29.08.2018 - 08:47 Uhr
BärnauOberpfalz

International geht alles sehr viel besser

Die "Amtssprache" ist Englisch. Aber beim Arbeiten muss nicht immer gesprochen werden. Und überhaupt verstehen sich die 16 jungen Leute aus aller Welt im Workcamp des Geschichtsparks Bärnau auch ohne Sprache prima.

International geht's bestens: Die Italienerin Gudovica Zuccino (16) flechtet mit viel Spaß an der Sache gemeinsam mit den Mexikanern Michelle Velazuez und Juan de Dios Venegas(beide 22) einen mittelalterlichen Zaun.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Arbeit gibt es im Geschichtspark Bärnau-Tachov genug. Schließlich lebt das Freilandmuseum vom steten Wachsen und aktiven Projekten. Und am Montagmorgen musste der Park nach dem "Kinder-Sonntag" auch noch aufgeräumt werden. Es sind die 16 Teilnehmer des Workcamps. Sie versetzen mit Besen, Schaufel und Muskelkraft den Vorplatz des Geschichtsparks nach einem wirklich schönen Kindertag wieder in den Urzustand zurück. Organisiert wird das jährlich stattfindende Workcamp wieder über die IJGD Regensburg (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste). Die Zusammenarbeit hat schon Tradition.

Wie aber finden drei Japaner oder zwei Mexikaner ausgerechnet ins kleine Bärnau in Deutschland nahe der tschechischen Grenze? Am Montagvormittag will das auch Alfred Scheidler wissen. Der stellvertretende Landrat begrüßt die jungen Leute im Landkreis herzlich. Scheidler findet es großartig, dass im Geschichtspark für junge Studenten Praxis und Theorie gleichzeitig möglich seien. Das Workcamp nennt er schlichtweg toll. "Das dient der Völkerverständigung und es entstehen weltweit Freundschaften", sagt Scheidler. Für ihn leistet dieses Workcamp einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Weltfriedens. Er erfährt von Hanka Kaneto (18), Erina Okamoto (19) und Kenshiro Kogai (20), dass die Gäste über das Internet auf die Maßnahme in Bärnau aufmerksam wurden. Erina erzählt, dass sie über ihre Universität von der Möglichkeit eines Workcamps erfahren habe. "And I want to go to Germany", sagt die 19-jährige Politikstudentin.

Im weiteren Gespräch kristallisiert sich heraus, dass alle drei Japaner im Grunde nichts mit Archäologie am Hut haben. Sie studieren Wirtschaft oder Politik, dennoch interessierte sie das Bärnauer Mittelalterprojekt sehr. Ebenfalls keine Archäologie- oder Geschichtsstudenten sind die beiden Mexikaner. Michelle Velazuez (22) und Juan de Dios Venegas (22) studieren in ihrer Heimat "Management-Business". Sie wollten nach Deutschland und seien dabei ebenfalls wie die Japaner aufs Mittelalterdorf gestoßen.

"I am very happy to stay her. I love this place", schwärmt Goduvica Zuccino. Die blonde Italienerin strahlt dabei mit der Sonne um die Wette. Der 16-jährigen Highschool-Studentin für Gitarre und Gesang aus dem italienischen Lecce gefällt es richtig gut im Stiftland. Ähnliche Beweggründe nennen die weiteren Teilnehmer aus Georgien, Serbien, der Türkei und Deutschland.

"Das ist für alle immer ein Abenteuer", weiß archäologischer Leiter Stefan Wolters von vorherigen Workcamps. Ihn freut's, dass exakt acht Männer und acht Frauen gekommen sind und auch zwei Mexikaner den weiten Weg nicht gescheut haben. Wie der Arbeits- und Privatalltag der Gruppe strukturiert ist, erklären die Workcamp-Leiter, Niklas Berger (19) aus Münster und Clara Prinz (21) aus Freiburg.

Prinz war bereits vor fünf Jahren in Bärnau. Ihr habe es gut gefallen, deshalb sei sie wieder hier. Im Workcamp werden Arbeit und Freizeit weitgehend selbst organisiert. Die jungen Leute wohnen gemeinsam im alten Kindergarten und kümmern sich um ihren "Haushalt" selbstständig. Seit gut zehn Tagen flechten sie im Park Zäune, helfen beim Bau der steinernen Burganlage, konstruieren Lehmwände, stellen Holzschindeln her und packen an, wo's was zu tun gibt. Das Workcamp dauert noch zwei Wochen.

Diesmal muss die Arbeit noch ein wenig warten, denn der stellvertretende Landrat Dr. Alfred Scheidler (li. neben Archäologe StefanWolters) ist zu Besuch. Er heißt die jungen Leute aus aller Welt herzlich willkommen im Landkreis Tirschenreuth.

Stefan Wolters und die Museumspädagogin Julia Gräf (2 v. li. und 3 v. li.) zeigen den drei jungen Studenten aus Japan, wie im Mittelalter Mörtel hergestellt wurde. Benötigt wird der Mörtel für den Bau der mittelalterlichen Burganlage, einer Reisestation von Kaiser Karl IV. .

Er hat es live getestet: Wenn der Japaner Kenshiro Kogai (20) wieder nach Hause kommt, kann er davon erzählen, wie in Deutschland vor 500 Jahren mühselig Wasser geschleppt werden musste.

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