14.04.2019 - 14:30 Uhr
BärnauOberpfalz

Rechtzeitig Gedanken machen

Nach einem Unfall oder schwerer Krankheit kann die Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt sein. Dann sind Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung wichtig.

Michaela Heldwein-Keim von der NBH Bärnau bedankte sich bei Dr. Margarete Pickert und Dr. Cordula Köhler-Weinrich für ihre aufschlussreichen und informativen Vorträge mit einem kleinen Blumenpräsent. Von links: Michaela Heldwein-Keim (NBH), Frau Dr. Cordula Köhler-Weinrich, Frau Dr. Margarete Pickert, Maria Gleißner und Gerlinde Lode (NBH).
von Autor BIRProfil

Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung) waren Thema eines Informationsabends der Nachbarschaftshilfe Bärnau am Mittwoch im Gasthof zur Post. Als Referentinnen dazu konnte Michaela Heldwein-Keim von der NBH die beiden Ärztinnen Dr. Cordula Köhler-Weinrich und Dr. Margarete Pickert, die ärztliche Leiterin der SAPV Waldnaab, begrüßen. Mehr als 80 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über diese Thematik informieren zu lassen.

Vertrauensperson finden

Die beiden Ärztinnen unterstrichen in ihren Vorträgen immer wieder die Wichtigkeit einer gültigen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. "Wir wünschen uns Hilfe in der Not", betonte Dr. Köhler-Weinrich. Doch wer solle etwa nach einem Unfall oder bei einer Erkrankung, durch die selbstverantwortliches Handeln eingeschränkt werden, für mich bestimmen. Deshalb sei es wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, welche Vorsorge sinnvoll ist, um bei alters- oder krankheitsbedingten Einschränkungen im Rahmen seines eigenen Willens versorgt und gepflegt zu werden, oder gar mit lebensverlängernden Maßnahmen am Leben gehalten zu werden, appellierte die Ärztin. Wichtig, so Dr. Köhler-Weinrich, sei eine Vertrauensperson, die die Wünsche der Betroffenen vertritt und alle Angelegenheiten regelt, etwas mit Banken, Behörden oder Versicherungen. Dazu sei aber unbedingt eine gültige und persönlich unterschriebene und vom Arzt oder einer Betreuungsstelle beglaubigte Vorsorgevollmacht "bis über den Tod hinaus" notwendig.

Patientenverfügung wichtig

Weiter verwies Dr. Köhler-Weinrich auf den Unterschied zur Patientenverfügung. Denn die Vorsorgevollmacht regle nicht, welche Behandlung der Vertretene im medizinischen Einzelfall selbst wünscht. Die Patientenverfügung stelle unter anderem dar, welche Maßnahmen unterlassen werden müssen. Es sei das "Testament am Ende des Lebens." Verlasse man sich allein auf eine Vorsorgevollmacht, überfordere man den Bevollmächtigten unter Umständen mit schweren Entscheidungen über Leben und Tod.

Was bedeutet eigentlich SAPV? Darüber informierte Dr. Margarete Pickert, ärztliche Leiterin der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung Waldnaab. Die im Oktober 2016 gegründete Einrichtung sei eine Versorgung für unheilbar kranke Menschen, die trotz komplexer Probleme zu Hause leben möchten. Dabei könne es sich um schwer therapierbare Schmerzen, Atemnot, Angst- und Panikzustände usw. handeln. In solchen Ausnahmesituationen stehe das Team der SAPV zur Verfügung.

Lebensqualität erhalten

Das Team engagiere sich dafür, dass diese Patienten noch viel Zeit in häuslicher Umgebung mit der Familie und Freunden verbringen können. Wichtig, betonte Dr. Pickert, sei auch hier eine gültige Patientenverfügung. Ziel sei es, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung so weit wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer gewohnten Umgebung, in stationären Pflegeeinrichtungen bzw. stationären Hospizen zu ermöglichen.

Wer verordnet SAPV? Erstanfragen können durch Patienten, deren Angehörige, durch Hausarzt, Facharzt oder die Klinik erfolgen. Nach Feststellung des Leistungsumfangs stellen Hausarzt, Facharzt oder Klinikarzt eine SAPV-Verordnung aus.

Dr. Cordula Köhler-Weinrich erläuterte bei der Informationsveranstaltung der Nachbarschaftshilfe die Bedeutung von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.
Dr. Köhler-Weinrich beim Vortrag.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.