08.09.2019 - 16:03 Uhr
BärnauOberpfalz

Bärnaus "Grüne" sind weiblich

Einen Ortsverband der Grünen mit MdL Anna Toman an der Spitze gibt es seit Freitag in Bärnau. Katharina Schulze, Vorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag unterstützte bei der "Begrünung" und lud auf ein Spezi und zur Diskussion ein.

Sie freuten sich über die Gründung des neuen Grünen-Ortsverbandes Bärnau: (von links) Landtagsabgeordnete und Fraktionssprecherin Katharina Schulze, Kreisverbandsvorsitzende Heidrun Schelzke-Deubzer, Ortsvereinsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Anna Toman, Zweite Ortsverbandsvorsitzende Michaela Gehret, Kreisverbandsvorsitzender Fabian Neuser und Ortsverbands-Schriftführerin Cornelia Schwamberger.
von Redaktion ONETZProfil

Dass Katharina Schulze viel Sinn für Humor hat, ist weithin bekannt. Und auch, dass ohne ihr Smartphone gar nichts geht. "Wenn ich am Abend noch einen vollen Akku habe, merke ich, dass ich auf dem Land unterwegs war", scherzte die Politikerin zum Thema Internetgeschwindigkeiten. "Ich habe wieder Netz! Und Bärnau hat jetzt auch einen grünen Ortsverband!", war am Freitag in ihrer Instagram-Story zu lesen. Bereits am Morgen ihres "Oberpfalz-Tages" kündigte die Politikerin via Instagram an, dass sie heute mit Anna Toman unterwegs sein werde, unter anderem um einen Ortsverband zu gründen. Wie später beim Eintrag ins Goldene Buch schrieb sie, dass "die wunderschöne Stadt" heute "begrünt" werde.

"Ich bin begeistert. Volles Haus in Bärnau bei einer grünen Veranstaltung", sagte Anna Toman zu Beginn in ihren Begrüßungsworten. Mit Verweis auf das Motto des Abends "Auf ein Spezi mit Katharina Schulze" kündigte sie an, dass es für jeden ein solches Getränk gratis gebe. Katharina Schulze hatte sich ihr Lieblingsgetränk auch gleich nach dem Eintreffen im Gasthof "Zur Post" bestellt. "Ich muss erst einmal googeln, wann der letzte Zug nach München fährt", hatte sie eingangs bemerkt und dann herausgefunden, dass sie um 20.41 Uhr in Weiden sein müsse.

Nach der Ortsverbandsgründung (siehe Infokasten) ergriff Katharina Schulze das Wort, berichtete vom Besuch auf einem Biohof und ihrem "grünen Ansatz", der darin bestehe, "die Welt jeden Tag besser zu machen". Schulze betonte: "Wir benötigen Weltretter. Man kann die Welt nicht besser meckern, man muss sie besser machen." Dies sei ihr "Lieblingsspruch", sagte Schulze.

Immer wieder stellten Besucher Fragen an die Landtagsabgeordnete.
Angeregt diskutierte die Landtagsabgeordnete mit den Gästen.

"Ist Markus Söder endlich grün?", fragte Anna Toman. Katharina Schulze verwies auf den Entwurf für ein Klimaschutzgesetz, den die Grünen einreichen werden. "Stimmt Markus Söder dem Gesetz zu, meint er es ernst", so Schulze. Die erste Frage aus dem Publikum betraf das Thema Hartz IV. "Was wird getan?", wollte ein Besucher wissen. "Robert Habeck hat formuliert, dass man Hartz IV weiterentwickeln muss", sagte Schulze mit Verweis auf den Bundesvorsitzenden der Grünen.

Auf die Frage, wie es um die Rentenpolitik stehe, erklärte Schulze, dass sie sich einen "menschenwürdigen Lebensabend für jeden" wünsche. Auch über das Polizeiaufgabengesetz wurde diskutiert. "Es gab riesige Proteste, auch hier in der Oberpfalz", rief Schulze in Erinnerung. Im vergangenen Jahr reichten die Grünen eine Klage dagegen ein. "Die Rechtmäßigkeit muss geprüft werden, denn das Gesetz ist nicht verfassungskonform", meinte Schulze.

Im Publikum saß auch Ali Zant, OB-Kandidat der Linkspartei in Weiden. Von Katharina Schulze wollte er wissen, wie die "grüne Linie" beim Thema Stromtrassen aussieht: "Seid ihr pro oder kontra?" Schulze erwiderte, dass sie "basisdemokratisch" seien. Das erklärte Ziel ihrer Partei sei es, Deutschland zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Die Gleichstromtrasse werde gebraucht, um dieses Ziel zu erreichen. Aber auch eine dezentrale Energiebeschaffung sei nötig. "Applaus für Windräder!", jubelte Schulze, als ihr ein Gast von bestehenden Anlagen im Landkreis berichtete.

