15.05.2020 - 16:08 Uhr
BärnauOberpfalz

Keine "Gäste" mehr im Kinderhaus

Die gute Entwicklung im Kinderhaus hat auch seine Schattenseiten. Um Platz für die Kinder aus der Gemeinde zu haben, will Bärnau „Gastkinder“ nur mehr „nachrangig“ aufnehmen.

Einen enormen Zuspruch erfährt das Kinderhaus in Bärnau. Um die Situation in den Griff zu bekommen, werden künftig Kinder mit Wohnsitz außerhalb des Gemeindebereichs der Stadt "nachrangig aufgenommen". Für eine langfristige Lösung soll auch an einem Gesamtkonzept gearbeitet werden.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Das Interesse am Bärnauer Kinderhaus sorgt dafür, dass langsam der Platz knapp wird. Immerhin finden sich in der Einrichtung aktuell 24 junge Besucher der Kinderkrippe sowie 70 Mädchen und Buben in den drei Kindergartengruppen plus der integrativen Gruppe. In die Berechnung fließen noch sechs "fiktive" Kinder ein. Zudem muss bei der Belastung auch die Betreuung von sechs Schulkinder berücksichtigt werden.

Kinderkrippe komplett belegt

Bei der Sitzung des Stadtrates am vergangenen Donnerstag, die wieder im Saal des Pfarrheims stattfand, durfte Kinderhaus-Leiterin Isabelle Grundler einen Ausblick auf die Entwicklung der Einrichtung geben. Und hier machte Grundler deutlich, dass mit steigenden Kinderzahlen zu rechnen sei. So erwartete sie im neuen Jahr im Kindergarten insgesamt 23 "neue Kinder" und damit einen Anstieg auf 76 Kinder. Mit den "fiktiven Kindern" würden dann 82 Plätze benötigt. Ein Problem sei, dass die Betriebserlaubnis der Einrichtung (Kindergarten mit 75 Plätzen) nicht mehr für die künftige Kinderzahl ausreichen würde. Komplett belegt sei weiter die Kinderkrippe. "Wir freuen uns über die große Nachfrage, aber langsam wird es eng", beurteilte Isabelle Grundler den Ausblick.

Festhalten möchte die Kinderhaus-Leiterin an der "integrativen Gruppe", die sie auch als Qualitätsmerkmal der Einrichtung betrachtete. Als Konsequenz aus den Zahlen stellte Isabelle Grundler heraus, dass damit im neuen Jahr keine weiteren Neuaufnahmen möglich wären, auch nicht von Gastkindern. Eben um die bestmögliche Betreuung der einheimischen Kinder zu gewährleisten. Die Maßnahmen betrachtete Isabelle Grundler aber als Kompromiss. Langfristig müsste sich die Stadt Gedanken machen. Eine Erhöhung der Gruppenstärke würde wohl gerade zulasten der Kinder mit erhöhtem Förderaufwand gehen.

Michael Schedl (CSU) fragte nach der Notwendigkeit einer vierten Gruppe. Auf lange Sicht würde die notwendig", beurteilte die Kindergartenleiterin. Hubert Häring (Christliche Freie Wählergemeinschaft) erinnerte, dass die Kinderbetreuung zu den Pflichtaufgaben der Stadt gehöre. Er konnte sich Einschränkungen bei den Gastkindern vorstellen. Was Anna Toman (SPD/Grüne) bedauerte, da gerade die Gastkinder auch ein Zeichen des Zusammenwachsens bedeuten würden. Von einer Erhöhung der Gruppenstärke wollte Toman absehen.

Gesamtkonzept gefordert

Bürgermeister Alfred Stier verdeutlichte gerade mit den Zahlen das Engagement der Stadt für die Kinder. So sei 2018 insgesamt ein Defizit von 298 000 Euro getragen worden, im vergangenen Jahr waren es 303 000 Euro. Für Alexandra Morgado blieb auf lange Sicht keine Alternative zu einer vierten Gruppe, an dem Ziel sollte festgehalten werden. Mit Blick nach vorne wollte Anna Toman noch weitergehen und forderte ein Gesamtkonzept, das auch die Ganztagsbetreuung der Schulkinder berücksichtigen würde. Die Betreuung der Schulkinder könne auf Dauer nicht Aufgabe des Kindergartens sein. Josef Hubmann (Bürgerliche Wählergemeinschaft) verwies auf die Räumlichkeiten in der sanierten Grundschule.

Bei der Abstimmung sprach sich das Gremium geschlossen dafür aus, die integrative Gruppe um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nur eine Mehrheit fand sich für den Vorschlag, dass Kinder mit einem Wohnsitz außerhalb des Gemeindebereichs der Stadt Bärnau "nachrangig aufgenommen werden". Nicht durchsetzen konnte sich Anna Toman mit der Bitte, die Haushaltshilfe unbefristet zu beschäftigten. Mit Beschluss der Mehrheit wurde der Arbeitsvertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Bei der Betriebserlaubnis war das Gremium dann wieder geschlossen gegen eine Ausweitung der Gruppenstärke. Für die Fortführung des Betriebs will man sich um eine Ausnahmegenehmigung bemühen.

Kommentar:

Neue Töne
im Stadtrat

Es klingelt im Stadtrat, und nicht nur in den Ohren verschiedener Mitglieder bei entsprechenden Redebeiträgen. Nein, am Donnerstag startete die Verwaltung den ungewöhnlichen Versuch einer „Redezeitbegrenzung“. Beherrscht war das Experiment wohl von einer maximalen Flexibilität, denn der ungewöhnliche Ton schreckte manchen Redner zwar auf, hielt ihn aber nicht von einer Fortführung ab. Immerhin ein lobenswerter Versuch, an dem noch gefeilt werden muss.
Beim neuen Ton war im Stadtrat auch die höhere Frauenquote (2 von 16!) spürbar. Gerade Anna Toman brachte sich verstärkt ein, hatte fürs Gremium aber auch pädagogische Anweisungen: beim Sachvortrag nicht dazwischenreden, oder doch die Kappe bei der Sitzung abnehmen. Das eine wird wohl klappen, das andere eher nicht. Immerhin gewinnen die Sitzungen an Qualität, lediglich bei der Akustik war der Pfarrheimsaal ein Rückschritt.

Von Werner Schirmer

Im Blickpunkt:

Ärztin hat überraschend abgesagt

„Massivst enttäuscht“ ist Bürgermeister Alfred Stier von der Absage von Dr. Nadine Schneider. Bei den Planungen für das neue Ärztehaus an der Tachauer Straße hatte Stier fest mit der Belegung durch die Ärztin gerechnet. Mit Verweis auf die Corona-Situation habe die Medizinerin ganz überraschend und wohl nur mit einer Nachricht über das Smartphone abgesagt.

Um voranzukommen will Stier jetzt mit dem Ehepaar Weinrich sowie mit Dr. Peter Deinlein, dem Versorgungsarzt für den Landkreis, in Verbindung treten. Zudem gab Stier eine „tolle Idee“ von Peter Trepl, dem das Gebäude gehört, weiter. So könnte die Einrichtung als „Ausbildungspraxis“ gestaltet werden. Dadurch könnten Ärzte, die hier tätig sind, auch Sonderleistungen in Anspruch nehmen. „Parallel dazu bin ich mit zwei weiteren Ärzten in Kontakt“, berichtete Stier zum aktuellen Stand.

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