17.08.2018 - 17:27 Uhr
BärnauOberpfalz

Berühmter Sohn Bärnaus

Bislang stand kein Bischof länger an der Spitze des Bistums Regensburg. Kaum ein zweiter Bischof dieser Diözese hinterließ in neuerer Zeit so viele Spuren in der Geschichte. Ignatius Senestrey wurde vor 200 Jahren in Bärnau geboren.

Die Stadt Bärnau würdigte ihren bedeutenden Sohn, Bischof und Professor Dr. Dr. Ignatius Senestrey durch die Bennenung einer Straße. Gut anstehen würde dem derzeit leer stehenden Geburtshaus eine hervorgehoben Stellung im Rahmen einer Altstadtsanierung.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Am 13. Juli 1818 kam Ignatius Senestrey in Bärnau als Sohn des Landgerichtsassessors Karl Georg Ignatius Senestrey und dessen Ehefrau Anna Maria, geborene Gmeiner, auf die Welt. Er hatte vier Brüder, von denen einer bereits im Säuglingsalter starb, und eine Schwester. Der Großvater väterlicherseits, der sich noch Senestraro nannte, war aus dem schweizerischen Graubünden nach Nabburg gezogen, wo er als Handelsmann und Ratsherr tätig war. 1762 heiratete der Großvater die Tochter eines angesehenen Bürgers. Die Familie der Mutter ist seit dem 17. Jahrhundert in Bärnau nachweisbar. Hier spielte sich Ignatius Kindheit ab.

"Erbärmliche" Erziehung

Der Vater konnte wenig für seine Erziehung tun, da er während der Woche als Jurist an seinem Dienstort Tirschenreuth voll eingebunden war. Sein damaliger Chef war der Landrichter Franz Xaver Desch, der sich nach Kräften bemühte, die durch ein Feuer vernichtete Kreisstadt wieder aufzubauen. Die Mutter war eine tüchtige Hausfrau, für eine anspruchsvolle Erziehung ihrer fünf Kinder fehlten ihr jedoch die Voraussetzungen.

In seinen Aufzeichnungen hinterließ der spätere Bischof eine vernichtende Kritik über Unterricht und Erziehung an der damals "erbärmlich bestellten" Elementarschule. Selbst mit dem Religionsunterricht war es "nicht zum besten bestellt". "Hier lernte ich letztlich nichts", war seine Meinung. Daheim wurde er zudem mehr und mehr eingespannt und musste der Mutter helfen.

Über den Dekan Greiner aus der nahe gelegenen Pfarrei Beidl kam Ignatius 1828, wie zuvor schon seine beiden älteren Brüder, nach Neustadt an der Waldnaab zu Pater Bonaventura Pesserl, der ihn unterrichtete und insbesondere Latein beibrachte. So wurde der Grundstein für den Übertritt ans Gymnasium in Amberg im Herbst 1829 gelegt. Sechs Jahre später wechselte er wie seine Brüder nach München ans Ludwig Gymnasium, wohnte dort bei seinem Onkel und machte 1836 sein Abitur. Vorbild waren ihm seine Brüder Theodor und Andreas und besonders sein Patenonkel Theodor Pantaleon, der vor der Säkularisation Mönch in der Zisterzienserabtei Waldsassen war. In München übte er das Amt des Domkapitulars und Generalvikars des Erzbischofs von München und Freising aus.