Auf die Frage, was für den öffentlichen Nahverkehr getan werden könne, verwies sie auf die "Mobilitätsgarantie der Grünen". Abhilfe solle ein "gesamtgesellschaftlicher Wandel" schaffen, unter Einbezug von "Stakeholdern und Unternehmen". Fragen zur Bildungspolitik und zum Lehrkräftemangel beantwortete Anna Toman, die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. Sie verwies auf ein Gutachten, das den Mangel an Lehrkräften in Bayern bestätige und gab zu verstehen, dass sie sich für eine Verbesserung einsetzen werde.

Anna Toman und Katharina Schulze freuten sich über die voll besetzte "Rußkuchl" im Gasthof zur Post.

Als das Thema Borkenkäfer genannt wurde, antwortete Katharina Schulze als "bekennende Nicht-Expertin" auf diesem Gebiet kurz und knapp und sprach sich für eine "bessere Beforstung" der Wälder aus. Eine Fragestellerin wollte wissen, ob man hier in einer abgehängten Region sei. Hier brachten sich neben Schulze auch Bürgermeister Alfred Stier und Anna Toman ein. "Ich finde nicht, dass wir abgehängt sind", bekannte Toman. Schulze sprach sich für "gleichwertige Lebensverhältnisse" in der Stadt und auf dem Land aus. Dabei müsse man die jeweiligen regionalen Anforderungen berücksichtigen. "Die Basics, wie beispielsweise Glasfaser, müssen von der Politik bereitgestellt werden", so Schulze. Zu guter Letzt beantwortete die Landtagsabgeordnete noch eine Frage zum Ablauf ihrer parlamentarischen Arbeit und bezog Stellung zur AfD. "Die Demokratie muss verteidigt werden", mahnte Schulze und bemängelte, dass die AfD keine inhaltliche Arbeit mache. Ihr Wunsch sei es, in fünf Jahren eine Politik ohne die AfD zu haben.

Pünktlich um 20 Uhr wurde die Runde beendet, schließlich musste der Zug erwischt werden. Von Anna Toman erhielt Katharina Schulze noch ein Comic über den Film "Wackersdorf" sowie eine Naschtüte.

Information:

Weibliches Führungstrio einstimmig gewählt

Mit Unterstützung des Kreisverbandsvorsitzenden Fabian Neuser und Anna Toman führte Katharina Schulze die Ortsverbands-Gründung samt Wahlen durch. Binnen fünf Minuten war alles vollzogen und Bärnau um einen Grünen-Ortsverband reicher. MdL Anna Toman, die sich selbst für das Amt der Vorsitzenden nominierte, um sich, wie sie sagte, in ihrer Heimatgemeinde mehr einzubringen und ihr ihre eigene Handschrift zu verpassen, wurde einstimmig gewählt.

Als Zweite Vorsitzende schlug Toman die 28-jährige Krankenschwester Michaela Gehret aus Bärnau vor, mit der sie schon seit dem Kindertagen befreundet ist. Auch sie wurde einstimmig gewählt. Als Schriftführerin vorgeschlagen und ebenfalls einstimmig gewählt wurde Cornelia Schwamberger, Mutter von Anna Toman. Dass Schwamberger, die zuvor der CSU angehörte und als Stadträtin und Zweite Bürgermeisterin tätig war, die Fronten gewechselt hat, freute nicht nur ihre Ortsverbands-Kolleginnen. Auch Katharina Schulze honorierte den Wechsel zu den Grünen. Insgesamt waren 15 Personen bei den Wahlen stimmberechtigt.

"Das grüne Frauenstatut wurde eingehalten", beschloss Fabian Neuser die Ortsverbandsgründung. "Ich freue mich über den dritten Ortsverband im Landkreis Tirschenreuth - und über jeden Mann, der noch dazustößt", sagte Anna Toman. Kreisverbandsvorsitzende Heidrun Schelzke-Deubzer gratulierte und überreichte einen selbst gemachten Brotaufstrich. "Darauf, dass ihr tolle grüne Politik macht", betonte Schelzke-Deubzer. Auch an Katharina Schulze überreichte sie ein "besonders großes Glas" der Leckerei.

Am Schluss erhielt Katharina Schulze von Anna Toman ein Comic über den Film "Wackersdorf" überreicht – mit "a bisserl was Süßem".

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