anderen Parteien antreten werde, wisse er nicht.
Mehr Zeit für Familie
Er könne zufrieden auf die vergangenen Jahre als Bürgermeister zurückblicken, wenngleich Stier das Sprichwort „Jedem Mensch Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ hervorhebt. Stier weiter: „Aber ich bin den Anforderungen gerecht geworden.“ Auch bekennt der Bürgermeister: „Es war mir eine Ehre, Bärnau zu dienen.“ Bei ihm, Alfred Stier, werde nach den Kommunalwahlen keine Last abfallen, dazu sei er auch beruflich viel zu sehr eingespannt. Klar sei aber auch, seine Familie mit Ehefrau Martina, seine vier Kinder und seine vier Enkel, aber auch sein knapp zweijähriger Jagdhund namens „Hexe“ würden mehr Zeit bekommen.
In seiner „Restlebenslaufzeit“ werde er es etwas ruhiger angehen lassen. Er wolle es zumindest versuchen. Seinen Sohn Josef, gerade mal 21 Jahre alt, der schon Teile seines Unternehmens übernommen habe, wolle er mit vollem Einsatz unterstützen, um dann aber zu beschwichtigen: „Ich sehe mir das alles in aller Ruhe an. Denn Josef kann es.“ Sein Sohn sei es auch gewesen, der seinem Vater gesagt habe: „Papa, wir brauchen dich noch länger. Hör bitte auf.“
Rückblick: Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt des damaligen Bürgermeisters Peter Hampel waren 2012 Neuwahlen fällig. Zuvor gab es einen turbulenten Wahlkampf. Für die CSU trat die damalige Zweite Bürgermeisterin Cornelia Schwamberger, für die SPD Robert Birkner an. Alfred Stier, der eigentlich, wie er sagt, nie Bürgermeister werden wollte, sei nahezu gedrängt worden, als Kandidat für die JWG/WSL anzutreten. Damals war er aber schon Mitglied in der CSU. Doch die Parteioberen im Landkreis hätten nichts gegen eine Kandidatur gehabt. In einer Stichwahl setzte sich Stier dann gegen Schwamberger klar durch. 2014 und 2020 wurde er jeweils wiedergewählt.














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