29.08.2018 - 14:49 Uhr
BärnauOberpfalz

Von der Räuberhöhle zum Knopf-Imperium

Als eine der ältesten Städte in Ostbayern und kleinste Stadt im Stiftland wurde Bärnau vor 675 Jahren vom Dorf zur Stadt erhoben. Anlässlich des Jubiläums lohnt ein Blick in die lange Historie der Stadt.

Der Bärnauer Marktplatz zur Palmkirwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) "Wegen unserer bayrisch-böhmischen Grenze haben wir unheimlich viel Geschichte", weiß Alfred Wolf. Der Vorsitzende des Vereins "Via Carolina - Goldene Straße" befasst sich schon lange mit der Historie der Stadt Bärnau. Besonders das Jubiläum gebe Anlass einen Blick auf 675 Jahre Stadtgeschichte mit seinen Besonderheiten zu werfen.

Eine konstante Besiedlung durch Slawen und Franken muss es bereits um das Jahr 1000 in der Region gegeben haben. Die erste urkundliche Erwähnung Bärnaus gab es 1296 mit der Nennung des Orts im Nürnberger Reichsbüchlein. Um 1300, als Bärnau im Besitz von Heinricht Vogt von Plauen und Albert von Seeberg war, entwickelte sich das Dorf zur Räuberhöhle und einem Unruheherd am Handelsweg der Goldenen Straße. 1312 ging Bärnau deshalb für 260 Groschen Prager Währung an das Kloster Waldsassen - "damit von der Burg Bernaw weiterhin nicht noch größere Räubereien begangen werden", heißt es im Schreiben von Johann von Luxemburg.

Böhmische Eigenart

Ohne jemals Markt gewesen zu sein, wird 1343 Bärnau vom Dorf zur Stadt erhoben. Am Mittwoch nach St. Gilgentag (1. September) erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer dem Kloster, Bärnau zur Stadt auszubauen mitsamt Befestigung durch Mauer und Graben, der Abhaltung eines Wochenmarkts und dem Egerer Stadtrecht. Trotz der abgeschiedenen Lage gehörte Bärnau mit den Wüstungen Griesbach und Hohenthan nicht lange zum Kloster.

Einen richtigen Aufschwung erlebt die damals junge Stadt durch Karl IV., der Bärnau vom Kloster Waldsassen erwarb. Ab 1353 galt dann auch das Bannmeilenrecht, ein Eigenart böhmischer Städte. Damit waren zwar viele Vorteile verbunden, wie Sicherheit, ein privilegierter Wirtschaftsraum und Bürgerrechte mitsamt der Gründung einiger Genossenschaften, aber auch Nachteile.

Alle Handwerker innerhalb der Meile mussten sich innerhalb von sieben Tagen in Bärnau ansässig machen - oder ihr Handwerk aufgeben. So ging es auch Wirtshäusern und Schänken: Sie waren gezwungen Bier und Malz aus Bärnau zu beziehen. (Hintergrund).

Dennoch bezeichnet Wolf die damalige Zeit als eine wahre Blütenzeit. Durch die Verleihung weitreichender Rechte profitierte die Stadt noch über Jahrhunderte. Im Hochmittelalter erweiterte die Stadt ihre Einrichtungen um das kurfürstliche Pflegeschloss und das Torwächterhaus. Das Süd- und Osttor stammte ebenfalls aus dieser Zeit, weiß der Vorsitzende.

Stadtmauer, Stadtmühle, Badehaus und Backofen folgten. Überhaupt: Von der Räuberhöhle entwickelte sich die Stadt zur florierenden Wirtschaftskraft. Um 1600 gab es bereits einen Magistrat mit Bürgermeister, Kämmerer, Stadtschreiber, Kastner und Kleinsteuereintreiber sowie fünf Viertelmeister (Ortssprechern).

Allerdings war nicht jeder Einwohner Bürger. Das Bürgerrecht, mit dem viele solidarische, genossenschaftliche Rechte einhergingen, musste man sich erkaufen. Ein hohes Gut. Aber nur als Bürger hatte man das Baurecht, Holzrecht, Jagd- und Fischrecht sowie das Pflanzrecht, das auch heute noch gültig ist, weiß Wolf.

Husiten und Stadtbrände

Im Oktober 1414 kam Johannes Hus auf seinem Weg zum Konzil in Konstanz durch Böhmen und auch durch Bärnau. In einem Brief berichtet der Prediger über den freundlichen Empfang in der Stadt und den Anhängern seiner Lehre. Das Verhältnis änderte sich rasch: Hus wurde in Konstanz als Hetzer verurteilt, verdammt und verbrannt. Seine Anhänger überfielen über Jahre hinweg die Oberpfalz. 1421 gewannen die Hussiten die Stadt.

