Bärnau
06.09.2019 - 15:23 Uhr

"Falsche Behauptungen"

Diskussionen über die Auswirkung der Windkraftanlagen auf Mensch und Tier gibt es immer wieder. Und die Positionen, etwa beim getöteten Rotmilan bei Ellenfeld, liegen auf gegenseitigen Polen. Eine neue Untersuchung stellt alte Aussagen auf den Kopf.

Die Windräder nahe Ellenfeld sollten sich in einem "Rotmilan-Hotspot" drehen, hat ein Gutachter im April festgestellt. Untersuchungen der Windparkbetreiber zusammen mit dem Landratsamt haben ergeben, dass keiner der Horste besetzt war. Bild: ws
Die Windräder nahe Ellenfeld sollten sich in einem "Rotmilan-Hotspot" drehen, hat ein Gutachter im April festgestellt. Untersuchungen der Windparkbetreiber zusammen mit dem Landratsamt haben ergeben, dass keiner der Horste besetzt war.

Gerade hinter die Greifvogel-Population rund um die Windkraftanlagen auf dem Schafferberg setzt die "Bürgerwindpark Ellenfeld GmbH & Co. KG" ein großes Fragezeichen - und stützt sich dabei auf aktuelle Ergebnisse. Die Windparkbetreiber fordern deshalb das Landratsamt auf, das laufende Verfahren einzustellen.

Nach einer Mitteilung der Windparkbetreiber hätten Bürgerwind und Landratsamt gemeinsam die laut "Rohde-Gutachten" angeblich besetzten Rotmilanhorste nochmals kontrollieren lassen. Dabei, so die Mitteilung, sei als klares Ergebnis herausgekommen, dass kein einziger der Horste tatsächlich besetzt war. Infrage wird auch gestellt, ob die Horste für den Rotmilan überhaupt geeignet seien. Ein Horst soll gar nicht vorhanden sein.

Weiteres Gutachten

Nachdem im vergangenen Jahr ein toter Rotmilan nahe des Windparks bei Ellenfeld gefunden worden war, hatte das Landratsamt ein Gutachten bei dem Ornithologen Carsten Rohde aus Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben. Der stellte in einer "Kurzexpertise" Anfang April fest, dass der Windpark in einem "Rotmilan-Dichtezentrum" läge und sprach gar von einen "Rotmilan-Hotspot". Gleich fünf Horststandorte bzw. besetzte Reviere wurden durch Rohde im März 2019 in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Windpark abgegrenzt. Daraufhin haben die Windparkbetreiber zusammen mit anerkannten Fachgutachtern aus Bayern und der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Tirschenreuth am 7. August einen Vor-Ort-Termin durchgeführt, um diese Behauptungen zu verifizieren.

Ein Horst nicht zu finden

Dieser Ortstermin habe ein ganz klares Ergebnis gebracht. "Letztlich konnte kein einziger dieser angeblich im März besetzten Horste und keines der Reviere bestätigt werden", erläutert Dr. Helmut Loibl, der von der "Bürgerwindpark Ellenfeld GmbH & Co. KG beauftragte Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Weiter schreibt Loibl in einer Erklärung der Bürgerwind: "Laut dem Protokoll der Ortsbesichtigung wurden bei vier der von Rohde in seiner Kurzexpertise genannten Standorte nur rudimentäre oder im Verfall befindliche Horste aufgefunden, die 2019 sicher nicht genutzt wurden und die zudem für den Rotmilan gar nicht geeignet sind. Am angeblich fünften Standort war überhaupt kein Horst zu finden."

Verfahren einstellen

Die Windparkbetreiber haben nun über den Rechtsanwalt beim Landratsamt beantragt, das laufende Verfahren einzustellen. "Es kann und darf nicht sein, dass sich das Landratsamt von Windkraftgegnern mit nunmehr nachweislich falschen Behauptungen vor sich hertreiben lässt und auf Staatskosten weiterhin teure Untersuchungen und Gutachten beauftragt", schreibt Rechtsanwalt Loibl hierzu.

Auch die Windparkbetreiberin, bestehend aus über 80 Bürgerinnen und Bürger aus der Region, hofft, dass nunmehr endlich wieder Ruhe um den Windpark bei Ellenfeld einkehrt und die Anlagen weiterhin in gewohnter Weise klimafreundlichen Strom erzeugen können.

Im Blickpunkt:

Mehr Strom als Stadtverbrauch

Bei einem zurückliegenden Treffen der Windparkbetreiber wurden die Zahlen der Anlagen bei Ellenfeld aufgelistet. 2018 haben die beiden Enercon-Anlagen 11 141 388 kW-Stunden an Strom erzeugt. Dies ist mehr, als im Stadtgebiet insgesamt an Strom verbraucht wurde. Die positiven Ergebnisse der vergangenen Jahre haben vor allem der Stadt Bärnau gefallen, die in den vergangenen Jahren immer wieder Gewerbesteuerzahlungen erhalten hat, in 2018 etwa knapp 40 000 Euro. Aber auch Einrichtungen der Gemeinde werden von den Betreibern berücksichtigt. So gingen Spenden an Sportvereine und Schulen.

 
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