Priesterlaufbahn in Rom

Anschließend studierte Ignatius am Collegium Germanicum in Rom. Dort lernte er den kurz zuvor zum Bischof von Eichstätt konsekrierten Karl August Graf von Reisach kennen, der ihm später immer wieder behilflich war. 1839 promovierte Senestrey zum Doktor der Philosophie, 1842 folgte die Priesterweihe, im gleichen Jahr kehrte aus gesundheitlichen Gründen zurück nach Deutschland. Mit 25 Jahren war Senestrey Präfekt am Priesterseminar in Eichstätt, im selben Jahr wurde er zum Professor der Philosophie ernannt. Nach erneuter Erkrankung wechselte Senestrey 1843 als Krankenhauskurat nach München. 1847 wurde er Pfarrer in Kühbach bei Aichach und Kandidat im Wahlkreis Schrobenhausen für die Bayerische Abgeordnetenkammer, in die er 1854 kurzzeitig als Ersatzmitglied einrückte. 1852 erhielt er ein Benefizium an der Münchener Metropolitankirche. Ein Jahr später fertigte er als Kanonikat in Eichstätt nebenher eine kirchenrechtliche Dissertation (De validitate matrimoniorum ab acatholicis initorum) an.

Umstrittene Ernennung

Diese führte nach seiner Ernennung zum Bischof an der Universität Würzburg 1858 zum Doktor der Theologie. Auf Vorschlag von König Maximilian II. wurde der Bärnauer Bischof von Regensburg. Noch vor der päpstlichen Ernennung kam es zu heftigen Kontroversen in der Presse: Die liberale Seite disqualifizierte Senestery wegen seines Studiums am Collegium Germanicum als Jesuitenzögling. Auf der anderen Seite unterstellte ihm die katholisch-konservative Presse Nachgiebigkeit gegenüber der Regierung.

Als Bischof vertrat er entschieden die kirchlichen Freiheiten gegenüber der bayerischen Staatskirchen-Hoheit und der liberalen Bürokratie. Eine bedeutende Rolle spielte Senestrey beim ersten Vatikanischen Konzil 1869/70. Zusammen setzte sich der damals 52-Jährige mit dem englischen Erzbischof und späteren Kardinal Henry Edward Manning als entschiedener Verfechter der zum Dogma erhobenen Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes ein.

Die heutige Gestalt des Regensburger Doms vor allem der Ausbau der Domtürme (1860 bis 1869) ist Senestrey zu verdanken. Er ermunterte König Ludwig I. zu diesem Bau. Ein zentrales Anliegen war ihm die Verbesserung der Priesterausbildung - das Regensburger Schottenkloster St. Jakob wurde 1862 zu einem Diözesanpriesterseminar erhoben. Er setzte sich für Knabenkonvikte in Regensburg und Straubing ein, förderte die Schulorden sowie sozial tätige Orden.

Unter Senestrey wurde Regensburg zu einem Zentrum der Kirchenmusik. Der streng päpstlich orientierte Bischof war innerhalb der Bayerischen Bischofskonferenz relativ isoliert und ein Außenseiter. Bei kirchenpolitischen Fragen zeigte er kaum Kompromissbereitschaft gegenüber dem Staat. Resultat: Die von Rom 1892 erwogene Erhebung zum Kardinal scheiterte am Widerspruch der bayerischen Regierung. Um die Jahrhundertwende gab es aufgrund seines Alters Probleme mit der Leitung des Bistums. Sein vertrauter Generalvikar Dr. Franz Xaver Leitner aus Bodenwöhr leitete das Bistum. Am 16. August 1906 verstarb Bischof Senestrey im Alter von 88 Jahren.

Hintergrund:

Die Stadt Bärnau ist derzeit im Begriff das Geburtshauses von Ignatius Senestrey in der Bachgasse 14 zu erwerben und erwägt eventuell eine Sanierung des Gebäudes. „Es gibt Überlegungen, aber konkrete Pläne haben wir noch keine“, bestätigt Wolfgang Kaiser vom Bauamt Bärnau auf Nachfrage. Im Rahmen des Bürgerfests im September werden große Persönlichkeiten der Stadt im Ackerbürgerhaus herausgestellt. Darunter ist auch der ehemaligen Regensburger Bischof aus Bärnau, der im Juli 200. Geburtstag hatte. (szl)

Eine schlichte Tafel erinnert über der Eingangstür des großen Anwesens an den berühmten Sohn.

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