Doch das kleine kompakte Bärnau verteidigte über Jahrhunderte hinweg ihre Rechte, was dem Zusammenhalt der Bürger zu verdanken sei. "Wir sind eine kämpferische Region", erklärt Wolf. Trotz der abgesicherten Lage war man eingekesselt: vom Pflegeamt Floß, dem Kloster Waldsassen und Böhmen. Doch nicht nur außerhalb der Stadtmauern lauerte die Gefahr: Insgesamt sieben Stadtbrände erlitt Bärnau, denen fast die gesamte Ortschaft zum Opfer fiel.

Ein Brand 1622 kostete dem Türmer Georg Büebl seinen Posten. Weil er oft betrunken war, bemerkte er den Brand nicht gleich. 49 Häuser, 50 Scheunen und 22 Stallungen fielen dem Feuer zum Opfer. 1778 brannten neben 68 Wohnhäusern auch das Rathaus, das Amtshaus und das Brauhaus nieder. Der große Stadtbrand von 1839 wütete am ärgsten. Ursache war Brandstiftung - Katharina Schwägerl hatte das Feuer bei ihrem Nachbarn Webermeister Urban Forster gelegt. Knapp 300 abgebrannte Häuser und Scheunen waren die Folge.

Bärnau wird Knopfstadt

Im Juli 1895 begründete der gelernte Knopfmacher Johann Müller aus dem mährischen Hosterlitz die Bärnauer Knopfindustrie. Durch seinen Impuls entstanden im Ort im Laufe der Jahre mehr und mehr Perlmuttknopf-Betriebe, so dass die Stadt bald zur kleinsten Messestadt der Welt wurde. Zu den Hochzeiten verschickte Müllers Knopf-Imperium bis zu vier Millionen Knöpfe pro Tag in die Welt. Bis heute ist die Knopfgeschichte ein bedeutender Teil der Stadthistorie.

Ein Teil der langen Stadtgeschichte wird beim Bärnauer Bürgerfest vom 7. bis 9. September im Ackerbürgerhaus dargestellt sowie beim historischen Festzug am Sonntag zu sehen sein (siehe Festprogramm).

Hintergrund:

Bärnau und das Bier

"Über die Jahrhunderte war das Bier die wichtigste Einnahmequelle der Stadt Bärnau" weiß Alfred Wolf. Wegen des Bannmeilenrechts mussten alle Schänken innerhalb der Meile ihr Bier in Bärnau kaufen oder dicht machen - was zu massiven Auseinandersetzungen führte. "Es gab regelrechte Bierkriege innerhalb der Meile", erklärt Wolf. Brauberechtigt waren nur Hausbesitzer Bärnaus, die innerhalb der Stadtmauer lebten. Gegen das Bräuzeichen, das beim Kämmerer gelost wurde, konnten sie bis zu drei Bräu pro Jahr brauen. Für die Nutzung des Braukessels musste nochmal Kesselgeld gezahlt werden. Laut Überlieferungen brauten die Bürger dann ohne Erlaubnis, bezogen das Bier heimlich von außerhalb oder lieferten schlechtes Bier aus. Dennoch bot das Brauwesen auch Arbeitsplätze für Braumeister und -knechte, Biersetzer oder Bierkieser sowie Mälzer.

Festprogramm:

Viele musikalische Höhepunkte

Die Verleihung der Stadtrechte feiert Bärnau mit einem großen Festwochenende von Freitag, 7. September, bis Sonntag, 9. September. Mit altem Handwerk, Musik auf zwei Bühnen und kulinarischen Spezialitäten wird die Innenstadt zur Festmeile.

Freitag: Um 17 Uhr Sektempfang am Rathaus, ab 18 Uhr Festakt in der Grundschulaula, anschließend Festzug zum Marktplatz. Ab 20 Uhr Weinfest mit "Blaskapelle Thanhausen". Samstag: Bürgerfest mit ehemaligen Bärnauern, ganztägig Aktion "Altes Handwerk" und Kinderprogramm. 14 Uhr Auftaktschießen der Böllerschützen Bärnau und Bieranstich. Nachmittags spielen die Bands "The Dixie Hot Licks" aus Pilsen und "Bite the Beagle", ab 21 Uhr Kabarett mit Matz Wolf im Ackerbürgerhaus, sowie Festabend mit Partyband "Highline" am Marktplatz. Licht- und Wassershow um 23 Uhr.

Sonntag: Festgottesdienst um 9 Uhr, historischer Festzug um 13 Uhr. Nachmittags und abends Musik mit "Blaskapelle Amatovka", "Duncan Woods and the Epicureans" aus Australien, den "Großkonreuther Alphornbläsern" und der "King-Size-Combo". Um 16 und 18 Uhr Vorstellungen "Jubiläumszauber" mit Magier Marco Knott im Schlosstheater. Um 21 Uhr Abschlussfeuerwerk.

Das Bild zeigt das Pflegeschloss um 1890.

Die Bärnauer Bürger in der Innenstadt vor dem Geburtshaus von Bischof Ignatius von Senestrey.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.