15.02.2019 - 15:26 Uhr
BärnauOberpfalz

Da freut sich nicht nur Rapunzel

Der Grenzlandturm am Steinberg bekommt ein Facelifting. Auch im Innern wird das Bauwerk aufgehübscht. Das lässt sich die Stadt etwa 15 000 Euro kosten. Im Frühjahr geht es los mit der Befundung der Außenfassade.

Im Frühjahr beginnt die Restaurierung des Grenzlandturms.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Der Grenzlandturm am Steinberg ist eines der Bärnauer Wahrzeichen", skizziert Bürgermeister Alfred Stier die besondere Bedeutung des Bauwerks. Von dort aus haben Besucher einen Blick auf das ehemalige Paulusbrunn in Tschechien. Sehenswürdigkeiten wollen gepflegt sein: Sie sind schließlich Anlaufpunkte vieler Touristen. Die Winter auf dem fast 800 Meter hoch gelegenem Areal sind hart und nagen heftig an dem Bauwerk. Jetzt soll der Turm einmal mehr restauriert werden, was sich die Stadt laut Stier etwa 15 000 Euro kosten lässt. Im Frühjahr wird Restaurator und Kirchenmaler Matthias Krämer mit der Befundung beginnen. Seine Hauptaufgabe ist es unter den vielen Farbschichten die Originalfarbe herauszufinden. Nach diesen Erkenntnissen wird die Fassade dann farblich in den Anfangszustand zurückversetzt. Im Inneren seien ebenfalls einige Dinge zu erledigen, erklärt Krämer. Die drei Türen im Turm sind allesamt zu behandeln. Unkompliziertere Arbeiten erledigen dann die Mitarbeiter des Bauhofs, sagt Bürgermeister Stier.

Erbaut wurde der "Rote Turm", wie ihn einst die Paulusbrunner nannten, 1913 vom Seminarlehrer Professor Franz Xaver Mayer, der in Freising unterrichtete. Der gebürtige Bärnauer investierte damals 13 000 Goldmark in sein Feriendomizil. Angrenzend ließ er einen Park von etwa 30 Tagwerk anlegen. Ihn zierten große Tierskulpturen und seltene, zum Teil fremdländische Sträucher und Bäume. Auch ein Gartenhaus stand darin. Als Mayer 1923 starb, verwaisten Park und Turm. Alles verwilderte und der Turm war bald dem Verfall preisgegeben.

1957 kaufte die Simultane Hospitalstiftung Weiden den Turm zusammen mit einem größeren Waldstück an. 1958 legte die Baufirma Josef Hecht in Bärnau einen Sanierungsplan vor. Finanziert durch Zuschüsse und Spenden begannen ein Jahr später die Arbeiten - was damals gar nicht so einfach war. Denn an der Baustelle gab es zu dieser Zeit weder Strom noch Wasser. Der Raum im Erdgeschoss wurde mit Trachtenpuppen und anderen Erinnerungsstücken an Paulusbrunn ausgestattet. Im Obergeschoss wurde über der Eingangstür das Wappen der Patenstadt Weiden und über der Balkontür das Tachauer Wappen angebracht. Das Dachgeschoss war durch eine schmale Holz-Wendeltreppe erreichbar. Das Dach wurde neu gedeckt und der Rand mit Wasserspeiern in Form von Löwenköpfen verziert.

Eingeweiht wurde das Bauwerk am 12. Juli 1959 mit einem großen Bergfest. Dr. Ingild Janda-Busl und ihr Ehemann - der inzwischen verstorbene Kreisheimatpfleger Franz Busl - bekamen 1991 den Turm von der Stadt Weiden geschenkt. Sie ließen ihn 1992 innen und außen renovieren und das Dach neu decken. Seit 4. August 1992 ist der Turm denkmalgeschützt. Er diente zu dieser Zeit auch als Kulisse für die Veranstaltungsreihe "Konzerte beim Turm".

Für ihre Bemühungen um die Erhaltung des Turms wurde Janda-Busl mit der Denkmalmedaille geehrt. 2009 kaufte die Stadt Bärnau das markante Wahrzeichen. Seither wird es vom Festspielverein betreut. Aktuell zeichnen dafür Gertraud Zeitler und Andrea Wolf verantwortlich.

Löwenköpfchen leiten das Wasser in die Dachrinne.

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