17.05.2018 - 20:00 Uhr
BärnauOberpfalz

200.Wallfahrt der Bärnauer zum Fahrenberg Dank für Ende der Hungersnot

Eine bittere Zeit haben die Bärnauer Anfang des 19. Jahrhunderts erlebt, mit Truppendurchzügen, Hungersnot und Nervenfieber. Für das Ende dieser schlimmen Jahre dankten die Bürger mit einer Wallfahrt. Und die gibt es bis heute.

Eine Rast gehört seit jeher zur Wallfahrt. Bild: Privat
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Mit der diesjährigen Wallfahrt am 26. und 27. Mai steht den Bärnauern sogar ein Jubiläum ins Haus. Zum 200. Mal brechen die Pilger zum Fahrenberg "Zu unserer lieben Frau" auf. Dort werden die Pilger einen Gottesdienst zusammen mit Bischof Dr.Rudolf Voderholzer feiern. Und zum Jubiläum hofft Pilgerführer Bernhard Häring natürlich auf besonderen Zuspruch. Jung und Alt lädt er unter dem Motto "Tradition bewahren, offen sein für alle, besonders auch für junge Menschen" zu dieser Wallfahrt ein.

Teil der Stadtgeschichte

"Die Fußwallfahrt zu unserer lieben Frau auf den Fahrenberg ist seit 200 Jahren ein aktiver Teil der 675-jährigen Geschichte und der Geschicke der Stadt Bärnau", beschreibt Häring dieses Anliegen. Dabei hätten die Wallfahrer stets auch die Anliegen aller Bürger der Stadt zur Muttergottes auf den Fahrenberg gebracht. Als Ursprung der Wallfahrt nennt die Chronik den 18. September1818. Damals zog die Pfarrgemeinde Bärnau mit "Dankgebeten und mit der Bitte um Abwendung fernerer Teuerung in geordneter Prozession nach der Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau auf den Fahrenberge". In den Jahren vorher hatten die Bürger schwere Jahre durchleben müssen.

Fieber und Hunger

So vernichtete der Stadtbrand 1800 98 Bürgerhäuser, die Pfarrkirche mit Turm sowie den Pfarrhof. Während der napoleonischen Kriege litt der Ort unter den Truppendurchzügen und 1814 weiß die Chronik von einem Nervenfieber. 1816 und 1817 führte eine anhaltende nasskalte Witterung zu massiven Ernteausfällen und bescherte den Menschen eine Hungersnot. Nachdem es 1818 wieder reichen Erntesegen gab, beschlossen die Bärnauer, zur Muttergottes auf den Fahrenberge zu wallfahren mit der Bitte um Abwendung "fernerer Teuerung" und Danksagung für den Erntesegen.

Ganz ohne Leid gingen die folgenden beiden Jahrhunderte nicht an den Menschen vorüber. So kennt die Geschichte die schweren Zeiten während des ersten und zweiten Weltkrieges. In den Kriegsjahren konnte die Bärnauer Fußwallfahrt nicht stattfinden. Seit jeher beten die Fußwallfahrer, wenn sie am Dreifaltigkeitssonntag, an dem die Wallfahrt nun seit vielen Jahrzehnten stattfindet, wieder Abschied nehmen von der Mutter Gottes auf dem Fahrenberge mit tief bewegter Seele: "Oh Mutter, wie wird uns beim Scheiden so weh ums Herz! Wir müssen wieder hinaus in die Gefahren der Welt. Wie wird es uns gehen!"

Geselliges Beisammensein

Mit der Wallfahrt tragen die Teilnehmer aber auch den lebendigen Glauben an Gott durch die Straßen und Fluren ihrer Heimat. "Das ist gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Zeichen für unser frohes und aufrichtiges Christentum besonders auch an unsere jüngere Generation", schreibt Häring in der Broschüre zur Jubiläumswallfahrt.

In dem kleinen Heftchen finden sich auch zahlreiche Bilder von Wallfahrten der vergangenen Jahre. Viele Seiten füllen könnten die Erinnerungen der Pilgerführer. Josef Gmeiner war der erste Pilgerführer, auf ihn folgten Nikolaus Haas und Josef Frötschl sowie Bernhard Häring. Der weist auch darauf hin, dass die Wallfahrt ein gesellschaftlicher Anlass ist. Beim Aufenthalt in Pleystein dürfe deshalb das gesellige Beisammensein nicht zu kurz kommen.

Immerhin haben die Pilger bis zu diesem Ziel schon etliche Kilometer zurückgelegt. Dabei geht es singend und betend überwiegend auf Waldwegen fast 24 Kilometer über Naab, Silberhütte, Waldkirch und Neuenhammer (Mittagspause) bis zur Kreuzbergkirche in Pleystein. Der Weg selber sei für die Teilnehmer ein besonderes Erleben der Natur, versichert der Pilgerführer. Dabei könne das Wetter am Dreifaltigkeitssonntag, steht dieser früh im Kalender, auch schon mal für Überraschungen sorgen. Vor ein paar Jahren etwa erlebten die Wallfahrer Schneefall auf der Altglashütte, erinnert sich Häring. Einer der noch besser über die Wallfahrten Bescheid weiß ist Maxx Kumeth. Seit 41 Jahren dokumentiert er die Wallfahrten in einer Chronik.

Unvergessliches Anliegen

Insgesamt legen die Wallfahrer an den beiden Tagen rund 48 Kilometer zurück. Seit vielen Jahren haben die Pilger auch aufmerksame Begleiter. So kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes, von der Feuerwehr sowie von der Stadt um die Wallfahrer. "Dieses 200-jährige Jubiläum der Bärnauer Fußwallfahrt zur Muttergottes auf den Fahrenberge möge in uns allen ein unvergessliches Andenken hinterlassen", lädt Häring alle zur Teilnahme ein.

200. Jubiläum der Bärnauer Fußwallfahrt

Zur Teilnahme an der Fußwallfahrt am 26. und 27. Mai sind alle eingeladen. Start am 26. Mai um 7 Uhr in der Stadtpfarrkirche in Bärnau nach dem Segen durch Pfarrer Johann Hofmann, Übernachtung in Pleystein (gemütliches Beisammensein). Am Sonntag, 27. Mai (Dreifaltigkeitssonntag, um 10 Uhr Gottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Wallfahrtskirche zu unserer Lieben Frau auf dem Fahrenberg. Um 13 Uhr Ehrung der langjährigen Pilger und Segen durch Bischof Voderholzer. Anschließend Heimweg. In Bärnau kurze Andacht. Mitfahrt mit dem Omnibus zur Teilnahme am Gottesdienst am 27. Mai auf dem Fahrenberg, Abfahrt um 8.30 Uhr am Marktplatz in Bärnau (kostenfreier Bus). Für Teilnahme an der Fußwallfahrt oder zur kostenfreien Mitfahrt mit dem Omnibus bei der Stadt Bärnau, Frau Mark, Telefon 920313, anmelden. (ws)

Gerade in der heutigen Zeit ist es ein wichtiges Zeichen für unser frohes und aufrichtiges Christentum.Aus der Broschüre zur Jubiläumswallfahrt

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