22.05.2018 - 20:00 Uhr
BärnauOberpfalz

Besuch im Geschichtspark Auf der Suche nach der Motte

Wie lebten die Menschen bei uns im Mittelalter? Und was hat das alles mit einer Motto zu tun? Schüler aus Sulzbach-Rosenberg fuhren bis nach Bärnau, um das herauszufinden.

Die Buben und Mädchen erlebten einen spannenden und lehrreichen Tag im Geschichtspark. Bild: hfz
von Redaktion OnetzProfil

Bärnau/Sulzbach-Rosenberg. Wir, die Klassen 5a und 6a der Krötensee-Mittelschule, besuchten auf Einladung des Bayernwerks den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Dort lernten wir viel über das mittelalterliche Leben und sollten auch die Motte finden. Dabei dachten wir an eine Kleidermotte oder einen Nachtfalter, der ja auch als Motte bezeichnet wird. Die Suche sollte sich als ein schwieriges Unterfangen erweisen.

Zur Hälfte eingegraben

Sie begann im slawischen Dorf aus dem 9. Jahrhundert und wir tauchten ein in das frühe und mittlere Mittelalter. Archäologen entdeckten das Grubenhaus in der Gegend von Nabburg. Uns fiel sofort auf, dass das Haus zur Hälfte im Boden steckte. "Ist das in den weichen Lehmboden eingesunken?", fragten wir uns. In diesem Haus lebte eine ganze Familie in einem einzigen Raum. Die Betten bestanden aus Holzbrettern, die an der Wand angebracht waren, und darauf lagen Leinensäcke mit Stroh und anderem weichem Material aus Pflanzen.

Vater, Mutter und bis zu sechs Kinder lebten in einem Haus. Damals war die Kindersterblichkeit sehr hoch, viele Kinder überlebten die ersten Lebensjahre nicht. Auch waren die Leute schlau, erfuhren wir. Denn sie hatten eine natürliche Klimaanlage. Im Sommer war es im Grubenhaus kühl, da der Fußboden unterhalb der Erdoberfläche war, und im Winter erwärmte die Erdwärme das Haus. Von außen sieht das Grubenhaus sehr klein aus, aber von innen ist es größer, als es scheint. Die Motte haben wir hier leider nicht gefunden.

Danach begaben wir uns zum Pfostenhaus. Schon in der Steinzeit bediente man sich solcher Bauweise. Von unserer Führerin erfuhren wir, dass die Tragpfosten bis zu einem Meter in den Boden reichten, wo sie noch mit Steinen verkeilt wurden. Doch hatte diese Methode einen Nachteil, nämlich dass die eingegrabenen Hölzer relativ schnell verfaulen. Gute Stabilität und Witterungsschutz des Hauses erreichten die Erbauer durch ein Flechtwerk aus Weidenruten und Lehmverputz, das mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh abgedichtet wurde.

Leicht entflammbar

In einer Grube wurden zu diesem Zweck Lehm, Stroh und Wasser vermischt. Dabei musste das Flechtwerk in mehreren Arbeitsschritten bestrichen werden. In der Zwischenzeit mussten die einzelnen Schichten immer wieder trocknen. Dadurch entstehen weniger Risse und die Wände werden stabiler. Die Slawen deckten das Haus mit Schilf, aber auch Stroh oder Schindeln waren übliche Baumaterialien. Tiere wurden im Haus von ihnen nicht gehalten. Über der Feuerstelle hing ein Tierfell, das Funken, die nach oben stiegen, abgefangen sollte, damit das trockene Hausdach nicht abbrannte. Aber ein Funke ist leider auch keine Motte, erklärte unsere Führerin.

Weiter ging es zum slawischen Langhaus. Dieses wurde im Frühmittelalter gebaut. Im Gegensatz zum Grubenhaus ist der Boden des Langhauses ebenerdig. Es war 21 Meter lang und 8 Meter breit. Darin lebte eine Großfamilie, ein Clan oder ein Dorfvorsteher. Dies war niemals ein Wohnstallhaus, denn die Slawen lebten nicht mit den Nutztieren unter einem Dach, wurde uns erklärt.

Ofen für alle

An der Giebelspitze hatten alle Häuser ein Eulenloch, das als Rauchabzug diente, denn eine Feuerstelle gab es in jedem Langhaus und Schornsteine kannte man damals noch nicht. Draußen entdeckten wir einen Backofen, der meist als Lehmofen ausgeführt war. Einen solchen gab es jedoch nur einmal im Dorf und er wurde gemeinschaftlich genutzt. Ein Lehmofen konnte die Wärme sehr gut speichern und das Brot darin wurde etwa 45 Minuten gebacken. In jedem Haus befand sich auch ein einfacher Webstuhl, denn jede Familie musste damals ihre Kleidung selbst herstellen und war im Grunde auf sich alleine gestellt. Leider war unsere Suche nach der Motte auch im Langhaus immer noch nicht erfolgreich.

Schließlich ging die Spurensuche weiter. Wären wir clever gewesen und hätten das grüne Logo mit dem Turm genauer angesehen, wir hätten uns den ganzen Weg sparen können und gemerkt, dass sich die "Motte" vor unserer Nase befand. So gelangten wir an einen großen runden Hügel mit einem großen Pallisadenbaum. Endlich waren wir am Ziel. Die Turmhügelburg oder auch Motte ist ja sogar das Wahrzeichen des Museums und das Logo des Geschichtsparks.

Also war die Motte kein Tier, sondern ein 15 Meter hoher Turmhügel mit Wassergraben, Holzturm und Verteidigungseinrichtungen. Dieser Bau wurde Turmhügelburg genannt und man baute ihn, wie es um das 11. Jahrhundert üblich war, meist als Verteidigungseinrichtung, so dass man auch Vorräte und Saatgut darin sicher verwahren konnte. Der Turm hatte im Inneren keine Eingangstür, so war es für die Angreifer viel schwieriger hineinzugelangen. Man musste erst die innere Verteidigungsplattform überwinden.

Zeichen der Macht

Darüber hinaus war der Turm gleichzeitig ein Machtsymbol und Machtmittel des Ortsvorstehers. Die Bewohner des Dorfes mussten ihre Steuern dort abgeben. Auch Gericht wurde darin abgehalten. Interessant und spannend waren die Geschichten über das harte und entbehrungsreiche Leben im Mittelalter allemal und dass die Motte keine "Motte" ist, hätten wir auch nicht gedacht.

Klassen 5a und 6a der Krötensee-Mittelschule Sulzbach-Rosenberg.

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