03.07.2020 - 15:05 Uhr
BärnauOberpfalz

Heimat für Arnika und Mondraute

Biodiversitätberater Erwin Möhrlein hat die Biotopwiese von Michael Rösch auf dem "Großen Dürrmaul" besichtigt. Sie gehört zu den Top Ten in ganz Bayern.

von Ulla Britta BaumerProfil

Hinter der Baumreihe am Weiher startet ein Schwarzstorch in die Lüfte. Über die Wipfel des Storchenhabitats verschwindet er gen Norden. Er hat Frösche im nahen Fischweiher gejagt. "Der Schwarzstorch ist hier ständig vertreten", sagt Erwin Möhrlein. Der Sachbeauftragte im Landschaftspflegeverband Tirschenreuth kommt regelmäßig zu Michael Rösch, der seit 30 Jahren Naturschutzflächen pflegt. Auf ein derartig hohes Durchhaltevermögen kann der Fischzüchter stolz sein.

Sehr arbeitsintensiv

Biotopflächen unterliegen strengen Pflegebestimmungen, die Maßnahmen müssen nahezu ausschließlich per Hand erledigt werden und sind sehr arbeitsintensiv. Erwin Möhrlein hält Rösch über die Ergebnisse der Schutzmaßnahmen auf dem Laufenden. Möhrlein kartiert seit Jahrzehnten ehrenamtlich als Mitglied im Bund Naturschutz und im Landesbund für Vogelschutz jeden seltenen Vogel, jedes seltene Insekt und jedes selten gewordene Kraut auf den Landkreisbiotopen.

Natur-Raritäten erfassen

Seit einiger Zeit ist der 57-jährige Umweltschützer als Beauftragter der Regierung der Oberpfalz unterwegs. Seine Aufgabe ist es, die Natur-Raritäten zu erfassen, ob sie sich weiterentwickeln oder in der Anzahl weniger werden. Die "Mondrauten-Wiese", die Möhrlein heute besichtigt, gehört zu den Top-Ten Bayerns und sie ist so romantisch wie ihr Name klingt. Schreitet man an ihr entlang, weckt dies Kindheitserinnerungen ans Spielen auf blühenden Wiesen.

Arnika und Klappertopf

Zur Bestandsaufnahme gesellt sich Herbert Lankl. Der Bildhauer aus Thanhausen hat 1999 als junger Mann nahe der "Mondrauten-Wiese" eine imposante Steinskulptur aufgestellt. Damals hat der Bund Naturschutz Bayern das Denkmal in Auftrag gegeben, Lankl bekam für die Oberpfalz den Zuschlag. Und der "Stein der Weisen" muss wohl ein Auge auf die Schützlinge haben, die zu seinen Füßen auf seinem Standort wachsen. Die 30-jährige, störungsfreie Naturschutzpflegemaßnahme weiß Erwin Möhrlein zu schätzen. "Das hat sich bewährt", freut's den Biodiversitätberater, welch wertvolle Arbeit hier geleistet wird. Unter den seltenen Pflanzen findet er die Arnika, die Mondraute, den Klappertopf, das Sonnenröschen, das Ferkel- und das Knabenkraut und mehr. Streicht man bei der Arnika vorsichtig über ein leuchtend-oranges Blütenblatt, verströmt dies einen betörenden Duft, der selbst das Parfüm Chanel No. 5 in den Schatten stellt: Ein Sinneserlebnis aus der heimischen Natur. "Leider ist diese Heilpflanze sehr selten geworden, weshalb sie unter strengstem Naturschutz steht", erklären die Männer.

Optimaler Biotopverbund

Die Mondraute ist verblüht. Über deren Existenz sind Rösch und Möhrlein ebenfalls glücklich. "Die Bestände hier zeigen eindeutig, wie sich Biotope gut weiterentwickeln, lässt man sie über längere Zeiträume in Ruhe", betont Rösch, wie wichtig es sei, an solchen Orten Umweltschutzmaßnahmen sorgsam abzuwägen. Möhrlein spricht vom optimalen Biotopverbund aus Wasser, Wald und Wiese. Feuerfalter, Schwalbenschwanz, Prachtlibelle, Perlmuttfalter, Wildbienen, die Honigbiene, aber auch Schwarzstorch, Milan und wie sie alle heißen zeugen mit ihrer Anwesenheit vom hohen Naturwert dieses Idylls. Während deutschlandweit ein Insektenschwund von 70 Prozent verzeichnet wird, brummt und summt es auf der "Mondrauten-Wiese" auf Teufel komm' raus.

"Begonnen hat alles mit einer Streuobstwiese", erzählt Michael Rösch. Der Fischzüchter hat sich damit 1990 an einem Naturschutzförderprogramm beteiligt, da es in der Oberpfalz kaum Streuobst gegeben hat. Ein Hektar Naturschutzfläche ist daraus geworden. Deshalb sorgt sich Rösch um eine Störung der erreichten Naturidylle durch Projekte wie Windkraft bei Bärnau. Komprimiert eingesetzt an exponierten Standorten sei das in Ordnung. "Aber nicht überall."

Natürliches Kraftfutter

Möhrlein und Rösch besprechen, was in diesem Sommer zu tun ist. Die Lupinen müssen raus aus der Wiese. Sie sind nicht selten und würden den Raritäten den Platz wegnehmen. Rösch mäht erst jetzt im Juli, so schreibt es das Naturschutzgesetz vor. Dünger und Pflanzenschutzmittel sind in den Biotopen verpönt. "Nach der Mahd wird das Heu per Hand zusammengerecht", erzählt er aus seiner Arbeit. Um Abnehmer braucht er sich nicht sorgen. Die leckere "Gesund-Wiese" ist begehrt bei Tierzüchtern als natürliches Kraftfutter. Erwin Möhrlein ist zufrieden mit dem, was er gesehen hat bei seinem heutigen Kontrollbesuch auf der Biotopwiese nahe der Wasserscheide von Elbe und Donau. Das Stamperl Zirbelkieferlikör zum Besprechungsabschluss ist selbstverständlich auch Natur pur.

Die Öko-Modellregion Steinwald

Friedenfels
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