22.07.2019 - 16:18 Uhr
BärnauOberpfalz

Jugendliche nähern sich Paulusbrunn auf vielen Wegen

In die Geschichte eines verschwundenen Ortes tauchten 35 Schüler intensiv ein. Das Ergebnis ihrer Spurensuche ist nun in einer Ausstellung im Geschichtspark zu sehen.

von Rainer ChristophProfil

Es war eine Premiere: Schüler der Fachoberschule Weiden und der Kunstschule Stribro führten im Mai im ehemaligen Todesstreifen des verschwundenen Ortes Paulusbrunn ein Kunstprojekt durch. Das Ergebnis ist nun im Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen zu sehen.

Zur Vernissage laden die Beteiligten der FOS/BOS Weiden und der Kunstschule Stribro am Donnerstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr in den Geschichtspark Bärnau ein. Unterstützt wird das Projekt vom Deutsch-Tschechischen Fonds, der Stadt Bärnau, der Gemeinde Obora und der Sudetendeutschen Landsmannschaft München. In einem Gemeinschaftprojekt haben sich beide Schulen künstlerisch mit der Geschichte von Paulusbrunn auseinandergesetzt. Sie berichten vom Istzustand eines verschwundenen Dorfes und blicken auf seine Vergangenheit zurück. Unter dem Motto "Erinnerungen wach halten - um aus den Fehlern in der Geschichte zu lernen" haben die Schüler Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Installationen geschaffen. Norbert Steinhauser stellt Fundstücke aus dem Ort seiner Vorfahren zur Verfügung. Weitere Ausstellungen stehen bereits fest: Midissage ist im September in der Galerie im Alten Schulhaus Weiden, im Oktober in Stribro. Weitere Orte sollen folgen. Initiator des Projekts ist die "Arbeitsgemeinschaft Paulusbrunn" im Verein Via Carolina - Goldene Straße.

Beteiligt waren rund 35 Schüler mit ihren Lehrerinnen Silke Winkler (FOS Weiden) und Veronika Satrová (Kunstschule Stribro). Sie stellten sich der Herausforderung, einen Tag mit Skizzenblock und Fotoapparat über Wege zu gehen, die einst mit Leben gefüllt waren, vorbei an fiktiven Häusern, begleitet von Namen ihrer Einwohner, die durch Erzählungen und Bilder lebendig wurden. Die heute in Bärnau lebenden ehemaligen Paulusbrunner Ferdinand Zwerenz, Josef Wallerer und Anna Blommer sowie der in Bärnau geborene Norbert Steinhauser standen als Zeitzeugen zur Verfügung. Bürgermeisterin Dana Lesak-Müller aus Obora begrüßte die Schüler auf ihrem Gemeindegrund. Sprachliche Probleme lösten die Dolmetscher, Rudolf Tomsu (Tachov) und Katerina Kovacková (Plzen). Neugierig stapften die Teilnehmer los. Wo einst 1500 Einwohner ein aktives Dorfleben pflegten, hat sich inzwischen die Natur alles zurückgeholt. Zur einstigen Kirche mit Pfarr- und Schulhaus wusste Norbert Steinhauser beim Spaziergang durch die Vergangenheit: "1976 wurden der Turm und die Reste der Mauern gesprengt."

Am Ende trafen sich die Beteiligten im Kulturstadel "Windschnurrn" in Hermannsreuth. Die tschechischen Teilnehmer - keiner von ihnen war vorher in der Gegend - hielten es für wichtig, dass der Friedhof der Deutschen wieder hergestellt wurde. Einige der deutschen Schüler hatten erstmals tschechisches Gebiet betreten. In ihren Arbeiten erwecken sie nun die Geschichte des Ortes zum Leben.

 

 

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