09.09.2019 - 15:01 Uhr
BärnauOberpfalz

Basteln wie im Mittelalter

Mit einer alten Stecktechnik dürfen die Kinder eine Schmuckdose aus Birkenholz anfertigen. Die Bastelarbeit ist nur eine interessante Station im Geschichtspark.

von Redaktion ONETZProfil

Am vergangenen Mittwochvormittag, die Sonne lachte und im Geschichtspark wurde schon fleißig gearbeitet, tat sich auch im "Wirtshaus" etwas: Sieben Kinder saßen um einen Tisch herum und warteten gespannt darauf, was Museumspädagogin Julia Gräf in ihrer Kiste bereithielt. Scheren wurden ausgeteilt – zugegeben, die sahen im Mittelalter etwas anders aus und sind ganz ohne Plastikgriff ausgekommen, aber die Kulisse reichte aus, um eine antiquierte Atmosphäre herzustellen. Dann verteilte Julia das Arbeitsmaterial: Birkenrinde. Viel mehr wurde nicht benötigt für den mittelalterlichen Bastelnachmittag, der letzte Programmpunkt des diesjährigen Ferienprogramms.

"Ihr dürft die Rinde jetzt zuschneiden", forderte sie die neugierigen Bastler auf. Eifrig wurden die Scheren geschnappt und die Rinde in Stücke geschnitten. Dann hieß es abwarten. Die Rinde musste nämlich erst einmal für eine Stunde in Wasser eingelegt werden, um damit basteln zu können. Und um die Wartezeit nicht mit Teetrinken überbrücken zu müssen, machte sich die Truppe auf, um den Park zu erkunden. Julia erklärte das Mittelalter. Sie legte einen Meterstab auf den Boden, um einen Zeitstrahl zu demonstrieren. "Wann seid ihr geboren?", fragte sie in die Runde. Die erste Etappe am Zeitstrahl wurde markiert. "Wann sind eure Eltern und Großeltern geboren?", fragte sie weiter. Auch diese Zeitpunkte wurden am Meterstab angelegt. "Das Mittelalter war zwischen 500 und 1.500 nach Christus", erklärte sie und markierte das "Ende des Mittelalters" am Meterstab. "Das ist ganz schön lange her und wir können keinen mehr aus dieser Zeit etwas fragen. Wie können wir also über diese Zeit etwas herausfinden?", möchte Julia wissen. "Durch Ausgrabungen und Fundstücke von damals", wusste eines der Kinder.

Die Tour ging weiter in das "Slawendorf", vorbei an Wollschwein Eberhard, das sich gerade genüsslich badete. Die Kinder besichtigten ein "Grubenhaus". "In der Mitte des Hauses ist eine Grube, deshalb heißt es so", erklärte die Mittelalter-Expertin. Im "Pfostenhaus" durften die Kinder einen Blick auf den Grundriss werfen. "Die Pfosten markieren den Grundriss des Hauses", so Julia. "Und wo ist der Fernseher?", fragte eines der Kinder. Julia deutete auf die Feuerstelle im Haus. "Das war der Fernseher", sagte sie lachend. Im Schlafzimmer des Pfostenhauses gab es ein Probeliegen auf dem Bett. "Das ist ja voll bequem", waren alle erstaunt. Auch der "Kleiderschrank", der nur aus einem Haken, einem Regal und einer kleinen Holzkiste bestand, wurde begutachtet. Julia hatte ein Foto von einem Ehepaar, das in mittelalterlicher Kluft gekleidet war, dabei. Sie erzählte den Kindern von der aufwendigen Herstellung der Bekleidung und dass die Menschen damals deshalb nicht sehr viele Kleidungsstücke besaßen.

Von der "Ritterburg" aus genoss die Gruppe einen tollen Ausblick, während Julia erklärte, wie die Burg damals verteidigt wurde. Dann zeigte sie den Teilnehmern noch das neueste Projekt im Geschichtspark: Eine Reisestation des Karl IV. Auf einem Foto zeigte sie, wie das fertige Bauwerk aussehen wird und erklärte die Arbeitsschritte, die noch gemacht werden müssen. Nach der eineinhalbstündigen Entdeckungstour durch den Park gab es zur Stärkung eine Brotzeit und eine kleine Pause, bevor es am Nachmittag ans Basteln ging.

Zurück am Wirtshaus wurde die eingeweichte Rinde von den Kindern in kleine Stücke zerschnitten. Jeder hatte nun seinen Dosen-Rohling in der Hand. Mithilfe einer Lochzange wurden Löcher ausgestanzt, um die Dose zusammenzunähen. Dafür wurden aber nicht Nadel und Faden benutzt, sondern aus Birkenrinde dünne Streifen ausgeschnitten, die als Nähgarn dienten. Per Hand wurde der Rinde-Faden durch die vorgestanzten Löcher gefädelt. Für den Dosen-Boden wurde mit dem Rohling als Schablone ein Kreis auf ein Rinde-Stück aufgezeichnet. Nachdem dieser ausgeschnitten war, musste auch er gelöchert werden, genauso wie der untere Saum des Rohlings. Nun konnte auch der Boden an den Rohling mit dem Rinde-Garn angenäht werden. Es war manchmal gar nicht so einfach, den Birke-Faden durch die kleinen Löcher zu bekommen und manchmal musste er sogar zurechtgestutzt werden. Doch die Kinder gaben nicht auf und waren mächtig stolz, als sie ihr kleines Döschen fertig gestellt hatten. Zum Abschluss des Bastelnachmittags hatte Julia ein mittelalterliches Spiel mitgebracht. Bei "Wikingerschach" ließen die Kinder den Tag im Geschichtspark ausklingen, ehe sie von ihren Eltern abgeholt wurden.

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